Sonnensteine: Kompass der Wikinger?

Wie gelang es den Wikingern, ohne Kompass tausende Kilometer auf dem Nordmeer zurückzulegen ohne die Orientierung zu verlieren? Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass so genannte Sonnensteine als Navigationshilfe gedient haben könnten. Ein Exkurs in die „nautische Geomantie“.

Darstellung eines chinesischen Löffelchenkompass'
Darstellung eines chinesischen Löffelchenkompass

Eines der wichtigsten Arbeitsgeräte eines Feng Shui Beraters ist der Feng Shui Kompass, auch Lo Pan oder Luo Pan genannt. Der Lo Pan hat in China eine lange Tradition. Die Chinesen erkannten bereits vor Christi Geburt, dass Gesteine wie Magnetit eine scheinbar magische Anziehungskraft auf Gegenstände aus Eisen ausübten. Sie stellten aus diesem Gestein Löffelchen her, die zur Weissagung und der Festlegung günstiger Richtungen von Grabstätten eingesetzt wurden. Mit der Zeit fand man heraus, dass sich die ausbalancierten Löffel am Ende einer Rotationsbewegung immer in Nord-Süd-Richtung ausrichteten: Der erste Kompass war erfunden.

In Europa wurden erste magnetisierte schwimmende Nadeln (nasse Kompasse) gegen Ende des 12. Jahrhunderts von Seefahrern eingesetzt. Doch auch vorher mussten sich die Menschen auf See geomantischer Hilfsmittel bedienen, um nicht die Orientierung zu verlieren. Wie haben sie das gemacht? Als besonders begnadete Seefahrer in der europäischen Historie galten die Wikinger. Zwischen 750 und 1050 nach Christus bereisten sie die nördlichen Meere und legten dabei zwischen Norwegen, Island und Grönland tausende Kilometer zurück.

Wikinger Schiff im Wikinger Schiffsmuseum Oslo
Wikinger Schiff im Schiffsmuseum Oslo (Foto: CeBepuH)

Forscher rätseln seit Jahrzehnten, wie es den Wikingern auf dem offenen Meer möglich war, ohne Kompass selbst bei bedecktem Himmel oder dichtem Nebel die Orientierung zu behalten. Es gab zwar Hinweise in überlieferten Wikingerlegenden wie etwa dem isländischen Gesetzbuch „Grágás“ oder in den „Sigurd-Legenden“, wo von „Sonnensteinen“ (im Original: „Sólarsteinn“ oder „Sólsteinn“) die Rede ist, mit denen die Position der Sonne selbst bei bewölktem Himmel ermittelt werden konnte, archäologische Beweise für die Existenz solcher Steine konnten jedoch bisher nicht gefunden werden.

Erst 1967 vermutete der dänische Archäologe Thorkild Ramskou, dass es sich bei den Sonnensteinen der Nordmänner um einfache, Licht polarisierende Kristalle gehandelt haben könnte. Solche Kristalle, wie etwa der isländische Kalkspat (Cordierit), eine transparente Form von Kalzit, sind recht häufig in Skandinavien anzutreffen. Polarisierende Kristalle lassen polarisiertes Licht nur in einer Richtung zu und erscheinen in Abhängigkeit von der Ausrichtung des Steins zum Sonnenlicht jeweils blau oder gelb. Die Farben zeigen die Lage der Polarisationsebene und damit den exakten Stand der Sonne an.

Sonnenstein aus Norwegen
Sonnenstein aus Norwegen (Foto: opacity)

Der Physiker Gábor Horváth von der „Eötvös Loránd University“ in Budapest und die Ökologin Susanne Åkesson von der „Lunds Universitet“ in Schweden haben eine Reihe von Hypothesen zum Sonnenstein überprüft und ihre Ergebnisse kürzlich in einer Sonderausgabe der Fachzeitschrift „Philosophical Transactions of the Royal Society B“ veröffentlicht. In dieser Studie kommen die Forscher zu dem Schluss, dass die Polarisation des Sonnenlichts mit einer Fischaugenlinse der vermeintlichen Sonnensteine auch bei stark bedecktem Himmel funktioniert und somit den Wikingern den Sonnenstand angezeigt haben könnte.

Zuvor durchgeführte Experimente mit Personen, die mit dem bloßen Auge den Sonnenstand bei bedecktem Himmel ermitteln sollten, zeigten hingegen, dass die Testpersonen nur höchst ungenau die Position der Sonne bestimmen konnten. Mit dem freien Auge konnten die Wikinger jedenfalls nicht navigiert haben. Ein Beweis für die Existenz der Sonnensteine ist dies jedoch nicht. Kritiker der Sonnenstein-Theorie verweisen darauf, dass bisher noch kein einziges Wikinger-Schiff mit einem Sonnenstein an Bord gefunden wurde. Und auch in den über 400 bekannten Schiffsgräbern, in den hohe Wikinger-Persönlichkeiten bestattet wurden, fand man bisher keine Sonnensteine als Grabbeigabe.

Vielleicht muss zuweilen das nautische und geomantische Wissen unserer Vorfahren für immer ein Rätsel bleiben.

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Über Long Wang 320 Artikel
Meister Long Wang ist seit 2007 Teil des Everyday Feng Shui Redaktionsteams und bereichert seither als Experte für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) mit seiner fernöstlichen Perspektive auf die Welt unsere Plattform. Zu erreichen ist er unter l.wang@everyday-feng-shui.de

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