Wunschträume für die innere Schatztruhe

Kinder träumen davon, zum Mond zu fliegen oder in einem Schloss zu wohnen. In den seltensten Fällen dürften solche Kinderwünsche wahr werden. Doch ganz verloren sind die Träume aus frühen Zeiten deshalb noch lange nicht. Sie können sich vielmehr zu einem echten Schatz entwickeln, der uns stets begleitet.

An vermeintlich unrealistischen Kindheitsträumen festzuhalten, kann sich auch im Erwachsenenalter noch auszahlen
An vermeintlich unrealistischen Kindheitsträumen festzuhalten, kann sich auch im Erwachsenenalter noch auszahlen (Foto: EladeManu)

Wunschträume sind wichtige Wegbegleiter, denn sie können eine gute Orientierungshilfe sein. Wünsche helfen dabei, im Leben die richtige Richtung einzuschlagen: Aus dem Wunsch heraus lassen sich Ziele entwickeln, die es zu erreichen gilt. Träume können also gute Motivationshilfen sein. Schwierig wird es allerdings, wenn Wünsche, Ziele und Wirklichkeit über lange Zeit weit auseinander liegen. Unrealistische Zielvorstellungen können auf Dauer sogar schädlich für die Gesundheit sein. Denn ein ewig unerreichbares Ziel vor Augen zu haben, an dem man regelmäßig scheitern muss, schafft ein großes Frustpotenzial. Das sorgt für Stress, der schließlich krank machen kann.

Aus Träumen werden Ziele

Es ist in manchen Fällen also durchaus ratsam, sich nach gewisser Zeit von seinen Wunschvorstellungen zu verabschieden und sie durch erreichbare Ziele zu ersetzen. Bei Heranwachsenden funktioniert das in der Regel ganz von allein. Dabei müssen die Wunschträume aus der Kindheit gar nicht komplett verschwinden. Sie verändern sich und reifen schließlich heran wie die jungen Menschen. Aus dem Kindheitswunsch von der Reise zum Mond wird vielleicht das gar nicht mehr abwegige Ziel des Physikstudiums.

Die Fantasie genießen

Der eigenen Fantasie Raum geben, gibt viel Kraft für den Alltag
Der eigenen Fantasie Raum geben, gibt viel Kraft für den Alltag (Foto: Pier-Luc Bergeron)

In anderen Fällen ist weder ein Abschied vom unerreichbaren Wunschtraum noch seine Umwandlung in ein realistisches Ziel nötig. Selbst wenn klar ist, dass die über die Zeit gehegte Wunschvorstellung nicht Realität werden wird, muss das nicht zum andauernden Frusterlebnis führen. Es kann vielmehr gelingen, die Utopie bewusst zu genießen. Dazu muss sich der lieb gewonnene Traum in eine schöne Fantasie wandeln, der wir gern in Gedanken nachgehen. So ist es möglich, die Wunschträume im Wissen um die Unmöglichkeit ihrer Realisierbarkeit positiv zu empfinden. Als bittersüße Sehnsucht bezeichnet dies die Psychologieprofessorin Alexandra Freund. Und die Philosophin Brigitte Boothe meint, dass Wünsche in dieser Form ein Schatz sind, den wir in uns tragen. Dieser Schatz hilft dabei, die Erkenntnis zu akzeptieren, dass manche Vorstellungen nicht umsetzbar sind. Derartige Wunschträume sind angenehm und alles andere als ungesund. Sie geben vielmehr Kraft für den Alltag.

Letzte Hoffnung für unerfüllte Wünsche

Doch auch solche Wunschtraumschätze können unangenehme Nebenwirkungen haben: Für die eigenen Kinder, die möglicherweise unter dem Druck stehen, die unerfüllten Wünsche der Eltern endlich Wirklichkeit werden zu lassen. Die Theorie, dass Eltern ihren Kindern unbewusst den Auftrag erteilen, die eigenen unerreichten Wunschvorstellungen weiterzuverfolgen, gilt zwar als wissenschaftlich nicht belegt. Sie ist aber seit Jahrzehnten verbreitet und dürfte für viele Eltern wie auch Kinder gut nachvollziehbar sein. Kaum eine Mutter oder ein Vater wird es sich gern eingestehen. Aber einige werden bei ehrlicher Selbstbetrachtung einräumen, ihren Kindern manche eigene Wunschvorstellung mit auf den Weg gegeben zu haben. Manche Psychoanalytiker gehen sogar noch einen Schritt weiter. Sie vermuten hinter dem einen oder anderen Kinderwunsch die unterbewusste Hoffnung, dass auf diese Weise längst abgeschriebene eigene Wunschträume doch noch wahr werden könnten.

Quelle:

www.zeit.de – Wo liegen unsere Träume, wenn wir sie begraben?

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