Wohnen im Ethno-Stil: Was zeichnet den Ethnostil aus?

Kaum ein anderer moderner Einrichtungsstil ist so individuell und vielfältig interpretierbar wie der Ethno-Stil: Byzanz, die Azteken, Afrika oder Fernost – jede vergangene oder gegenwärtige Kultur kann als Grundlage der Wohnraumgestaltung dienen. Feng Shui bietet die Möglichkeit, diese Stilvielfalt harmonisch miteinander zu verbinden.

Afrikanisches Kunsthandwerk: Häufig anzutreffendes Merkmal des Ethno-Stils
Afrikanisches Kunsthandwerk: Häufig anzutreffendes Merkmal des Ethno-Stils (Foto: dalbera)

 

Der Ethnostil gehört zu den beliebtesten Einrichtungsstilen hierzulande. Der Hauptgrund dafür dürfte die Unbeschwertheit sein, mit der sich kulturelle Merkmale unterschiedlichster Regionen und Ethnien in der Einrichtung kombinieren lassen. Um nicht im stilistischen Chaos zu versinken, bietet Feng Shui eine Reihe von Möglichkeiten, Harmonie in die eigenen vier Wände zu bringen. Doch was sind eigentlich typische Merkmale des Ethnostils?

Merkmale der Inneneinrichtung

  • warme erdige Töne, kombiniert mit kräftigen Farben
  • geometrisch gemusterten Textilien, klare Formensprache
  • hölzerne oder knöcherne Dekoration, Kunsthandwerk
  • Kalebassen, Masken und Skulpturen
  • Holz-, Rattan- oder Bambusmöbel
  • Möbel aus dunklem Holz im Vintage-Stil
  • Teppiche oder Sitzkissen aus geflochtenem Bananenstrauch
  • im Grunde ist alles erlaubt – Hauptsache es ist exotisch und individuell
Teenager-Zimmer im Ethno-Stil
Teenager-Zimmer im Ethno-Stil (Foto: tortuga767)

 

Der Ethno-Stil ist ethisch nicht unbelsastet

Gezielt ausgewählte Wohnungseinrichtungen verraten etwas über die darin lebenden Menschen, namentlich über ihre Geisteshaltung und über ihre Sehnsüchte. In der Regel bezieht die Gestaltung ihren ästhetischen Wert aus der Idealisierung ihres Bezugsobjekts. Zwar ist das bei allen Wohnstilen der Fall, nirgends aber wird es augenscheinlicher als beim Ethnostil. Ob dieser Einrichtungsstil gewissermaßen eine Gegenbewegung zum ethisch belasteten Kolonialstil darstellt, wäre eigentlich eine nähere Betrachtung wert. Da jedes Interieur zwangsläufig eine Aussage transportiert, ist zumindest die Annahme naheliegend, dass in der gegenwärtigen Ära politischer Korrektheit ein solcher Trend entstünde.

Seit einigen Jahren haben sich hierzulande zwei Richtungen des Ethnostils bis zur Kommerzialisierung etabliert: der asiatische und der afrikanische Einfluss. Dabei ist es gleichgültig, welcher Herkunft die verwendeten Symbole sind, sofern sie nur als passend empfunden werden. Kaum ein deutsches Einrichtungshaus bietet heutzutage nicht wenigstens Buddhaköpfe aus Kunststein oder scheinbar afrikanische Holzskulpturen an.

Ethno-Einflüsse in Kunst und Kultur sind voll im Trend

Ob es wohl Zufall ist, dass ausgerechnet die Deutschen, deren kaiserliche Truppen den ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts in einer ihrer afrikanischen Kolonien begingen, den schwarzen Kontinent romantisch überhöhen? Afrika – das sind für uns Wüsten, windschiefe Baumheroen sowie eine weite Landschaft unter endlosem Himmel, in der ein schlanker Krieger auf seinen Speer gestützt steht, hoch erhobenen Hauptes in die Ferne blickend. Selbstverständlich ist das nichts als ein Abziehbild der Realität – dem Reiz des Ideals tut das freilich keinen Abbruch. Der Ethnostil afrikanischer Provenienz zeichnet sich durch warme, tendenziell erdige Töne aus, die mit geometrisch gemusterten Textilien und vorzugsweise hölzerner oder knöcherner Dekoration kombiniert werden. Aus Bananenblättern geflochtene Möbel harmonieren ausgezeichnet mit diesem Ambiente, ohne den erdig anmutenden Raum optisch zu beschweren. Vollendet wird das afrikanische Zimmer durch authentische Stücke, vor allem mit Kalebassen, Masken und Skulpturen.

Zentralasien wird kurzerhand mit Ostasien gemixt, woraus sich eine willkürliche Ansammlung chinesischer, japanischer und sogar südostasiatischer Elemente ergibt. Die Wandfarben sind in solchen Räumen wenig gesättigt, Frühlingshimmel und Kirschblüte dominieren. Dazu gehören Holz-, Rattan- oder Bambusmöbel sowie glänzende Textilien in kräftigeren Farben. Einfarbige Kissen werden gerne mit reichen Stickereien verziert. Sowohl authentische Gebrauchsgegenstände als auch dekorative Objekte sind in Deutschland, dank chinesischer Exporte, preisgünstig erhältlich. Besondere Erwähnung verdienen das berühmte weiß-blaue Gebrauchsporzellan sowie die unvergleichlichen Antiquitäten, beispielsweise Schnitzereien und Lackarbeiten. Dass über dem chinesischen Schrank Drucke der japanischen Meister Hiroshige und Hokusai die Wand zieren, widerspricht dem panasiatischen Flair nicht. Im Gegenteil, Buddha – oder zumindest sein Kopf – segnet das elegant wirkende Interieur.

Der Ethnostil arbeitet mit Klischees

Textilien im Ethnostil finden sich heute auf jeder Einrichtungsmesse
Textilien im Ethnostil finden sich heute auf jeder Einrichtungsmesse (Foto: David Bailey)

Vermutlich ist kein anderer moderner Einrichtungsstil dermaßen individuell interpretierbar, denn der Verehrung sind weder zeitliche noch räumliche Grenzen gesetzt: Byzanz, die Azteken, die Wikinger – jede vergangene und jede gegenwärtige Kultur kann als Grundlage der bevorzugten Wohnraumgestaltung dienen. Es muss sich nicht um eine spezielle Ethnie handeln, sondern geeignet sind kulturelle Merkmale, die wir mit einem Volk, einem Land oder mit einem ganzen Kontinent verbinden. Der Ethnostil arbeitet mit Klischees – und darin ist er gleichermaßen unbeschwert wie variabel.

 

Weitere Quellen:

www.wohnen-und-garten.de – Wohnstile: Ethno Stil
www.livingathome.de – Wohnstil: Einrichten im Ethnostil
www.dekorieren-einrichten.de – Einrichten im Ethno Stil

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