Häuser aus Plastikflaschen: Bauen mit PET

Leere Plastikflaschen sind zu großen Teilen mitverantwortlich für die globale Umweltverschmutzung. Ein deutscher Zimmermann kam auf die Idee, alte PET-Flaschen als Baumaterial zu verwenden. Seither entstanden weltweit Häuser in Plastikflaschen-Bauweise.

Schätzungen zufolge werden in Deutschland jährlich etwa 800 Millionen Plastikflaschen weggeworfen. Die meisten dieser so genannten PET-Flaschen (PET steht für Polyethylenterephthalat) landen jedoch nicht auf der Müllhalde oder in der Müllverbrennungsanlage, sondern werden recycelt. Dafür sorgen unser Pfandsystem und das Umweltbewusstsein der Bevölkerung.

Die weltweite Verschmutzung mit alten Plastikflaschen hat ein unvorstellbares Ausmaß erreicht.
Die weltweite Verschmutzung mit alten Plastikflaschen hat ein unvorstellbares Ausmaß erreicht. (Foto: John Bosma)

In Entwicklungs- oder Schwellenländern wie beispielsweise Kolumbien, Nigeria oder Brasilien gibt es weder ein Pfandsystem noch die notwendige flächendeckende Infrastruktur, um anfallenden Plastikmüll ordnungsgemäß zu entsorgen oder wiederaufzubereiten. Millionen von Plastikflaschen sorgen dort inzwischen für ein riesiges Müllproblem, denn oftmals werden sie achtlos weggeworfen, nachdem sie ausgetrunken sind. Hunderte von Jahren würde es dauern, bis diese Flaschen biologisch abgebaut sind. Wohin also mit dem ganzen Müll, der auf Gewässern treibt und sich an Straßenrändern türmt?

Die Lösung des Plastikmüllproblems: Häuser aus PET

Im Angesicht dieses gewaltigen Müllproblems auf der einen Seite und der extremen Armut vieler Menschen in den Entwicklungsländern auf der anderen kam der deutsche Zimmermann Andreas Froese während einer Reise durch Lateinamerika auf eine grandiose Idee. Warum nicht die vielen Plastikflaschen als Baumaterial verwenden und damit Häuser bauen? Froese entwickelte daraufhin eine Methode, die so simpel und effektiv ist, dass man sich wundert, warum niemand zuvor auf diese Idee gekommen ist:

Man fülle leere Plastikflaschen mit Erde, Bauschutt oder Sand, verschließe sie, staple sie wie Ziegelsteine im Mauerwerk und füge sie mit einer Nylonschnur oder Stacheldraht zusammen. Für den nötigen Halt sorgt schließlich Lehm oder Mörtel.

Mexikanisches Mädchen vor mit Erde gefüllten PET-Flaschen

Rohbau aus PET-Flaschen

Mauer aus Plastikflaschen in Mexiko
Mauer aus Plastikflaschen in Mexiko (Foto: Andreas Froese)

Echte Ziegelsteine sind nicht nur sehr energieaufwändig in der Herstellung, sondern zudem für viele Menschen in der dritten Welt unerschwinglich. Häuser aus Plastikflaschen stehen denen aus Ziegel in ihren Dämmeigenschaften und ihrer Stabilität in nichts nach. Dafür kosten sie aber nur einen Bruchteil dessen was ein richtiges Haus aus Stein kostet, denn das Baumaterial – die PET-Flaschen – sind inzwischen überall auf der Welt im Überfluss vorhanden.

Seit Gründung seiner Firma Eco-Tec Soluciones Ambientales in Honduras im Jahre 2001 hat Froese weltweit über 50 Projekte in der Plastikflaschen-Bauweise realisiert. Darunter sind sogar Wassertanks mit einem Fassungsvermögen von 24.000 Litern. Die verschmierte PET-Flaschenkonstruktion hält selbst hier. Doch Ziel von Froese sind gar nicht große ambitionierte Bauvorhaben. Es geht ihm in erster Linie darum, Menschen, denen das Nötigste im Leben fehlt, zu einem Dach über dem Kopf zu verhelfen. Dazu genügen etwa 6.000 PET-Flaschen, Lehm und etwas Baumaterial für die Dachkonstruktion.

