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Japanisch Wohnen: Der japanische Einrichtungsstil

Von Long Wang

Wer bei der Inneneinrichtung auf natürliche Materialien wie Holz, Bambus, Stroh oder Papier Wert legt, überladen wirkende Räume jedoch verabscheut, für den ist der japanische Einrichtungsstil eine Option. Feng Shui lässt sich mit jedem Wohnstil umsetzen. Wohnen im Japan-Stil ist wegen seiner kulturellen Nähe zu China sogar besonders gut dazu geeignet. Wir zeigen euch, worauf es beim “Japanisch Einrichten” ankommt.

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Traditionelle japanische Wohnung: Flexible Raumgestaltung und reduzierte Einrichtung
(Foto: Rennett Stowe)

Dies vorweg: Japanisch Wohnen und Einrichten liegt voll im Trend. Durch den Boom ostasiatischer Kultureinflüsse in Westeuropa seit Mitte der Achtzigerjahre haben nicht nur exotische Kampfsportarten, Sushi und Karaoke stark an Popularität gewonnen, sondern auch traditioneller japanischer Lebensstil, wie er sich in japanischer Architektur und Wohnraumgestaltung zeigt. Nicht umsonst gehört der japanische Wohnstil mittlerweile zu den zehn beliebtesten Einrichtungsstilen hierzulande. Fragt man nach dem warum, werden häufig die naturnahe Bauweise, beeindruckende Garten- und Landschaftsarchitekturen sowie ein sehr reduzierter Einrichtungsstil als Gründe genannt.

Frage: Doch was genau zeichnet das japanische Wohnen aus?

Merkmale traditioneller japanischer Architektur

  • sehr leichte (erdbebensichere) Bauweise
  • Verwendung natürlicher Materialen: Holz, Bambus, Papier, Stroh
  • flexible Raumkonzepte durch verschiebbare Wände
  • multifunktionale Räume
  • Holzveranden mit Zugang zum Zen Garten
  • häufig keine großräumige Architektur
  • Zen-Gartenlandschaften

Häufig anzutreffende Merkmale der Inneneinrichtung

  • Fenster, Trennwände und Lampions aus Shōji-Papier
  • mattes weiches Licht
  • sehr reduzierte Möblierung
  • bodennahe Beistelltische (Saizu)
  • Futons, die tagsüber aufgerollt und weggeräumt werden
  • Truhen und Tee-Kommoden (so genannte Cha-Tansu)
  • Treppen-Tansu (flexible Treppenkommode mit Stauraum)
  • Möbel auf Rollen (Kuruma dansu)
  • Möbel aus Keyaki (teuerstes Holz, Ulmenart)
  • Matten aus Bambus oder Reisstroh (Tatami)
  • Verzierungen mit japanischen Schriftzeichen
  • Paravents (Mischung aus Möbel und Bild)
  • japanische Fächer an den Wänden (Uchiwa und Ōgi)
  • japanische Blumengestecke (Ikebana)
  • Dekoration mit Lotus-, Orchidee- und Kirschblüten
  • Masken asiatischer Symbolfiguren
  • Lackarbeiten und Raku-Keramik
  • Bonsai, Gong und Buddha-Statuen

Traditionelle japanische Wohnkultur: Was ist das?

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Schmiedeeiserner Teekessel an einer offenen Feuerstelle in einem traditionellen japanischen Haus
(Foto: TANAKA Juuyoh)

Für die europäische Wahrnehmung japanischen Wohnens sind traditionelle Bauweise und Inneneinrichtung bestimmend, die in Japan eigentlich einer Lebenshaltung entsprechen. Sowohl die Nutzung natürlicher Materialien – bevorzugt pflanzlichen Ursprungs – als auch schlichte Flächen und bewegliche Reispapierwände (Shōji) ermöglichen die unmittelbare Nähe zur Natur. Diese besondere Beziehung zur Umgebung sowie religiös-kultische Aspekte bedingen die Architektur. Zimmer im europäischen Sinne gibt es in den klassischen Häusern kaum. Der Wohnraum wird vielmehr durch Shōji unterteilt, die geöffnet oder auch ganz entfernt werden können. Je nach Bedarf ist es also möglich, gesellig beieinander zu sein oder sich zurückzuziehen.

