Auch Männer dürfen weinen: Vom Rätsel des Weinens

Diese Bilder, die in den Tagen der Fußball-Weltmeisterschaft durch die Medien gehen, sind selten: Männer vergießen öffentlich Tränen. In den Zeiten ohne sportliche Großereignisse weinen Männer dagegen so gut wie nie. Frauen lassen ihre Tränen weitaus häufiger und ausgiebiger fließen. Warum ist das so?

In der Öffentlichkeit ein seltenes Bild: weinender Mann
In der Öffentlichkeit ein seltenes Bild: weinender Mann (Foto: Abd allah Foteih)

Ein Indianer kennt keinen Schmerz, und Cowboys weinen nicht. Viele Erwachsene erinnern sich noch gut an diese und ähnliche Sprüche aus ihrer Kindheit. Vielleicht ist also die Erziehung dafür verantwortlich, dass Männer viel seltener Tränen vergießen als Frauen. Erwiesen ist aber lediglich, dass Frauen durchschnittlich 30 bis 64 Mal im Jahr weinen, während Männern im Durchschnitt höchstens 17 Mal pro Jahr die Tränen kommen. Eine wissenschaftliche Erklärung für diesen deutlichen Unterschied gibt es bislang nicht.

Warum weinen wir?

Tränen sind bei Jungen und Mädchen akzeptiert

Einer GfK-Umfrage zufolge, die die Apotheken Umschau in Auftrag gegeben hat, wird das Weinen bei Mädchen wie Jungen allgemein akzeptiert. 92 Prozent der befragten Frauen und immerhin 78 Prozent der Männer waren der Meinung, dass Jungen genauso weinen dürfen wie Mädchen. Mit der Akzeptanz ist es allerdings vorbei, sobald es nicht mehr um Mädchen und Jungen, sondern um Frauen und Männer geht. Mehr als die Hälfte der männlichen Befragten hält öffentliche Tränen bei Männern für unangemessen, gut 45 Prozent der Männer empfinden das männliche Weinen als „besonders peinlich“. Die befragten Frauen sehen das anders. Ein Viertel von ihnen meint, dass es sich für Männer nicht gehöre, in der Öffentlichkeit zu weinen.

Ähnlich deutliche Unterschiede gibt es auch beim Umgang mit den eigenen Tränen. So stört es 57 Prozent der Frauen nicht, vor anderen Menschen zu weinen. Von den befragten Männern machte es dagegen nur 28 Prozent nichts aus, die Tränen in der Gegenwart anderer Menschen zu vergießen. Warum das so ist, fand auch diese Umfrage nicht heraus.

Tränen bringen Mitleid

Typisch menschlich: Tränen bringen Mitleid und Mitgefühl
Typisch menschlich: Tränen bringen Mitleid und Mitgefühl (Foto: Ktoine)

Den sogenannten emotionalen Tränen sind die Wissenschaftler seit langer Zeit auf der Spur. Aber die Frage, wozu das Weinen aus Traurigkeit, Wut, Freude oder anderen Gefühlslagen heraus überhaupt gut ist, können sie bis heute nicht hundertprozentig erklären. Es gibt verschiedene Theorien, die allesamt plausibel klingen, denen aber eben der wissenschaftliche Beweis fehlt. So gehen Evolutionsforscher davon aus, dass das Weinen die Gefühle des Gegenüber verstärken soll. So kann es Mitleid wecken und verhindern, dass Aggressionen aufkommen. Auch die erforschte Wirkung der chemischen Botenstoffe in den Tränen geht in diese Richtung.

Vielleicht ist es auch ganz gut, wenn nicht alles auf seinen Nutzen hin abschließend untersucht wird. Das Weinen jedenfalls ist selten eine Aktivität, die bewusst und zielgerichtet geplant und ausgeführt wird. Es überkommt uns – oder eben nicht. Es gibt Menschen, die „nah am Wasser gebaut“ haben und solche, die nie eine Träne vergießen. Manchen Menschen tut es gut, sich regelrecht auszuheulen. Andere kennen das Bedürfnis gar nicht. Wieder andere Menschen bedauern, gar nicht zu einem befreienden Weinen in der Lage zu sein. Und einige von denen, die weinen können, wünschen sich mehr Kontrolle über den eigenen Tränenfluss. Es ist doch faszinierend, dass es heutzutage so etwas Unkontrollierbares wie das Weinen überhaupt noch gibt.

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