Wohnen auf Rädern: Wenn Kindheitsträume wahr werden

Als kleines Kind träumte ich davon, in einem Baumhaus zu wohnen. Später, als die Bedürfnisse etwas größer wurden, verwandelte sich die hölzerne Hütte meiner Träume in einen alten Eisenbahnwaggon. Der müsste genug Raum bieten, um darin schlafen und leben zu können, war ich überzeugt. Ein österreichisches Startup möchte diesen Traum Wirklichkeit werden lassen.

Der "Wohnwagon" macht's möglich: Mobiles Wohnen, preiswert und abwechslungsreich Der „Wohnwagon“ macht’s möglich: Mobiles Wohnen, preiswert und abwechslungsreich (Bildquelle: www.wohnwagon.at)

In meinen jugendlichen Vorstellungen vom individuell umgestalteten Eisenbahnwaggon ließ ich allerdings grundlegende Fragen wie die der Strom- und Wasserversorgung außer Acht. Derartige Dinge spielten keine Rolle bei den Gedankenspielen um einen Wohnort der besonderen Art. Denn es handelte sich zwar um einen lang gehegten, aber eben doch um einen weit in der Ferne liegenden Traum.

Beim österreichischen „Wohnwagon“ handelt es sich zwar nicht um einen alten Eisenbahnwaggon, es erinnert aber daran. Das Projekt nimmt die Idee vom individuellen, unabhängigen, naturverbundenen Wohnen auf und setzt sie konsequent um. Es gibt auch andere gute Vorschläge zum Wohnen auf kleinem Raum. Dabei geht es aber meistens entweder darum, knappen Raum möglichst effektiv zu nutzen, oder aber beim Wohnen möglichst mobil zu bleiben.

Wohnwürfel oder Schneckenhaus

So gibt es Wohnwürfel, die in die kleinste Baulücke passen und dennoch alle Funktionen einer kompletten Wohnung erfüllen. Andererseits werden Minihäuser mit Rädern konstruiert, die man wie ein Schneckenhaus mitnehmen kann. Weder das eine noch das andere scheint mir wirklich alltagstauglich zu sein. Außerdem hat es nicht viel mit meinen Kindheitsträumen zu tun.

Kompakt und dennoch wohnlich: Das Innere des Wohnwagon Kompakt und dennoch wohnlich: Das Innere des Wohnwagon (Bildquelle: www.wohnwagon.at)

Anders beim Startup aus Österreich: Der Wohnwagon erinnert in der Form an den alten Waggon, besteht aber vollständig aus natürlichen und regionalen Materialien. Er bietet innen nicht viel, aber doch soviel Platz, dass ein Wohnen möglich ist, ohne dass Bett, Tisch oder Küchenzeile ein- und ausgeklappt werden müssen. Zudem funktioniert der Wohnwagon komplett autark, sodass für das Wohnen kaum noch Betriebskosten anfallen.

Die Unabhängigkeit funktioniert mit Hilfe einer Solaranlage samt Energiespeicher sowie mit einem ausgeklügelten Wasserkreislaufsystem samt Mini-Pflanzenkläranlage auf dem Dach des Wohnwagons. Über das Flachdach wird auch das Regenwasser gesammelt und gereinigt. Eine Biotoilette liefert schließlich Schwarzerde, die als guter Dünger verwendet werden kann.

Ballast abwerfen

Vor zwei Jahren gründeten Theresa Steininger und Christian Frantal ihr Startup-Unternehmen. Es gab ein erstes Crowdfunding, und inzwischen nach eigenen Angaben drei verkaufte Wohnwagons. Beim ersten Kunden handele es sich um einen Münchener Unternehmer, dessen Wohnwagon außerhalb der Stadt auf dem eigenen Grundstück steht. Es handelt sich also nicht nur um ein Projekt für naturbegeistere Enthusiasten. Für mich könnte so ein Wohnmodell ein auf ästhetisch schöne Weise wahrgewordener Traum sein, der zudem noch ökologisch unbedenklich und energieautark ist. Der Wohnwagon könnte außerdem Gelegenheit bieten, sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren und unnötigen Ballast abzuwerfen – sozusagen als Gegenmodell zum Überfluss. Angesichts der Anschaffungskosten (je nach Modell und Ausstattung zwischen 40000 und 80000 Euro) und der dann ausbleibenden laufenden Kosten ist so ein Wohnmodell natürlich auch unter finanziellen Aspekten interessant.

Das Startup möchte nach den ersten Anfragen nun in die Serienproduktion einsteigen. Dazu wurde ein zweites Crowdinvesting gestartet mit dem Ziel, bis zum Frühjahr 70000 Euro einzusammeln.

Quellen:

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Über Susanne Raven 117 Artikel
Susanne ist freie Autorin und als Feng Shui Enthusiastin seit 2007 Betreiberin von Everyday Feng Shui. Die gelernte Logopädin hat sich zum Ziel gesetzt, traditionelles Feng Shui im deutschsprachigen Raum populärer zu machen. Susanne erreicht ihr unter info@everyday-feng-shui.de

1 Kommentar

  1. Hallo, bin begeistert, das ist eine Wohnform, besser gesagt auch meine Wohnform, ich würde mich interessieren, wo finde ich da näheres – oder habe ich es übersehen ? Danke und LG Gabi Fränzl

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