Hausbau mit der Plastikflaschen-Bauweise in Nigeria
Hausbau mit der Plastikflaschen-Bauweise in Nigeria (Foto: Andreas Froese)

 

Recycling-Immobilien von Arthur Huang

Die von Andreas Froese entwickelte Bauweise scheint mittlerweile auch international großen Anklang zu finden. Immonet, ein führendes deutsches Immobilienportal, berichtet gerade vom taiwanesischen Architekten Arthur Huang, der leere Plastikflaschen zu wabenförmigen Hohlformen verarbeiten lässt und als Baustoff verwendet. Diese Plastikkörper ermöglichen eine statisch sehr günstige Verbauung, da sie an Stahlgerüsten angebracht werden.

Die Ökobilanz dieser Bauweise ist kaum zu unterbieten. Die ausschließlich aus Plastikabfällen hergestellten Hohlkörper weisen hervorragende Dämmeigenschaften auf, sind Lichtdurchlässig und äußerst leicht. Einzig und allein das Raumklima dürfte sich durch die Luftundurchlässigkeit des Materials als ungünstig erweisen. Dieses Problem hat man jedoch bei Glasbauten in gleicher Weise.

Bauen mit PET und Häuser aus Plastikflaschen – so ungewöhnlich dies zunächst klingen mag: Unter Umweltschutzgesichtspunkten und in Anbetracht der wachsenden Armut in vielen Teilen der Welt ist eine solche Entwicklung nur zu begrüßen.

www.everyday-feng-shui.de

Video: Die Plastikflaschen-Bauweise von Eco-Tec

Weitere Quellen:

www.pm-magazin.de – Recyclen – Leere Flaschen als Ziegelersatz
www.stuttgarter-zeitung.de – Eine Million Flaschen dämmen das Haus
www.oekonews.at – Plastik Häuser? Nigeria recycelt Plastikflaschen einmal anders

4 Kommentare

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich bräuchte zur Illustrierung eines Artikels in der Verbandszeitschrift Unser Wald der gemeinnützigen SDW das Foto von dem Jungen im Müllmeer von John Bosma. Wäre diese möglich ,dass wir es kostenfrei unter Hinweis auf den Bildautor nutzen dürfen. Und könnten Sie es mir in einer gúten Auflösung von 1 Mb zusenden.

    Ich würde mich sehr freuen
    Chefredakteurin Sabine Krömer-Butz

  2. Ich finde die Idee prima, so sind die Flachen doch noch zu etwas nützlich. Natürlich wird früher oder später das Problem auftauchen, die Flaschen doch noch zu entsorgen, aber vielleicht hat man in 60 Jahren schon wieder ganz andere Möglichkeiten entwickelt.

  3. Hallo,
    sehr interessante und kreative Ideen.
    Eine Problemlösung ist das allerdings keinesfalls.
    Die Plastikflaschen sind deswegen ja nicht weg!
    Was ist in 20, 30, 50 Jahren – dann muss es irgendwann mühsam entsorgt werden.
    Der Königsweg in der „Müllproblematik“ ist die Vermeidung.

  4. Schöne Projekte, sehr inspirierend! Wir bauen auch mit PET-Flaschen (z.B. demnächst einen Regenwassertank) und stopfen diese erst mit so viel Plastikabfällen (Folien, Essenverpackungen etc.) aus wie möglich und dann am Ende, wenn nichts mehr reinzupassen scheint, werden erst die letzten hohlen Milliliter mit Sand gefüllt. So reduzieren wir zusätzlich unseren Abfall ganz erheblich!

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