Orientalisch Wohnen: Der orientalische Einrichtungsstil

Kein anderer Wohnstil steht so sehr für den Rückzug ins Private und eine Flucht vor der Hektik des Alltags wie der orientalische Einrichtungsstil. Orientalisch Wohnen bedeutet stiller Genuss und Zurückgezogenheit in selbst geschaffenen Wohlfühloasen. Eine perfekte Voraussetzung, um den orientalischen Wohnstil mit Feng Shui zu verbinden.

Unser Bild vom orientalischen Wohnen und Leben ist stark von der Märchenwelt aus Tausendundeine Nacht geprägt
Unser Bild vom orientalischen Wohnen und Leben ist stark von der Märchenwelt aus Tausendundeine Nacht geprägt (Foto: Elainne Dickinson)

Von Istanbul über Aleppo, Damaskus, Kairo und Fès bis hin nach Granada kann man ihn entdecken – den orientalischen Wohn- und Einrichtungsstil. Die Vorstellung von orientalischer Lebensweise ist hierzulande noch immer stark geprägt von der Märchenwelt aus „Tausendundeine Nacht„. Dabei sollte jedem, der schon einmal Urlaub in der Türkei, Ägypten oder Tunesien gemacht hat, klargeworden sein, dass es auch in der „morgenländischen Welt“ mindestens ebenso viele regionale Unterschiede gibt was Kultur und Lebensweise betrifft wie in Europa.

Trotz lokal sehr unterschiedlicher Ausprägungen, gibt es eine Reihe verbindender stilistischer Elemente, die wir versucht haben, hier für Euch zusammenzutragen. Für Feng Shui Interessierte dürfte die Tatsache interessant sein, dass Zurückgezogenheit und Privatsphäre wichtige Merkmale orientalischen Wohnens sind. Meditation und stiller Genuss in einer selbst geschaffenen Wohlfühloase – dafür ist der orientalische Einrichtungsstil geradezu prädestiniert und lässt sich daher wie kaum ein anderer mit Feng Shui verbinden. Nicht umsonst gehört der orientalische Einrichtungsstil zu den beliebtesten Wohnstilen in Deutschland.

Welches sind nun die Charakteristiken orientalischen Wohnens?

Architektonische Merkmale

Das Spiel mit Licht und Schatten ist ein wesentliches Merkmal orientalischer Architekturen, hier perfekt in Szene gesetzt  in einem Gemälde von Edwin Lord Weeks
Das Spiel mit Licht und Schatten ist ein wesentliches Merkmal orientalischer Architekturen, hier perfekt in Szene gesetzt in einem Gemälde von Edwin Lord Weeks (Bildquelle: Cea.)

  • Persische, maurische und Einflüsse der Iwan-Architektur
  • sandfarbene Anstriche oder Lehm-Bauweise
  • Fenster mit dekorativen Gittern aus Holz (Maschrabia)
  • Bögen, Gewölbedecken und Kuppeln
  • Arabesken, Muster, Ornamente aus der Pflanzen- und Tierwelt
  • Spiel mit Licht und Schatten, Lichtschächte
  • Wechsel von hellen Steinen mit dunklen Basaltsteinen
  • nach außen geschlossene Häuser, teils mit hoher Mauer umgeben
  • Räume gruppieren sich um Innenhof (Patio) mit Garten oder Brunnen

Merkmale der Inneneinrichtung

  • Orientteppiche, Kelims, farbenfrohe Bodenkissen und Wandbehänge
  • Textilien aus Seide, Baumwolle, Organza oder Brokat
  • Wenig Holz, dafür Metallverzierungen und Mosaike
  • warme, erdige Farben, gelb-oranges Licht
  • üppige Dekoration, Poufs aus Leder
  • gemütliche Sitzecken, opulenter Divan
  • Spiegel, Teetische und Leuchten aus Marokko
  • Massive Truhen, silberne Schalen, Kannen und kupferne Kerzenhalter
  • Leuchten mit Ziegenlederbezug oder aus buntem Glas
  • Arabische Schriftzeichen und persische Kalligrafien
  • Kakteen und kleine Palmen als Zimmerpflanzen
  • Geruch von orientalischen Gewürzen, Nüssen oder Honig

Orientalisch Einrichten – Tipps & Tricks

Für den Orientalischen Einrichtungsstil gilt, nach gegenwärtigem Verständnis, die arabisch-islamische Welt als Bezugspunkt. Aus praktischen Gründen beschränkt sich die Herkunft authentischen Interieurs jedoch derzeit im Wesentlichen auf Marokko. Die Ausnahmen von dieser Regel sind Orientteppiche und zeitgenössische bildende Kunst. Orientalische Einrichtungen sind, trotz der heutigen Vielseitigkeit, durch einige Gemeinsamkeiten gekennzeichnet: Prägend wirken vor allem Lebensweise und -bedingungen. Das Nomadische ist stets präsent, Holz gibt es nur wenig, weshalb es als wertvoller Rohstoff gilt, die Gebirge führen reichhaltige Erzadern, und das Kunsthandwerk besitzt einen überragenden Stellenwert.

