Gleichmut und Frieden im Zustand der bewussten Dissoziation

Damit ist die Kunst gemeint, nichts persönlich zu nehmen – auch nicht die eigenen Gedanken und Gefühle. Die Identifikation mit den „Ego“ oder der „Person“ aufzulösen, achtsamer zu sein und sich in Gelassenheit zu üben.

Das emotionale Ego ist oft sehr aufgebläht, während das höhere Bewusstein kaum wahrgenommen wird. Foto (C) Nimish Gogri / flickr CC BY 2.0
Das emotionale Ego ist oft sehr aufgebläht, während das höhere Bewusstein kaum wahrgenommen wird. Foto (C) Nimish Gogri / flickr CC BY 2.0

 

Was bedeutet der Begriff Dissoziation?

Dissoziation ist das Gegenteil von Assoziation. Assoziation bedeutet, dass man sich mit einer Situation indentifiziert und voll in ihr aufgeht mit allen Sinnen, Gedanken und Gefühlen.

 

Krankhafte Dissoziation

Unter Dissoziation versteht man in der Psychologie eine krankhafte Form der Abspaltung von Wahrnehmungen und Erinnerungen, um sich selbst vor Schmerzen und anderen unerwünschten Gefühlen zu schützen. Immer dann, wenn wir traumatisiert sind, mit einer Wahrnehmung überfordert sind oder sie nicht einordnen können, kommt es zu einer Ausklammerung aus dem bewussten Gedächtnis. Die verdrängten Informationen bleiben jedoch im Unterbewusstsein gespeichert und streben danach, an die bewusste Oberfläche zu gelangen. Verdrängungen wirken daher wie Magnete für negative Erfahrungen, weil sie erinnert werden wollen. Sie führen dazu, dass immer wieder etwas passiert, was sich so ähnlich anfühlt wie das Verdrängte.

 

Dissoziation bei Alzheimer und Amnesie

Mit zunehmendem Alter geht bei vielen Menschen der Zugang zu Erinnerungen verloren. Sie spinnen sich immer mehr in Vorstellungen ein, die mit der modernen Welt nicht kompatibel sind. Die geistigen Abspaltungen führen zu Gefühlen der Einsamkeit und Isolation. Die Kommunikation mit jüngeren Menschen wird immer schwieriger, weil man keine gemeinsame Basis mehr findet.

 

Gefühlstaubheit für den eigenen Körper

In unserer Gesellschaft hat die Missachtung und Unterdrückung von körperlichen Regungen einen derart hohen Stellenwert, dass es für viele Menschen normal ist, Anzeichen von Unwohlsein, Unbehagen, Schmerzen, Krankheitssymptomen oder Bedürfnissen auszublenden. Diese ständige Ausschaltung des Körpers aus der Wahrnehmung kann so weit gehen, dass das Gespür für den eigenen Körper weitgehend verloren geht. So kann es passieren, das man von Frauen hört, die völlig überraschend Kinder gebären, weil sie nicht mal bemerkt haben, dass sie schwanger waren. Viele verletzen sich selbst oder nehmen selbstschädigende Substanzen zu sich, ohne den Schaden zu spüren.

 

Alltägliche Dissoziation, Alltagstrance

Darunter versteht man den Zustand, wenn wir unsere Gedanken fliegen lassen oder derart in eine Tätigkeit versunken sind, dass wir von der Umgebung nichts mehr mitbekommen. Das kann zum Beispiel während einer längeren Autofahrt oder Zugfahrt passieren. Oder bei gleichförmigen Arbeiten, die keine Aufmerksamkeit erfordern. Wer studiert hat und viele Vorlesungen besucht hat, kennt sicher das Phänomen, dass die Gedanken gerne abschweifen, so dass man am Ende nicht mehr weiß, was eigentlich vorgetragen worden ist.

 

Bewusste Dissoziation durch Perspektivenwechsel

Eine bewusste und gesunde Dissoziation hat den Vorteil, dass man nichts mehr verdrängen muss, sich nie mehr verbiegen muss für andere Menschen und sich aus allen Streitigkeiten raushalten kann. Wir begegnen anderen Menschen mit Abstand und Respekt, mit Aufmerksamkeit und Wohlwollen. Man ist nicht weggetreten und steht nicht neben sich, sondern man steht quasi hinter sich oder über sich. Man identifiziert sich nicht mit der eigenen Person, die gerade etwas erlebt, sich etwas denkt oder etwas fühlt, sondern man beobachtet die Person und bleibt mit dem Bewusstsein im Hintergrund.

 

Das höhere Bewusstsein ist vergleichbar mit einem Heißluftballon, der den Überblick ermöglicht. Foto (C) dierk schaefer / flickr CC BY 2.0
Das höhere Bewusstsein ist vergleichbar mit einem Heißluftballon, der den Überblick ermöglicht. Foto (C) dierk schaefer / flickr CC BY 2.0

 

Erhöhtes Bewusstsein durch Überwindung des Egos

Die bewusste Trennung des höheren Bewusstseins vom begrenzten, kleinlichen Ego führt dazu, dass man viel achtsamer sein kann und viel besser geschützt ist. Wir öffnen alle Wahrnehmungskanäle, betrachten die Situation jedoch ohne Projektionen und Verstrickungen, sondern aus einer gelösten Perspektive. Das Ego ist von den unerlösten Themen des „Inneren Kindes“, von tierischen Trieben und „vererbten“ Problemen der Sippe bestimmt. Es ist sehr kleinmütig, weltlich und einfältig und besitzt einen sehr rationalen Charakter mit geringem Weitblick. Die Emotionen gehen schnell hoch und lassen sich leicht manipulieren. Dieses enge Korsett an Emotionen, Trieben und Gedanken ist nicht unser wahres Wesen, sondern nur ein Teil des Körpers, der gerade auf diesem Planeten inkarniert ist. Unser eigentliches Wesen ist nicht dasselbe wie die Instanz, die „sich selbst“ beobachten kann, sondern der innere Beobachter ist nur ein Teil des gesamten Wesens. Immerhin können wir sehr leicht in die Beobachterrolle gehen oder diese „einschalten“ wie eine Kamera, mit der wir uns selber filmen. Jeder kann sich selbst und andere beobachten und mit diesem Schritt beginnen, sein Ego zu überwinden.

 

Frieden und Konfliktfähigkeit

Ego-bestimmte Menschen suchen Bestätigung für ihre eigenen Sichtweisen und grenzen andersdenkende Menschen aus, unterdrücken sie, greifen sie an oder vernichten sie sogar. Daher ist ein friedliches Zusammenleben von Menschen, die unterschiedliche Ansichten haben, nicht möglich, solange sie aus dem Ego heraus agieren. Um Konflikte zu vermeiden, einzudämmen oder zu lösen, ist es sehr hilfreich, wenn die Beteiligten in den dissoziierten Zustand gehen können. Die Gemüter beruhigen sich und man kann die Differenzen von einer „höheren Warte“ aus analysieren oder einfach respektieren, ohne sich daran zu reiben.

 

 

 

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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