Tiere in der Stadt: Warum sie dazugehören

Schon seit ein paar Tagen beobachte ich den künftigen Untermieter. Es ist ein Spatz, der sich sein Nest ausgerechnet direkt über meinem Küchenfenster bauen möchte. So muss er mit seinem Baumaterial im Schnabel immer direkt an mir vorbei, wenn ich mich in der Küche aufhalte. Ich nehme an, dass ich ihm Angst einjage. Er nimmt nämlich manchmal mehrere Anläufe, bis er es tatsächlich mit seinem bepackten Schnabel an meinem Fenster vorbei schafft.

Spatz in der Großstadt: Viele Tiere haben sich an unsere urbanen Lebensräume angepasst Spatz in der Großstadt: Viele Tiere haben sich an unsere urbanen Lebensräume angepasst
(Foto: oatsy40 / Flickr)

Wahrscheinlich war der Spatz spät dran und hat keinen besseren Nistplatz mehr gefunden. Aber immerhin fand er überhaupt eine Stelle, und in der Nähe gibt es Wasser und ausreichend Futter für den Nachwuchs. In manchen Städten sieht es für Spatzen und andere Singvögel dagegen schlecht aus. Es fehlen Brutplätze, weil sanierte Hausfassaden keine Möglichkeit mehr zum Nestbau bieten. Zudem verschwinden grüne Flächen, weil Platz für neue Bebauung gebraucht wird. Damit wird so manchen kleinen, tierischen Stadtbewohnern der Lebensraum genommen.

Tiere sorgen für Lebensqualität

Dabei sind Tiere nicht nur irgendwo in weiter Landschaft, sondern vor allen Dingen auch in Städten wichtig. Sie sind Teil der städtischen Umgebung und sorgen für jede Menge Lebensqualität der Städter. Wo Vögel zwitschern, Käfer krabbeln und Bienen summen, da wird Natur erlebbar und Leben spürbar.

Fütterung eines Eichhörnchens: So wird Natur auch in der Stadt erlebbar Fütterung eines Eichhörnchens: So wird Natur auch in der Stadt erlebbar
(Foto: Kai Schreiber / Flickr)

Dass eine natürliche Umgebung in verschiedener Hinsicht gut für die Gesundheit ist, wurde bereits wissenschaftlich untersucht. Eine grüne Umgebung kann zum Beispiel beim Stressabbau helfen oder den Blutdruck senken. Dass neben dem Menschen auch ziemlich viele verschiedene Tierarten in den Städten leben, ist ebenfalls bekannt. Wie aber Gebäude, Straßen und Flächen in Städten so gestaltet werden können, dass ansässige Tiere dort dauerhaft Lebensraum finden, das wurde bislang wohl kaum erforscht. Es passiere einfach, dass Tiere in Städten leben. Dabei sei aber nicht geklärt, warum das so sei, so Dr. Wolfgang Weisser von der Technischen Universität München.

Tiergestütztes Design

Genau diese Frage müsste aber im Sinne einer gemeinsamen Planung für Menschen und Tiere in der Stadt beantwortet werden. Das sogenannte tiergestützte Design versucht eben dies. Der Biologe Dr. Wolfgang Weisser beschäftigt sich in seinem Forschungsprojekt mit dem „Animal Aided Design“.

Mithilfe des tiergestützten Designs sollen bei Bauprojekten Lebensräume für Tiere so selbstverständlich mitbedacht und mitgeplant werden wie derzeit bei Bauvorhaben zum Beispiel Stellflächen für Autos eingeplant werden. Dabei versteht sich das „Animal Aided Design“ nicht hauptsächlich als Tierschutzmaßnahme. Es möchte vielmehr Gestaltungsmöglichkeit für eine bessere Lebensqualität sein. Im Ergebnis können somit bessere Lebensbedingungen für Menschen sowie für Tiere herauskommen.

Bekannte Tiere sind bedroht

Auf dem Land sieht es übrigens für Tiere nicht besser aus als in der Stadt. Im Gegenteil. Gerade im ländlichen Raum werden den Tieren durch intensive Landwirtschaft ihre Lebensräume und Nahrungsquellen genommen.

Inzwischen in seinem natürlichen Lebensraum bedroht: der Feldhamster Inzwischen in seinem natürlichen Lebensraum bedroht: der Feldhamster
(Foto: Thomas Hirsch / Flickr)

Insgesamt nimmt die Vielfalt, also die Biodiversität, ab. Inzwischen sind so bekannte Tiere wie der Feldhamster oder der Kiebitz bedroht. Es ist also dringend angeraten, sich bei der Planung des eigenen Umfelds auch um die Belange der Tiere – und der Pflanzen – zu kümmern.

Ich kann mir nicht auf die Schulter klopfen, denn mein Haus war schon tierfreundlich, lange bevor ich einzog. Freuen kann ich mich aber sehr, wenn ich wieder einmal neue tierische „Untermieter“ entdecke. Welche mir am liebsten sind, kann ich nicht sagen. Sehr gern mag ich die gemütlichen Hummeln, die sich in kleinen Ritzen im Mauerwerk niederlassen. Gerade sorgt aber besonders der Spatz für gute Laune, der so mutig sein Nest baut.

Quellen:

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Susanne Raven
Über Susanne Raven 116 Artikel
Susanne ist freie Autorin und als Feng Shui Enthusiastin seit 2007 Betreiberin von Everyday Feng Shui. Die gelernte Logopädin hat sich zum Ziel gesetzt, traditionelles Feng Shui im deutschsprachigen Raum populärer zu machen. Susanne erreicht ihr unter info@everyday-feng-shui.de

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