Warum es im Flugzeug stinkt

Wer mit dem Flugzeug reist, muss mit dicker Luft an Bord rechnen. Tatsächlich riecht es nicht nur schlecht in der Kabine. Es befinden sich auch reichlich giftige Stoffe in der Luft, die krank machen können.

Flugzeug von innen: Schlechte Luft und giftige Stoffe können krank machen
Flugzeug von innen: Schlechte Luft und giftige Stoffe können krank machen (Foto: Travis Wise)

Die Fenster lassen sich im Flugzeug nicht öffnen, die Belüftung muss also auf anderen Wegen geschehen. In den allermeisten Fällen wird die Luft direkt aus den Flugzeugturbinen gesaugt und ins Innere geleitet. Kein Wunder also, dass es nach Maschinenhalle stinkt, wenn in der Kabine die Lüftung eingeschaltet ist.

Je nach Flug und möglicherweise auch je nach persönlichem Empfinden treten andere, keinesfalls angenehmere Düfte in den Vordergrund. Ein unangenehmer Geruch muss ja nicht gleich ungesund sein. Normalerweise warnt uns unsere Nase aber sehr deutlich. Wenn etwas stinkt, lassen wir für gewöhnlich die Finger davon und machen einen Bogen darum. Im Fall der Flugzeugkabine ergeben wir uns allerdings der schlecht riechenden Luft. Immerhin sind Kopfschmerzen oder Übelkeit schnell vergessen, wenn erst das Flugziel erreicht ist.

Mediziner forschen

Wissenschaftler der Universität Göttingen haben nun die gesundheitlichen Wirkungen der Luft in Flugzeugkabinen unter die Lupe genommen. Dabei sind sie regelmäßig auf sogenannte flüchtige organische Verbindungen gestoßen. Diese Stoffe reizen nicht nur die Atemwege. Sie greifen auch das Herz-Kreislauf-System und die Nerven an. Zudem befanden sich in der Kabinenluft sogenannte Organophosphate, die negative Auswirkungen auf die Enzyme im menschlichen Körper haben.

Medizinische Untersuchung in der Flugzeugkabine
Medizinische Untersuchung in der Flugzeugkabine (Foto: Kyle Simourd)

Überraschend sind die Ergebnisse nicht. Denn schon seit einigen Jahren wird vom aerotoxischen Syndrom berichtet. Und die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung registrier immer wieder sogenannte „fume events“, also Ereignisse, bei denen Ausdünstungen eine Rolle spielen. Dabei können sogar richtige Rauchschwaden durch die Passagierreihen ziehen.

Allerdings fehlt bislang der wissenschaftliche Nachweis, dass die Luft aus der Kabine die Menschen krank machen kann. Eben diesen Nachweis liefern möglicherweise die Forschungen der Göttinger Mediziner. Das ist vielleicht hilfreich, um Flugzeughersteller und die europäische Zulassungsbehörde dazu zu bringen, die Kabinenbelüftung künftig anders zu konstruieren.

Grenzwerte fehlen

Was bislang als Atemluft durch die Triebwerke in die Passagierkabine gelangt, kann hochgiftig sein. Allerdings handelt es sich bei den Giften um Stoffe, für die es keine Atemluft-Grenzwerte gibt. Es sind vielmehr Substanzen, die in Produkten wegen ihrer Giftigkeit schlicht verboten sind. Dementsprechend gibt es keine Richtwerte, wie viel von den verbotenen Stoffen sich in der Luft befinden darf. Vorgaben existieren lediglich für sogenannte Gefahrstoff-Arbeitsplätze – nicht für Kabinenplätze oder Pilotensitze.

Kabinenpersonal und Piloten sind besonders gefährdet
Kabinenpersonal und Piloten sind besonders gefährdet (Foto: SuperJet International / Flickr)

Den Tod eines britischen Piloten, der unter dem aerotoxischen Syndrom litt, hat der Berliner Filmemacher Tim van Beveren zum Ausgangspunkt seiner Dokumentation genommen. „Ungefiltert eingeatmet – Die Wahrheit über das Aerotoxische Syndrom“ zeigt drastisch, wie gefährlich die Methode ist, die Luft aus den Flugzeugturbinen ins Innere des Flugzeugs zu leiten. Nicht nur Treibstoff- und Ölreste befinden sich in den Turbinen, auch die Dämpfe von giftigem Enteisungsmittel kann von dort in die Kabine gelangen.

Gefahr für Piloten

Besonders diejenigen, die regelmäßig mit dem Flugzeug unterwegs sind, dürften gefährdet sein. Das sind vor allen Dingen Piloten und Flugbegleiter. So macht sich auch die Pilotenvereinigung Cockpit stark für eine andere Luftzufuhr. Und die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung fordert einheitliche Standards für die Luft in Flugzeugkabinen.

Quelle:

www.welt.de – Wenn giftige Dämpfe durch das Flugzeug wabern

 

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Astrid Albrecht-Sierleja
Über Astrid Albrecht-Sierleja 158 Artikel
Astrid Albrecht-Sierleja verfügt als langjährige Malerin und Lackiererin über ausgesprochen praxisorientiertes Wissen und kennt als Produkt-Designerin die Vielfalt gestalterischer Möglichkeiten im Wohn- und Arbeitsbereich. Astrid erreicht ihr unter a.albrecht@everyday-feng-shui.de

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