Über den Wert un die Bedeutung der eigenen Handschrift

Manchmal verschwinden Dinge oder Tätigkeiten fast unmerklich aus dem Alltag. Oft genug fällt es erst im Nachhinein auf. So könnte es auch mit der Handschrift sein. Sie ist offenbar so selten geworden, dass sie sogar schon als hochwertige Dienstleistung in Auftrag gegeben werden kann.

Werden immer seltener: Handschriftliche Nachrichten und Briefe Werden immer seltener: Handschriftliche Nachrichten und Briefe (Foto: Adrian Clark)

Vor 20 Jahren hätte es für das Angebot des jungen Berliner Unternehmens Schreibstatt, eine Manufaktur für handgeschriebene Kommunikation, sicherlich kaum eine Nachfrage gegeben. Wer wäre auf die Idee gekommen, seine Briefe von fremder Hand zu Papier bringen zu lassen und dafür Geld zu bezahlen? Heute ist die Marktlage ganz anders. Viele Menschen greifen höchstens noch zum Kugelschreiber, um den Einkaufszettel zu schreiben. Einen Brief oder ein anderes längeres Schriftstück bringen die wenigsten Menschen mit dem Stift zustande. Angesichts der Allgegenwart von Computer & Co droht so die Handschrift aus unserem Alltag zu verschwinden.

Jahrelang wurde als hinterwäldlerisch bezeichnet, wer auf die gute alte Handschrift wert legte. Auch an den Grundschulen geriet das ausgiebige Üben des Schreibens völlig aus der Mode. Zwar fiel in der Folge auf, dass immer mehr Kinder auch in höheren Klassen enorme Probleme mit Rechtschreibung und Grammatik haben. Doch ein Zusammenhang zur fehlenden handschriftlichen Übung wurde nicht hergestellt. Stattdessen trainieren Grundschulkinder mit diagnostizierter Lese-Rechtschreib-Schwäche heute mithilfe von Computerprogrammen die richtigen Buchstabenfolgen.

Kindern fehlen die motorischen Voraussetzungen

Kalligraphie, die Kunst des Schönschreibens, hat in Ländern wie China eine lange Kulturtradition - nur leider nicht in Deutschland Kalligraphie, die Kunst des Schönschreibens, hat in Ländern wie China eine lange Kulturtradition – nur leider nicht in Deutschland (Foto: Axel Rouvin)

Nun kritisiert die Nürnberger Kunst- und Medienpädagogin Stephanie Müller, dass die meisten Erstklässler Probleme mit dem Schreiben hätten. Zwei Drittel der Kinder brächten nicht die nötigen motorischen Fähigkeiten mit, um in der Schule das Schreiben mit dem Stift zu erlernen. Zudem seien Pädagogen heutzutage kaum noch in der Lage, die Schreibschrift zu vermitteln – sie selbst arbeiten ja auch nicht mehr mit Stift und Papier. Oft genug kommen junge Erwachsene an die Hochschulen, die keine Schreibschrift beherrschen.

In den Heften der Grundschüler finden sich keine Schwungübungen mehr, und das gelehrte Schriftbild ähnelt eher der Druck- als der Schreibschrift. Doch Bildungsforscherin Stephanie Müller betont, dass gerade eine geschwungene Schrift mit verbundenen Buchstaben einen höheren Lerneffekt habe als die Druckschrift mit einzelnen Zeichen. Zudem schreibt es sich viel schneller, wenn der Stift in flüssiger Bewegung übers Papier gleitet. Doch genau dieses flüssige Gleiten gelingt eben nur mit ausreichender Übung.

Die Handschrift als persönliche Note

Was sich schließlich aus vielen Jahren des täglichen Schreibens entwickelt, ist die eigene Handschrift. Wie bedauerlich wäre es, wenn wir künftig ganz ohne diese persönliche Note auskommen müssten. Es ist doch ein seltenes, aber umso schöneres Erlebnis, die Handschrift eines lieben Menschen zum Beispiel auf einem Briefumschlag zu wiederzuerkennen. Angesichts dieser Gedanken sollten möglicherweise vorhandene Sorgen um die Ebenmäßigkeit des selbst erstellten Schriftbilds schwinden. Doch die Unzufriedenheit mit der eigenen Handschrift scheint weit verbreitet zu sein. Das wiederum verwundert nicht, denn kaum jemand dürfte sich die Zeit nehmen, in täglichen Schreibübungen daran zu feilen. Auch hier zeigt sich, dass Computertastatur und Wischbildschirm ihren Teil dazu beitragen, dass wir unsere Fertigkeiten regelrecht verkümmern lassen. Ein liebevoller Umgang mit der eigenen Schrift ist also zu sehr empfehlen. Etwas Schönes über den Wert der persönlichen Handschrift gibt es hier zu hören.

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Über Astrid Albrecht-Sierleja 157 Artikel
Astrid Albrecht-Sierleja verfügt als langjährige Malerin und Lackiererin über ausgesprochen praxisorientiertes Wissen und kennt als Produkt-Designerin die Vielfalt gestalterischer Möglichkeiten im Wohn- und Arbeitsbereich. Astrid erreicht ihr unter a.albrecht@everyday-feng-shui.de

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