Möbel vom Sperrmüll

Sperrmüll-Streifzüge sind eine Form von Müll-Verwertung, die nicht nur die Kreativität fördern, sondern auch ein spezielles Goldgräber-Glück. Jedes Fundstück ist eine Überraschung und regt die Fantasie an. Aber wie sieht es rechtlich aus?

Tisch aus Schwemmhholz und Vintage-Beinen, Foto (C) eren {sea+prairie} / flickr CC BY 2.0
Tisch aus Schwemmhholz und Vintage-Beinen, Foto (C) eren {sea+prairie} / flickr CC BY 2.0

Jeder findet gerne was Besonderes. Das liegt einfach in der Natur des Menschen. Bummeln und Flanieren, Stöbern und Window-Shopping gehören zu den beliebtesten Freizeitvergnügungen. In unserer modernen Welt gibt es kaum noch Möglichkeiten, echte Entdeckungen zu machen, denn alles gehört irgendjemandem. Nur im öffentlichen Raum ist es in geringem Umfang erlaubt, Wildkräuter und Pilze zu sammeln, Tannenzapfen oder Schneckenhäuser mitzunehmen.

Rechtliche Probleme

Dinge, die auf der Straße stehen, dürfen nicht ohne weiteres mitgenommen werden. Auch wenn es sich offensichtlich um Sperrmüll handelt. Die Gesetzeslage ist von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich. Wer nicht genau informiert ist, muss davon ausgehen, dass die Sachen bis zu Abholung durch die Müllabfuhr den bisherigen Besitzern gehören. Durch das Herumstöbern werden die Sachen durcheinander gebracht. Wenn die Dinge zerstreut werden, entsteht für die Müllabfuhr ein Mehraufwand, weil die Teile erst wieder eingesammelt werden müssen. Außerdem kann es sein, dass etwas gar nicht für die Müllabfuhr vorgesehen ist, sondern für einen anderweitigen Transport zwischengelagert wurde. Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, sollte bei den Eigentümern anläuten und um Erlaubnis fragen. Schilder mit der Aufschrift „zur freien Entnahme“ oder Ähnlichem schaffen Klarheit.

Energetische Probleme und Grenzverletzungen

Nicht jeder Eigentümer möchte, dass sein Abfall weiter verwendet wird. Schließlich sind mit jedem persönlichen Gegenstand die Schwingungen des bisherigen Nutzers verknüpft. Oder man möchte etwas ganz bewusst vernichten lassen, um es aus der Welt zu schaffen. Die Dinge sind grundsätzlich für die Müllabfuhr bestimmt und nicht für die weitere Nutzung. Jeder, der schon mal beobachtet hat, dass ein privater Müllsammler etwas aus der Tonne zieht, was man soeben weggeworfen hat, kennt das unangenehme Gefühl dabei. Wer mag sich schon gerne in den Mülleimer blicken lassen? Wenn man etwas verschenkt, dann möchte man das lieber persönlich tun und den neuen Eigentümer auch kennenlernen. In Mülltonnen befinden sich oft auch peinliche Gegenstände, die man nicht herzeigen möchte. Hygieneartikel zum Beispiel, Medikamente, Dokumente, alte Rechnungen, aussortierte Fotos, Pornohefte und dergleichen. Die Dinge sind außerdem voll mit Fingerabdrücken und anderen Gebrauchsspuren. Das Stöbern in fremden Mülltonnen (auch Containern genannt) kann daher eine Persönlichkeitsrechtsverletzung darstellen. Wenn die Mülltonnen auf Privatgrund stehen, wird zusätzlich ein Eigentumsdelikt oder ein so genannter „Hausfriedensbruch“ begangen.

Altkleidersammlungen

Wenn jemand seine alten Kleidungsstücke spenden möchte für eine caritative Organisation, dann möchte er in der Regel nicht, dass sie anderweitig verwendet werden. Denn sonst würde er sie ja verkaufen oder am Privatmarkt verschenken. Säcke mit Textilien, die auf die Abholung warten, dürfen daher nicht mitgenommen werden. Heimtextilien wie Teppiche, Decken und Vorhänge wird man hier sowieso nicht finden.

Die Motivation hinterfragen

Würde ich die Dinge auch haben wollen, wenn sie nicht kostenlos wären? Wäre ich bereit, Geld dafür auszugeben? Brauche ich sie überhaupt oder möchte ich sie weiterverkaufen? Wer Dinge hamstert, nur weil sie auf der Straße herumliegen, befindet sich in einem Mangelbewusstsein. Er ist eigentlich auf der Suche nach Geld und nicht nach ausgefallenen Objekten, die das Herz höher schlagen lassen.

Wertvolle Möbel retten

Recycling ist grundsätzlich sinnvoll. Was für den einen ein wertloser Müll ist, ist für den anderen ein Grund zum Feiern. Außergewöhnliche Gegenstände muss man entweder selber basteln, teuer anfertigen lassen, am Flohmarkt suchen oder eben auf einem Sperrmüllhaufen finden. Letzteres hat den Reiz, dass man überhaupt nicht planen kann, worauf man stößt. Alles hängt vom Zufall ab und vom richtigen Augenblick am richtigen Ort. Seltene Fundstücke haben was Magisches, denn sie sind nicht wiederholbar. Zumindest für Menschen, die nicht systematisch auf Flohmärkte pilgern, an Aktionen teilnehmen oder professionell mit Räumungen zu tun haben.

Foto (C) faulit / flickr CC BY 2.0
Foto (C) faulit / flickr CC BY 2.0

Nichts ist umsonst

Ganz kostenlos sind die vermeintlichen Schnäppchen allerdings selten. In der Regel sind die Sachen nicht nur vergammelt und verschmutzt, sondern auch reparaturbedürftig. Der Zeitaufwand für die Instandsetzung kann enorm sein. Wer Vintage-Möbel für den Eigenbedarf sucht und einen Qualitätsanspruch hat, wird daher eher selten beim Sperrmüll vorbeischauen. Die Schatzsuche soll schließlich etwas Besonders bleiben. Es sei denn, jemand fühlt sich kreativ herausgefordert und richtet leidenschaftlich gerne alte Möbel her. Auch diese Menschen gibt es und das ist gut so.

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Literatur-Übersicht

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Geomantie.Netzwerk Graz + Umgebung

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