Müll im Meer: EU plant Plastiktütenbann

Plastikansammlungen größer als ganze Staaten treiben durch die Ozeane. In den nächsten Jahren wird die weltweite Müllmenge laut aktuellen Prognosen noch dramatisch wachsen. Beinahe hilflos mutet da die Ankündigung der EU-Kommission an, etwas gegen die ungehemmte Verbreitung von Plastiktüten unternehmen zu wollen.

So lange dauert es, bis mancher Müll im Meer vollständig abgebaut ist
So lange dauert es, bis mancher Müll im Meer vollständig abgebaut ist (Bildquelle: National Oceanic and Atmospheric Administration / NOAA)

 

Zaghafter Vorstoß der EU

Auf die Wegwerftüten beim Gemüsehändler, in der Frischeabteilung des Supermarkts oder auch beim Einkauf im Drogeriemarkt kann durchaus verzichtet werden. Alternativen sind vorhanden, denn der Einkauf kann in die Tüte aus recyceltem Papier oder direkt in den mitgebrachten Beutel wandern. Europaweit ließe sich so die Menge an Plastikmüll verringern. Denn der durchschnittliche jährliche Tütenverbrauch pro Kopf liegt in der EU bei 198 Stück.

Dabei variiert die Zahl von Land zu Land enorm. So sind die dünnen Tüten in Dänemark und Irland nach Inkrafttreten einer Tütensteuer fast aus dem Alltag verschwunden, während zum Beispiel in Portugal, Polen und Ungarn der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch noch mehr als 400 Stück beträgt. Für Deutschland schätzt das Umweltbundesamt diese Zahl auf 71. Nun ist vorgesehen, dass die EU-Mitgliedsstaaten innerhalb der nächsten zwei Jahre aktiv werden sollen, um die Zahl der Plastiktüten zu verkleinern. Ob aus dem zaghaften Vorstoß der EU-Kommission aber jemals mehr werden wird, ist noch ungewiss. Zunächst einmal müssen sich nämlich alle 28 Mitgliedsstaaten einig werden.

Plastik in der Nahrungskette

Plastikabfall in einem Vogelmagen: Dieses Albatros-Küken verhungerte, weil es zu viele Abfälle aus Plastik verschluckt hatte. Die Plastikteile hatten die Vogeleltern als Treibgut aus dem Meer gefischt.
Plastikabfall in einem Vogelmagen: Dieses Albatros-Küken verhungerte, weil es zu viele Abfälle aus Plastik verschluckt hatte. Die Plastikteile hatten die Vogeleltern als Treibgut aus dem Meer gefischt (Foto: Duncan)

Dabei scheint das Plastikmüll-Problem tatsächlich viel größere Ausmaße zu haben, als es die Diskussion über die dünnen Tüten vermuten lässt. Nach UNO-Berechnungen schwimmen durchschnittlich 13000 Plastikpartikel auf jedem Quadratkilometer der Meeresoberfläche. Plastik ist äußerst beständig und baut sich extrem langsam ab. Über einen sehr langen Zeitraum zersetzt es sich in immer kleinere Teilchen. So gelangt der Müll über Fische, Seevögel und andere Meeresbewohner in die Nahrungskette – an deren Ende bekanntlich der Mensch steht.

Nur ein geringer Teil des Abfalls wird direkt ins Meer gekippt. Der größte Teil – Schätzungen liegen bei 80 Prozent – gelangt vom Land her in die Ozeane, zum Beispiel über Seen und Flüsse. So haben Forscher jüngst festgestellt, dass der bis dahin für sauber gehaltene italienische Gardasee reichlich mit Plastikabfallteilchen verschmutzt ist. Eine eindrucksvolle und informative Ausstellung über den Meeresabfall hat das Museum für Gestaltung in Zürich zusammengestellt und auf eine internationale Reise geschickt.

Die Müllproduzenten der Zukunft

Ein Abfischen der gigantischen Abfallmengen aus den Weltmeeren scheint kaum mehr möglich zu sein. Ansatzpunkt kann demnach nur die Müllvermeidung sein. Doch eine neue Prognose, die im Wissenschaftsmagazin “Nature” veröffentlicht wurde, weist in die entgegengesetzte Richtung. Die Autoren gehen davon aus, dass frühestens im Jahr 2075 der Höhepunkt der weltweiten Abfallproduktion erreicht sein wird.

Zwar sorgen hohe Recyclingraten und ein verändertes Umweltbewusstsein in vielen Industrienationen dafür, dass eine Trendwende in Sicht gerät. Sogar in den USA, wo das Pro-Kopf-Müllaufkommen immens ist, gibt es leuchtende Beispiele. So hat sich die Stadt San Francisco für das Jahr 2020 vorgenommen, ihren Müllausstoß auf null zu bringen. Gleichzeitig steigen aber in anderen Regionen der Welt die Abfallmengen – und sie werden es wohl über Jahrzehnte hinweg weiterhin tun. Die Prognose sieht Asien und mit zeitlichem Abstand Afrika als die großen Müllproduzenten der Zukunft.

Problematischer Wohlstandsmüll

Die Probleme werden allerdings auch da nicht verschwinden, wo die Abfallmengen sinken. Denn dort ist sogenannter Wohlstandsmüll zu erwarten, der sich wiederum aus besonders problematischen Stoffen wie Plastik zusammensetzt. Eine echte Entsorgung im Sinne eines Loswerdens der Müllsorgen ist nicht in Sicht. Das Bemühen der EU, die dünnen Plastiktüten zu verbannen, bleibt auch unter diesem Gesichtspunkt ein Tropfen auf den heißen Stein. Es ist aber ein richtiger Schritt, der Ansporn sein kann, das eigene Verhalten in puncto Müllvermeidung zu überdenken.

Quellen:

www.zeit.de – EU will Plastiktüten-Verbrauch begrenzen
www.spiegel.de – Abfall-Prognose: Forscher warnen vor gigantischen Müllbergen

Linktipp:

www.plasticgarbageproject.org – Endstation Meer? Das Plastikmüll-Projekt

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