Wie geht Zazen?

Zazen klingt wie eine Kombination aus Zen und Sitzen – und das ist es auch. Es handelt sich um eine spezielle japanische Meditationstechnik, die den Geist und den Körper zur Ruhe bringt, um uns mit unserem höheren Selbst zu verbinden.

Foto: HaPe_Gera / flickr CC BY 2.0
Foto: HaPe_Gera / flickr CC BY 2.0

Warum Entspannung so wichtig ist

Stress ist die Ursache für sehr viele Befindlichkeitsstörungen. Stress beschäftigt und trübt den Verstand. Es ist einfach nicht natürlich, häufig im Stress zu sein – womöglich jeden Tag und von früh bis spät. Meditationstechniken helfen uns dabei, kleine Auszeiten zu gewinnen und zur Ruhe zu finden. Man könnte es auch geistiges Powernapping nennen. Abschalten. Loslassen. Untertauchen. Kraft schöpfen. Inspirationen empfangen.

Eine kurze Anleitung

Eine Zazen-Sitzung dauert traditionell 25 Minuten lang. Der Ablaufplan ist recht streng und daher nicht für jeden geeignet. Die größte Schwierigkeit besteht darin, sich überhaupt nicht zu bewegen. Damit dies nicht anstrengend wird, darf man sich nicht auf den Körper und etwaige Wehwehchen konzentrieren. Die Augen werden geschlossen und man begibt sich auf eine gedankenlose Reise in das Reich der stillen Wahrnehmungen. Man achtet nur auf den Atem und das, was gerade ist. Alles darf sein – nur keine Gedanken. Um die Gedanken zu beschäftigen, kann man die Wahrnehmungen kurz registrieren, ohne sie zu interpretieren, zu bewerten oder auszusprechen. Zum Beispiel: Wind, Vogelstimme, Motorbrummen, Gefühle, körperliche Regungen und so weiter. Somit wird verhindert, dass sich weiterführende Gedanken bilden oder dass man in schläfriges Träumen verfällt. Man schaut einfach nur, was kommt und springt von einer Wahrnehmung zur nächsten, ohne sich Gedanken zu machen. Die Aufmerksamkeit kehrt immer wieder zur offenen Wahrnehmung zurück, falls sie in die eine oder andere Richtung entgleitet.

Und so wirkt Zazen

Bei wiederholter Praxis lernen wir, dass wir unsere Aufmerksamkeit kontrollieren können – und somit auch unseren Geist und unsere Gefühle. Es geht nicht darum, das Denken irgendwann einzustellen oder zu reduzieren. Sondern wir lernen, dass wir uns wundervoll entspannen können, wenn wir uns möglichst oft auf das Hier und Jetzt konzentrieren und nicht kilometerlangen Gedankenblasen nachhängen, die sich wie selbstständig ihren Weg bahnen und für betrübliche Stimmungen sorgen. Der Geist wirkt geklärt und erfrischt nach der Mediation. Der Nebel vor dem Gehirn ist verschwunden. Alles fühlt sich leichter und befreiter an. Wir sind vom kleinlichen Ich-Bewusstsein in eine souveräne Beobachterrolle gewechselt. Die falsche Identifikation mit dem Ich löst sich auf, denn wenn wir uns selbst beobachten können, gibt es offenbar eine höhere Distanz, die man als unser eigentliches „Sein“ oder „Selbst“ bezeichnen kann. Wenn man das wohlig entspannte Gefühl nach einer Sitzung bereits kennt, fällt es zunehmend leichter, den Gedankenstrom ruhig zu halten.

Wir sind nicht unsere Gedanken, sondern wir haben Gedanken

Zazen ist kein intellektuelles Studium, sondern ein sehr einfacher und direkter Weg, um eine Ahnung von Erleuchtung zu erhalten. Es spielt keine Rolle, ob es irgendeine Erklärung dafür gibt, WARUM es so entspannend, beglückend und heilsam ist, das Denken hintanzustellen und in die Beobachterrolle zu wechseln. Fakt ist, dass es funktioniert. Die Zazen-Methode ist leicht zu erlernen, wobei die korrekte Sitzhaltung keine Voraussetzung ist. Wer nicht mehr so gelenkig ist oder Probleme mit den Knien hat, kann auch eine ähnliche Haltung wählen, die sich entspannt anfühlt, aber nicht zum Einschlafen verleitet. Auch außerhalb der Meditationspraxis ist es ratsam, sich nicht über alles und jeden Gedanken zu machen, sondern genauer zu beobachten und es bei den Beobachtungen zu belassen. Wenn es mit zunehmender Praxis gelingt, ein solides Bewusstsein für unser höheres Selbst zu erlangen, wird sich die Identifikation immer stärker vom Ego zum Selbst verlagern. Wie wissen dann, dass es „nur Gedanken“ sind, die uns gerade beschäftigen. Und dass diese Gedanken nicht essentiell sind, sondern gelenkt werden können.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel wurde von keiner Ärztin geschrieben und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Beitrag teilen:
Über Irmgard Brottrager 804 Artikel
Irmgard Brottrager ist Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur, Fachredakteurin und Fengshuiberaterin in Graz. Sie beschäftigt sich vorzugsweise mit Aufgaben, die mit dem Menschen und seinem Umfeld zu tun haben. Irmgard erreicht ihr unter i.brottrager@everyday-feng-shui.de

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*