Versteckte Codes in der Stadt

Was die Natur am Land ist, ist die Kultur in der Stadt. Eine Ausstellung von Schmuckkünstlerin Barbara Edlinger und Architektin Marion Wicher regt zum Nachdenken an.

Foto (C) Irmgard Brottrager. Kunstobjekte (C): Marion Wicher und Barbara Edlinger
Foto (C) Irmgard Brottrager. Kunstobjekte (C): Marion Wicher und Barbara Edlinger

Was wäre eine Stadt ohne alle ihre Formen von Kultur? Das, was eine Stadt attraktiv und lebenswert macht, ist nicht das Natürliche, sondern das Künstliche und von Menschen gemachte. Die Baukultur. Das Design. Die kulinarischen Angebote. Das Theater-Programm. Die unzähligen kleinen Läden und Boutiquen, die es sonst nirgendwo gibt. Die Buchhandlungen und Bibliotheken. Die Foren, Kulturhäuser, Festsäle und Veranstaltungshallen. Die Universitäten und sonstigen Ausbildungsstätten. Die diversen Sprachen und Umgangsformen. Die Spuren der Touristen und übrigen Besucher. Die vielen Codes und versteckten Zeichen, die nur derjenige entschlüsseln kann, der sie versteht.

Parallelgesellschaften und ihre Codes

Jede Stadt beherbergt zahlreiche Parallelgesellschaften, die sich nicht nur durch ihre Herkunft und Religionszugehörigkeit unterscheiden. Wie es möglich ist, dass die unterschiedlichsten Menschen auf engsten Raum miteinander auskommen, hat viel mit den „geheimen“ Gesten, Symbolen und Schriften zu tun, die bei der Erkennung und Verständigung helfen. Man könnte auch von „Schwingungen“ reden, um es energetisch auszudrücken. Denn jede Form sagt etwas aus. Sie spricht an oder stößt ab. Ganz ohne Worte und bewusstes Nachdenken. Wir orientieren uns an Strukturen und Mustern, um jene Mitbewohner herauszufiltern, die uns anziehend erscheinen. So geht jeder seines Weges und achtet auf die „Zeichen“, die in keinem Wörterbuch zu finden sind.

Yes_No, Foto: Barbara Edlinger
Yes_No Ringe, Foto: Croce & Wir

City Code Graz

Die Ausstellung „City Code Graz“ ist noch bis 8. Juni 2019 geöffnet. Sie befindet sich in der Bürgergasse 11 im Showroom von Barbara Edlinger. Die Öffnungszeiten und Kontaktdaten sind unter dem folgenden Link ersichtlich: Galerie Transit. „City Code“ ist ein Teil des interdisziplinären Projektes „Der NO RING“, das in Zusammenarbeit der beiden Designerinnen entstanden ist. Marion Wicher ist eigentlich Architektin, aber es macht für sie keinen großen Unterschied, ob sie Häuser, Innenräume, Möbel oder eben Schmuck designt. Der Designmonat Graz 2019 steht heuer unter dem Motto „No Design, No Glory“ mit dem Schwerpunkt „Frauen und Design“. Graz war 2003 die Kulturhauptstadt Europas und ist seit 2011 eine UNESCO City of Design. Die Netzwerkgesellschaft Creative Industries Styria fungiert hierbei als Kompetenzzentrum mit organisatorischen Aufgaben

Yes oder No?

Barbara Edlinger und Marion Wicher reduzieren das Thema auf das Wesentlichste. Nämlich auf Zeichen von Ja oder Nein. Diese beiden grundlegenden Codes werden in Form von Bildern, Gesten, Fingerringen und einem Soundstück sichtbar gemacht. Die vergrößerten und überarbeiteten Fotografien an den Wänden besitzen eine ganz eigene Ästhetik und die Schlüsselwörter sind wirklich sehr versteckt. Klarer und eindeutiger erkennt man die Botschaften, die mit Ja- beziehungsweise Nein-Gesten in Videoclips präsentiert werden. Die Darstellerinnen und Darsteller sind Laien-Schauspieler, die auf der Straße angesprochen wurden. Der NO-Ring, den es in mehreren Ausführungen gibt, wurde von Marion Wicher entworfen und von Barbara Edlinger materialisiert. Nebenbei ist übrigens ein interessanter Einblick in die Schmuckwerkstatt möglich, denn der Showroon ist ein „Open Space“ ohne Türen. Der Ring soll die Trägerinnen beim Neinsagen unterstützen, ohne dass jemand den Code sofort entschlüsseln kann.

Verschlüsselte Affirmationen

Die Ringe sehen sehr dynamisch und extravagant aus. Niemand käme auf die Idee, dass sie eine Affirmation enthalten. Denn das NO ist ganz raffiniert in arabischen Buchstaben geschrieben und zusätzlich verzerrt. Gerade Frauen fällt es oft schwer, ein klares Nein auszusprechen zu Dingen, die sich nicht gut anfühlen. Nur wer entschieden Nein sagen kann, kann auch entschieden Ja sagen. Der Ring und auch die Bilder können dabei helfen, mehr Widerstand und Standfestigkeit zu entwickeln, wenn mal wieder jemand eine Zustimmung herauslocken möchte. Jeder wünscht sich möglichst viel Zustimmung und Bestätigung, Gleichgesinnte und Mitstreiter, und übt mehr oder weniger Druck auf die anderen aus. Aber es ist nicht immer gesund, diesen Wünschen Folge zu leisten. Denn jedes falsche Ja zu einem anderen Menschen ist ein Nein zu sich selbst.

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Literatur-Übersicht

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