Rohkost-Wissen für Anfänger

Rohkost klingt simpel und ist es auch. Dennoch sollte man Einiges wissen, bevor man seine Ernährung umstellt. Denn Mangelerscheinungen und Übergewicht sind auch mit Rohkost möglich.

Foto (C) Sean MacEntee / flickr CC By 2.0
Foto (C) Sean MacEntee / flickr CC By 2.0

 

Die Zubereitung

Es gibt keine fixen Grundnahrungsmittel wie bei der Kochkost. Rohköstler ernähren sich hauptsächlich von Produkten, die sonst nur als Beilagen, Snacks oder Gewürze verwendet werden. Nüsse, Trockenfrüchte, Kokosprodukte und Granatäpfel gibt es nicht nur zu Weihnachten, sondern täglich, wenn man möchte. Ähnlich verhält es sich mit Kräutern, Saison-Obst und allen Gemüsesorten. Außerdem werden viele Produkte verwendet, die üblicherweise selten oder nie auf den Tisch kommen: Sprossen zum Beispiel, oder Linsen, Hanfsamen, Getreidemilch, Oliven, Avocados, Pilze, Shakes, Beeren und fermentierte Produkte. Die Umstellung auf Rohkost funktioniert nicht, indem man einfach dasselbe isst wie gewohnt, nur roh.

Im Gegensatz zur Kochkost werden die Zutaten seltener vermischt, ausgenommen bei Salaten, Smoothies und Gourmet-Rohkost. Selbst wenn man einen bunten Teller hat, isst man die Produkte einzeln und naturbelassen oder allenfalls mit einen Dipp oder einer Sauce versehen. Manche Rohköstler haben sehr wohl so etwas wie Basis-Produkte wie zum Beispiel Bananen oder Sprossen oder Protein-Shakes, die sie täglich zu sich nehmen. Aber es gibt weder Brot noch Kuchen noch Mehl noch Nudeln. Und natürlich auch keinen Zucker, keinen Reis und keine Pellkartoffel.

 

Vegane Eiweißquellen

Rohe und vegane Enzyme sind wertvoller als tierische Proteine, weil die Struktur beim Erhitzen nicht zerstört wird. Enzyme steuern biochemische Vorgänge und sind besonders wichtig für einen gesunden Stoffwechsel. Rohköstler beziehen ihr Eiweiß aus Quellen, die Allesesser selten konsumieren. Dazu gehören: Hanfsamen, Süßlupinen, Pilze, Soja- und andere keimfähige Bohnen, Linsen, Sprossen und Mikrogreens, Wildgrün, Algen, Blatt- und Wurzelpulver, Nüsse, Mandeln und Kerne.

 

Vegane Quellen für Vitamin B12

Zu diesem Thema gibt es bereits einen Artikel auf der Plattform von Everyday-Feng-Shui. Kurz gesagt ist das Vitamin nur dort enthalten, wo sich Bakterien befinden. Dies können die Knöllchenbakterien von Hülsenfrüchten sein, Mikroorganismen auf Wildpflanzen, Milchsäurebakterien in fermentiertem Gemüse, Erdreste auf Wurzelgemüse, Pilze, Algen, Hefen und diverse Kleinstlebewesen auf Obstschalen und Keimlingen. Der Körper kann das Vitamin grundsätzlich selber bilden, wenn der Darm gesund ist. B12 ist hitzeempfindlich, weshalb ein B12-Mangel gerade bei Fleischessern weit verbreitet ist.

 

Vegane Quellen für Vitamin D

Eine Vitamin-D-Zufuhr ist nur notwendig, wenn im Sommer zu wenig Sonne auf die Haut gekommen ist. Das Vitamin kann monatelang gespeichert werden und daher ist normalerweise keine Supplementierung nötig. Wenn man es über Nahrungsmittel aufnimmt, ist darauf zu achten, dass auch das Spurenelement Bor und das Vitamin K2 vorhanden sind. Bor ist für Tiere essentiell, wird beim Menschen aber meist vernachlässigt.

 

Unverträglichkeiten

Viele Rohkost-Einsteiger klagen über Unverträglichkeiten in Form von Blähungen, Durchfall und anderen Verdauungsbeschwerden. Entgiftungssymptome werden oft mit Krankheitssymptomen verwechselt. Echte Allergien bestehen meistens gegen Lebensmittel, die man sowieso nicht essen sollte: Milchprodukte, glutenhaltiges Getreide, schleimbildende Lebensmittel, gespritztes Obst und Gemüse, überzüchtete Sorten, Produkte aus fernen Regionen.

Allergien gegen einheimische und ursprüngliche Pflanzen, die artgerecht zubereitet werden, kommen bei ausgewogener Ernährung und gesunder Darmflora sehr selten vor. Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen sollte man einweichen, bevor man sie verzehrt. So werden sie bekömmlicher und die Phytinsäure wird ausgeschwemmt. Wichtig ist auch die richtige Reihenfolge und Kombination der Lebensmittel, damit es mit der Verdauung klappt. Außerdem sollte man wissen, welche Produkte von innen heraus wärmen und welche abkühlen, denn sonst wird man im Winter frieren.

Paprika und Chili, Foto (C) John Winkelman / flickr CC BY 2.0
Paprika und Chili, Foto (C) John Winkelman / flickr CC BY 2.0

 

Die Vorteile von Rohkost:

  • Es sind geringere Mengen erforderlich, um satt zu werden
  • Intensiverer Geschmack, auch ohne Salz und Gewürze
  • Höhere Nährstoffdichte
  • Bessere Versorgung mit wertvollen Enzymen
  • Es ist weniger Zeit und Energie zum Kochen nötig
  • Das Essen sieht besser aus, ist bunter und knackiger
  • Viele Rohköstler berichten von entgiftenden und heilsamen Wirkungen
  • Mehr geistige Klarheit
  • Mehr Energie und bessere Laune
  • Der Geschmack verändert und verfeinert sich
  • Da das Essen kaum zubereitet wird, kann man es jederzeit stehen lassen
  • Man kann sich intuitiver ernähren, ohne fixe Essenszeiten
  • Rohköstler sind selten übergewichtig
  • Rohkost birgt kaum Sucht-Potential – ausgenommen man ernährt sich hauptsächlich von Rohkost-Schokolade

 

Die Nachteile:

  • Das Essen dauert länger, weil es nicht verschlungen werden kann.
  • Die Umstellung gelingt meist nicht von heute auf morgen, sondern ist ein längerer Lernprozess.
  • Rohkost ist keine Schonkost. Um von Rohkost voll profitieren zu können, benötigt man einen gesunden Darm.
  • Die Beschaffung der Zutaten ist nicht überall möglich.
  • Essen auf Reisen, bei Gastgebern und in Gaststätten funktioniert meist nicht ohne Vorbereitungen.
  • Man muss bisweilen mit Kritik, Diskussionen und sozialer Ablehnung rechnen.
  • Man sollte sich gut auskennen und nicht zu dogmatisch sein, um maximal zu profitieren. Wärmebehandelte „Halbrohkost“ ist manchmal die bessere Wahl, wenn keine frischen und ausgereiften Lebensmittel zur Verfügung stehen.
  • Rohkost ist nur für Menschen geeignet, die ihr Essverhalten kontrollieren können.

 

 

 

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Literatur-Übersicht

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