Feng Shui im neuen Botanischen Garten Shanghai

Der deutsche Landschaftsarchitekt Christoph Valentien hat für die EXPO 2010 den neuen Botanischen Garten Shanghai entworfen. In einem Interview mit ZEIT ONLINE wartet er mit einer erstaunlichen Erkenntnis auf: „Man muss heute Stadt und Landschaft als Einheit betrachten.“ Da schmunzelt der Feng Shui Liebhaber und denkt: Willkommen in China.

Farbenfroh: Der Botanische Garten Shanghai
Der Botanische Garten Shanghai (Foto: Qiao-Da-Ye)

Dieser Beitrag fällt in die Rubrik: „Was viele Menschen hierzulande gar nicht mitbekommen, weil die deutschen Medien nicht darüber berichten“. Oder wusstet Ihr, dass das größte EXPO-Shanghai-Projekt, der über 200 Hektar große, neue Botanische Garten Shanghai von den deutschen Landschaftsarchitekten und Stadtplanern Valentien und Valentien geplant und umgesetzt wurde?

Um mal eine Vorstellung von den Ausmaßen des Projektes zu bekommen: Auf dem Parkgelände waren rund tausend Arbeiter drei Jahre lang damit beschäftigt, die 35 Themengärten und den sie umgebenden bis zu 14 Meter hohen Ring zu bepflanzen und zu gestalten. Auf 200 Millionen Euro beliefen sich die Gesamtkosten. Das ist in etwa das Dreifache dessen, was in die Bundesgartenschauen in Schwerin oder München investiert wurde.

Jetzt erschien ein recht aufschlussreiches Interview mit Prof. Christoph Valentien, einem der beteiligten Architekten, auf ZEIT ONLINE. Darin geht es um Landschaftsarchitektur im 21. Jahrhundert („better city, better life“ lautete ja auch das Thema der Weltausstellung) und die Herausforderungen zwischen Tradition und Moderne, die sich eine Metropole wie Shanghai in den nächsten Jahrzehnten stellen muss.

Landschaftsplanung zwischen Tradition und Moderne

Altstadt von Pingyao
Nach Feng Shui Prinzipien gebaut: Pingyao (Foto: rytc / Auckland)

Viele Stadtgründungen, so erläutert Valentien, beruhen auf Feng Shui Prinzipien: „Berge im Norden, Seen in der Mitte, nach Süden ausgerichtete Gebäude“. Vor der Planung des botanischen Gartens haben sich Valentien und Kollegen intensiv mit diesen Traditionen auseinandergesetzt, sich bei der Gestaltung aber dafür entschieden, keine vordergründigen Zitate einzubauen. Denn „Gärten sind für Chinesen wie ein Traum; sie stehen für die Schönheit der Natur.“

Dennoch lassen sich zahlreiche Bezüge zur Tradition finden: „Die Symbolik von Quadrat und Kreis etwa. Auf die stößt man in China überall, an einfachen Häusern ebenso wie beim Kaiserpalast. Wir haben in einem Karree von Ausfahrtstraßen einen grünen Ring modelliert, sieben bis vierzehn Meter hoch, fünf Kilometer im Umfang. Dieser begehbare Wall schirmt den Garten von der Außenwelt ab und dient selbst als ein wichtiger Standort.“

Der Botanische Garten Shanghai: Beitrag bei Kultur.21

Das Gesamtkonzept der Anlage löst sich laut ZEIT ONLINE jedoch von jeglichen traditionellen Anwandlungen, in denen ein Garten als grüne Utopie die Gegenwelt zur Großstadt bildet. Vielmehr werden der Park und die Berge schon bald „Intarsien von Natur im Häusermeer der Metropole sein“. Valentien ergänzt: „Man muss heute Stadt und Landschaft als Einheit betrachten. Muss die Stadt so bauen, dass sie landschaftliche Qualitäten gewinnt, und die Landschaft der städtischen Nutzung anverwandeln. Es handelt sich nicht um einen Gegensatz, sondern um eine Symbiose.“

Es handelt sich hier um eine erstaunliche Erkenntnis eines führenden deutschen Landschaftsarchitekten, die man sich einmal genüsslich auf der Zunge zergehen lassen sollte. Wir haben uns hier aber gefragt, was an diesem Konzept so neu und somit nicht traditionell ist? Das Harmonie-Prinzip, der Ausgleich und die Symbiose von gegensätzlichen Kräften wie Yin und Yang (Arbeit und Erholung, Stadt und Natur) – ist all dies nicht schon immer Bestandteil des Feng Shui und somit chinesischer Tradition?

Wird nicht mit dem Ausgleich der Elemente im Feng Shui seit jeher versucht, dem Menschen auch in seiner unmittelbaren Wohn- und Arbeitsumgebung ein möglichst natürliches und der „Ästhetik der Natur“ nachempfundenes Umfeld zu schaffen? Halleluja. Da bleibt uns nur zu hoffen, dass der neue Botanische Garten Shanghai nicht das letzte Projekt von Christoph Valentien gewesen ist und vor allen Dingen: Dass sich die Erkenntnis der Betrachtung von Stadt und Landschaft als Einheit auch endlich bei seinen deutschen Kollegen herumspricht.

www.everyday-feng-shui.de

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