Oft märchenhaft: Der orientalischer Einrichtungsstil
Oft märchenhaft: Der orientalischer Einrichtungsstil (Bildquelle: Enzie Shahmiri)

Eine der Facetten orientalischen Flairs ist die typisch europäische Idee des Märchenhaften, mit seinen warmen Farben und üppiger Dekoration. Anklänge an die maurische Architektur finden sich in dieser Vorstellung mit glänzendem Organza zusammen, gekrönt durch Spiegel, Tische und Leuchten aus Marokko. Das Licht ist in solchen Räumen gelb-orange, selbst an trüben Tagen sorgt es für ein warmes Wohlgefühl. Zahlreiche Textilien, Teppiche, Wandbehänge und Kissen sowie Glas, Metallverzierungen und Mosaike entfalten unbändige Pracht.

Schlichter, weniger an die Paläste des Morgenlands, sondern mehr an das Nomadentum der Beduinen erinnernd, sind weiße oder sandfarbene Anstriche, kombiniert mit Bodenkissen, Truhen sowie Teppichen für den Boden und die Wände. Auch in diese Einrichtung gehören Stoffe, die freilich weniger prunkvoll ausfallen. Das Interieur wirkt leicht, alles ist mit einigen Handgriffen fortgeräumt, denn die nomadische Lebensweise ist sowohl bodennah als auch flexibel. Module, wie marokkanische Bodenkissen-Sofas oder aus Gestell und Tablett zusammensetzbare Teetische, passen perfekt in ein solches „Wohnzelt“. Teppiche aus Turkmenistan, Usbekistan oder Afghanistan geben diesem Ambiente Authentizität und verleihen dem Raum mit ihren Rot- und Brauntönen Behaglichkeit.

Beduinenzelt in Jordanien: Rot- und Brauntöne strahlen viel Behaglichkeit aus
Beduinenzelt in Jordanien: Rot- und Brauntöne strahlen viel Behaglichkeit aus (Foto: Jumilla)

Künstler und Intellektuelle vor Ort beziehen das Traditionelle ihrer Heimatländer, namentlich die Erzeugnisse des heimischen Kunsthandwerks, gerne in eine weitgehend moderne Einrichtung ein. Bei denjenigen, die es sich leisten können, wird eine Synthese des Orientalischen mit dem Mediterranen immer beliebter. An einer grünen Wand mag ein Kelim oder Beschir hängen, davor steht eine zeitgemäße blaue Couch, flankiert von zwei Leuchten mit Ziegenlederbezug: Darin verbindet sich europäisches Industriedesign mit tausendjährigem Handwerk zu einer vielversprechenden Liaison.

Eine ähnliche Richtung schlägt die sehr junge eurozentrische Interpretation des Orientalischen ein. Die Möbel stammen aus Europa und weisen sogar Anklänge an den Minimalismus auf. Aber sie werden mit verschlungenen Ornamenten akzentuiert, wie etwa eine schlichte weiße Couch mit wenigen Jacquard-Kissen in orientalischer Anmutung. Damit harmonieren eine marokkanische Deckenleuchte sowie halbtransparente Stoffe vor den Fenstern. Wird dieses Interieur Ton in Ton gehalten, vorzugsweise in Weiß, wirkt es ausgesprochen modern und dennoch sinnlich. Soll ein gleichsam schwereloser Effekt erzeugt werden, ist bei der Dekoration ein sicheres Auge gefragt, besonders in kleineren Zimmern: Punktuell platzierte Stücke wirken elegant, zu viele Verzierungen drängen sich jedoch in den Vordergrund.

Orientalische Moderne: Bauchtanz und Ethnostil

Der Orientalische Wohnstil ist vielseitig interpretierbar – in Anlehnung an den Ethnostil möglichst authentisch, romantisch pompös oder mit der Zurückhaltung der europäischen Moderne. Für diejenigen, die erstmals eine eigene Wohnung einrichten, ist sicherlich interessant, dass Marokko den deutschen Markt preiswert mit kunsthandwerklichen Unikaten versorgt. Wenn es nicht unbedingt der Mosaikbrunnen oder ein antiker Teppich sein muss, ist das eigene Heim – für vergleichsweise wenig Geld – wohnlich gestaltet. Wer gleich sein ganzes Eigenheim orientalisch anmutend bauen möchte und nicht das ganz große Budget zur Verfügung hat, dem empfehlen wir das Portal www.baustoff-direkt.de, mit dem wir beispielsweise beim Thema Fliesen und Naturstein bisher gute Erfahrungen gemacht haben.

www.everyday-feng-shui.de

Quellen:

nabilashamseldin.de – Orientalische Architektur
www.planungswelten.de – Orientalischer Einrichtungsstil – von Prunk, Dekadenz und der Liebe zum Detail!
www.schoener-wohnen.de – ORIENTALISCHER EINRICHTUNGSSTIL

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