Am besten ist ein solches Haus als Gast eines Ryokan zu erleben. Dabei handelt es sich um ein traditionell geführtes, auf althergebrachte Weise eingerichtetes Hotel. Ideal geeignet ist beispielsweise die Samurai-Residenz Dan-bayashi, in der Nähe Kyōtos. Die Anlage vereint einerseits die unterteilten Räume des urbanen Ryokan mit dem Schilfdach der ländlichen Minka und ist andererseits beispielhaft für mittelalterliche Holz- und Metallbearbeitung sowie für die japanische Gartenkunst. Das Interieur ist vergleichsweise prächtig, ohne aber untypisch zu sein.

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Ausschließlich hochwertige Möbel: Edler japanischer Treppen-Tansu (Foto: j l t)

Beim Betrachten eines herkömmlich eingerichteten Raums fällt der Einklang aus Natürlichkeit, Kunstfertigkeit und Einfachheit auf. Sogar die gebräuchlichsten Objekte sind mit penibler Sorgfalt gefertigt, sodass sie Bewunderung und Respekt erregen. Dementsprechend werden japanische Wohnräume nie mit Straßenschuhen betreten. Alltag und Staub werden mit dem Schuhwerk abgestreift – man betritt eine andere Welt. Tatami, die aus Seegras und Reisstroh gefertigten Bodenbeläge der Wohnräume, werden mit Socken oder in Tabi betreten, einer Art Hüttenschuh. Achtsamkeit – ein Leitmotiv des japanischen Lebens – wird gleichermaßen von Bewohnern und Gästen erwartet. In allem ist Zen, ob es Kalligrafie ist, Ike-bana, die Teezeremonie oder nur das Aus- und Einrollen des Futons: Wo Zen ist, dort ist Achtsamkeit.

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Bonsai in vollkommener Zen-Ästhetik (Foto: Rennett Stowe)

Geschlafen wird auf Futons, die abends mitten im Raum ausgerollt werden. Am Morgen, wenn die Futons eingerollt und – im Futon-Todana, dem Futon-Schrank – unsichtbar verstaut sind, steht an derselben Stelle ein niedriger Tisch mit den dazugehörigen Bodenstühlen, den Saizu. Was nicht sichtbar sein soll, verschwindet in Tansu, Schränken und Truhen, die einst jeweils für einen ganz bestimmten Zweck entworfen wurden, wie beispielsweise Cha-Tansu für Teeutensilien. Dekoration wird mit größter Bedachtsamkeit platziert. Auch dieser Brauch wurzelt im Zen, so ist etwa Ike-bana selbst eine Übung, deren Gestecke wiederum zur Meditation anregen.

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Reisstrohmatten (Tatami) und Kalligrafie prägen die traditionelle japanische Einrichtung
(Foto: TANAKA Juuyoh)

Für Europäer mit einem Faible für traditionelle japanische Einrichtungen, die ihre Lebensgewohnheiten aber nicht völlig umstellen wollen, sind japanisch inspirierte westliche Möbel erhältlich, zum Beispiel Tische und Stühle in gewohnter Höhe oder Tatamibetten für Futons. Fenster können mit Bambus- oder Reispapierrollos versehen werden; der Noren – eigentlich ein saisonaler Türvorhang – ist in Europa als Wandschmuck beliebt. Wie nahe am Vorbild die Einrichtung orientiert sein soll, ist individuell zu entscheiden. Dennoch gehören nur wenige dekorative Objekte in den Raum, die allerdings von erlesener Qualität sein dürfen. Je nach Geschmack eignen sich beispielsweise Lackarbeiten, Kalligrafie oder Raku-Keramik.

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Moderner japanischer Haushalt in traditionellem Interior Design (Foto: TANAKA Juuyoh)

Die Grundausstattung des Japanischen Wohnstils umfasst weiße oder helle Wände, eine mit Holz verkleidete Zimmerdecke, Tatami als Bodenbelag sowie Shōji, entweder als Schiebewand, Paravent oder auch als Schrank. Der Rest ist eine Frage der Finanzen, der Bequemlichkeit und der Philosophie.

Japan – Vorbild für reduziertes und ökologisches Wohnen

www.everyday-feng-shui.de

5 Kommentare zu “Japanisch Wohnen: Der japanische Einrichtungsstil”

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