Mischkultur, Fruchtwechsel und Felderwirtschaft

Wie haben das bloß unsere Vorfahren gemacht, als es noch keinen Mineraldünger gab? Wenn wir mit unserem Gartenbau keinen Raubbau betreiben möchten, müssen wir lernen, in geschlossenen Kreisläufen zu denken.

Die „Studentenblume“ Tagetes blüht in gelben und orangeroten Farben, Foto (C) Cristina Sanvito / flickr CC BY 2.0
Die „Studentenblume“ Tagetes blüht in gelben und orangeroten Farben, Foto (C) Cristina Sanvito / flickr CC BY 2.0

 

Wenn es im Garten nicht üppig sprießt und gedeiht, liegt es womöglich daran, dass einjährige Pflanzen mehrmals auf demselben Platz angebaut wurden. Die Natur mag es abwechslungsreich und daher kann es sich negativ auswirken, wenn man immer das Gleiche anpflanzt. Ein Garten befindet sich nur dann im ökologischen Gleichgewicht, wenn nichts hinzugefügt werden muss, was nicht aus dem Garten stammt.

 

Fruchtwechsel und Fruchtfolge

Eine Mischkultur, die nicht nur räumlich nebeneinander, sondern auch zeitlich hintereinander erfolgt, bezeichnet man als Fruchtfolge oder Fruchtwechsel. Die beiden Begriffe sind allerdings nicht gleichbedeutend. Mit „Fruchtwechsel“ ist eine Anbaufolge gemeint, die sich über mehrere Jahre erstreckt. Als „Fruchtfolge“ bezeichnet man die Reihenfolge von Kulturen innerhalb eines Jahres. In beiden Fällen sind keine ausdauernden Pflanzen betroffen, sondern nur ein- und zweijährige.

 

Mehrjährige Pflanzen

Wenn auch mehrjährige Pflanzen im Beet stehen, die über den Winter nicht absterben, sondern jedes Jahr neu austreiben, wird die Sache schnell unübersichtlich. Zu den mehrjährigen gehören viele Kräuter wie Lavendel, Majoran, Oregano, Thymian, Rosmarin, Johanniskraut, Currykraut, Pfefferminze, Zitronenmelisse, Schnittlauch und Salbei. Auch einige Gemüsesorten wie Topinambur, Rharbarber, Rucola und Bärlauch behalten ihren Standort. Andere sind zwar nicht mehrjährig, samen sich aber zuverlässig selber aus, wenn man sie lässt. Dazu zählen verschiedene Blattsalate, Tomaten, und Kürbisse. Auch Kartoffeln vemehren sich häufig von selber, wenn man Knollen in der Erde übersieht.

 

Planung erforderlich

Damit man nicht die Übersicht verliert, wann was wo angepflanzt wurde, kommt man um eine wohlüberlegte Gartenplanung nicht herum. Man kann die Sache freilich auch intuitiv und mit Gefühl angehen. Die Mehrfelder-Wirtschaft bezieht sich – wie der Name schon sagt – auf größere Felder und ist auf kleine Gartenbeete nur bedingt übertragbar. Für den Fruchtwechsel werden die Pflanzen in Starkzehrer, Mittelzehrer und Schwachzehrer eingeteilt. Zuerst werden die Starkzehrer angebaut und zuletzt die Schwachzehrer. Im vierten Jahr liegen die Flächen brach. Auf diese Weise werden die Nährstoffe im Boden optimal ausgenutzt.

Außerdem sollte man darauf achten, dass gleiche und verwandte Pflanzensorten möglichst weit auseinander stehen und auch nicht hintereinander angebaut werden. Bei Monokulturen muss man mit Schädlingsbefall rechnen. Alle mehrjährigen Pflanzen und Pflanzen, die sich selbst ausgesamt haben, können stehen bleiben. Pflanzen, die Ableger bilden, ändern ihren Standort ganz automatisch von Saison zu Saison.

 

Von der Zweifelderwirtschaft zur Vierfelderwirtschaft

Begonnen hat alles mit einer Zweifelder-Wirtschaft bei den Römern. Die Felder wurden abwechselnd bestellt und lagen danach ein Jahr lang brach. Später wurde die Abfolge auf eine Dreifelder-Wirtschaft ausgedehnt. Das bedeutet, dass die Felder in jedem dritten Jahr brach lagen. Mit dem Bekanntwerden der Kartoffeln landete man schließlich bei der Vierfelder-Wirtschaft. Mit diesen Anbau-Methoden kommt man ganz ohne Mineraldünger aus. Heute ist die Mehr-Felder-Wirtschaft vor allem für Permakultur-Gärtner interessant. Besonders geschickte Gärtner bestellen ihre Beete nicht nur einmal im Jahr, sondern mehrmals mit verschiedenen Sorten. Eine zusätzliche Vielfalt lässt sich durch den zeitlich versetzen Anbau erzielen. Wenn man nicht alle Jungpflanzen gleichzeitig ausbringt, sondern um Tage oder Wochen versetzt, werden nicht alle Früchte gleichzeitig reif. Auf diese Weise entsteht kein Stress bei der Ernte. Es fallen kleinere Mengen an, die sich laufend verzehren oder verarbeiten lassen.

 

Gründüngung und intuitive Mischkulturen

Für intuitive Menschen sind geplante Mischkulturen zu kompliziert. Es genügt in diesem Fall, die optimalen Abfolgen im Hinterkopf zu behalten. Wenn man merkt, dass eine Fläche ausgelaugt wirkt, sollte man sie ein Jahr lang brach liegen lassen oder mit Gründüngung bepflanzen. Unter Gründüngung versteht man den gezielten Anbau von Pflanzen, die der Bodenverbesserung dienen. Sie werden nicht geerntet, sondern über den Winter im Beet gelassen oder zum Mulchen verwendet. Dafür eignen sich besonders Ringelblumen, Tagetes, Phacelia, Luzerne, Buchweizen, Senf, Lupinen, Sonnenblumen und Klee. Sie blühen nicht nur schön, sondern helfen auch den Bienen.

Die Phacelia wird auch “Bienenfreund” genannt. Foto (C) Maja Dumat / flickr CC BY 2.0
Die Phacelia wird auch “Bienenfreund” genannt. Foto (C) Maja Dumat / flickr CC BY 2.0

 

 

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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