Feng Shui und der Mythos des Klodeckels

Werfen Sie einen Blick in Ihr Bad oder WC. Ist der Klodeckel zu? Wenn nein, dann klappen Sie ihn schnellstens zu, bevor Ihr gesamter Reichtum heruntergespült wird. Im ernst, diese Empfehlung finden Sie in zahlreichen Feng-Shui-Ratgebern. Seitdem Feng Shui im Westen populär wurde, hält sich der Mythos, Klodeckel hätten etwas mit Reichtum zu tun, sehr hartnäckig. Lesen Sie, warum das ein Irrtum ist.

Was hat das stille Örtchen mit Reichtum zu tun? Foto: http://pixabay.com/de/tür-alt-holztür-herz-toilette-516731/ by condesign
Was hat das stille Örtchen mit Reichtum zu tun?
Foto: http://pixabay.com/de/tür-alt-holztür-herz-toilette-516731/ by condesign

 

Doch zuerst etwas vorweg in eigener Sache. Ich kann offene Klodeckel nicht leiden! Nicht wegen Feng Shui, sondern aufgrund der Hygiene und Ästhetik.

Aber wie kam es zu diesem Mythos?

Tatsache ist, klassische Feng-Shui-Quellen liefern zahlreiche Empfehlungen, wie man den Verlust von Chi in Räumen vermeiden kann. Dabei findet man auch Hinweise auf einen „Schlund“ (frei übersetzt), der nur beim Bedarf zu öffnen sei. Ansonsten soll er versperrt bleiben. Könnte damit eine Toilette gemeint sein?

Nein, damit kann garantiert nicht eine Toilette gemeint sein, weil es im alten China gar keine Toiletten in Wohnbereichen gab. Ein Wohnhaus aus dieser Zeit bestand meistens aus einem großen Raum. Manchmal gab es noch kleinere, nur dürftig abgetrennte Nischen zur Vorratshaltung oder als Schlafbereich. Badezimmer oder Toiletten hatten darin keinen Platz.

Die Notdurft wurde außerhalb des Wohnhauses verrichtet. Auf dem Lande grub man einfach ein Loch im Boden unweit des Hauses, legte ein Brett quer drüber, errichtete einen provisorischen Sichtschutz und fertig war das Klo. Einen Klodeckel gab es genauso wenig wie eine Spülung. Interessanterweise gab es aber recht früh das Klopapier. Das wurde nämlich in China „erfunden“. Bereits im 6. Jahrhundert schrieb der Gelehrte Yan Zhitui (531–591): „Ich würde es nie wagen, Papier mit Zitaten oder Kommentaren aus den Fünf Klassikern oder Namen von Weisen darauf für die Toilette zu verwenden.“ (Quelle: Joseph Needham, Tsien Tsuen-Hsuin: Science and Civilization in China. Volume V, Chemistry and Chemical Technology, Part 1, Paper and Printing, Caves Books, Taipei 1986, S. 123. via http://de.wikipedia.org/wiki/Toilettenpapier). Daraus lässt sich ableiten, dass schon damals sehr darauf geachtet wurde, nichts Wertvolles aus Versehen oder Unachtsamkeit in die Toilette zu werfen.

Eine öffentliche Toilette in China. Foto: By Wrightbus (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons
Eine öffentliche Toilette in China.
Foto: By Wrightbus (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons
Bis heute hat China ein sehr gespaltenes Verhältnis zum stillen Örtchen. In den Städten gibt es zwei Arten von öffentlichen Toiletten: die chinesischen, die weiterhin aus einem Loch im Boden bestehen und die westlichen, die mehr oder weniger unserer Vorstellung von einem WC entsprechen. Klodeckel oder irgendeinen Hinweis auf Reichtum sucht man hier vergeblich.

Die teuerste Toilette der Welt, gibt es laut dem Guinnessbuch der Weltrekorde, ebenfalls in China. Lam Saiwing, ein Juwelier aus Hongkong, erfüllte sich einen Traum vom goldenen Badezimmer. Selbstverständlich ist hier auch die Kloschüssel aus purem Gold.

Verrückte Idee, die uns den Feng-Shui-Mythos des Klodeckels leider auch nicht erklärt.

Es gab jedoch früher noch eine andere Möglichkeit Abfälle zu entsorgen und zwar direkt in die Gosse. Als „Abfluss“ diente ein Loch in der Hauswand oder im Boden, das stets mit Brettern oder ähnlichem versperrt war, damit nichts unkontrolliert reinfallen und fortgespült werden konnte. Kam so die Feng-Shui-Empfehlung „damit der Reichtum nicht fortgespült wird“ zustande? Das lässt sich wahrscheinlich heute nicht mehr beweisen. Mit einem Klodeckel hat sie aber sicher nichts zu tun.

Und so bleibt uns weiterhin frei, wie wir es mit dem Klodeckel handhaben. Reicher oder ärmer werden wir dadurch nicht. Aber Vorsicht, die Gefahr lauert doch. Jedem fünften Deutschen fällt das Handy ins Klo! Das belegt eine Umfrage des Internetproviders 1&1 und YouGov (ein internationales Marktforschungsinstitut) in Verbindung mit Versicherungen von Smartphones. Leider passiert es meistens beim Verrichten der Notdurft und dabei sollte der Klodeckel doch besser offen bleiben.

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Über Hedwig Seipel 112 Artikel
Hedwig Seipel wandelte 1998 ihr Leben um und machte ihr Hobby - die asiatische Lebensphilosophie - zum Beruf. Nach fundierten Ausbildungen im Feng Shui, Geomantie, Coaching und Training gründete sie eine eigene Praxis. Sie ist Sachbuchautorin, Dozentin, Seminarleiterin und Beraterin.

1 Kommentar

  1. Danke für den interessanten Artikel. Allerdings finde ich schon, dass man das Klo mit solch einem Abfluss gleichsetzen kann …

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