Minimalistischer Wohnstil: Reduktion, Klarheit & viel Raum

Bauhaus und Moderne haben ihre Spuren in vielen deutschen Wohnzimmern hinterlassen. Die konsequenteste Form modernen Wohnens ist jedoch der minimalistische Wohnstil. Aufgrund seiner Konzentration auf das Wesentliche lässt er sich ausgezeichnet mit Feng Shui vereinbaren. Worauf es beim minimalistischen Einrichten ankommt, zeigen wir euch in diesem Artikel.

Weniger ist mehr: Minimalistischer Wohnstil in Vollendung
Weniger ist mehr: Minimalistischer Wohnstil in Vollendung (Foto: Donatas Grinius)

Wer sich mit ostasiatischen Philosophien auskennt, dem ist das Konzept der Reduktion und Konzentration auf die wesentlichen Dinge im Leben nichts Neues. Der minimalistische Wohnstil greift diesen Ansatz wie kein anderer Einrichtungsstil auf und lässt Räume durch schlichte Eleganz ihre volle Wirkung entfalten. Ordnung und klare Strukturen sind bestimmend in Architektur und Inneneinrichtung. Seit den Neunzigerjahren gehört der minimalistische Einrichtungsstil unangefochten zu den zehn beliebtesten Einrichtungsstilen hierzulande.

Frage: Was genau zeichnet den minimalistischen Wohnstil eigentlich aus?

Architektonische Merkmale

  • stark reduzierte oder kubische Gebäudeformen
  • extreme ästhetische Reduktion
  • großzügige Räume
  • große Flächen, klare Linien
  • Farben Weiß und/oder Grau dominieren
  • viel Glas, Beton, Stahl und Naturstein als Baustoffe

Merkmale der Inneneinrichtung

  • einfarbige Wände
  • ungemusterte Fußböden
  • strenge Formgebung, glatte Flächen
  • sparsame, aber kostspielige Dekoration
  • Konzentration auf das Wesentliche
  • wenige Farben: Weiß, Grau und Schwarz dominieren
  • funktionale Einrichtung
  • keine überfüllten Regale!
  • Schränke und Einbauschränke als Stauraummöbel
  • EIN farbiges Highlight als Akzent – nicht mehr!
  • großformatige Bilder
  • moderne Skulpturen
  • skulpturale Leuchten
  • viel Kunststoff, Metall, Glas und Keramik
  • Helligkeit, Licht als Mittel zur Inszenierung des Raums

Die Ursprünge des minimalistischen Wohnens in Europa

Zwei Einflüsse haben im Minimalistischen Wohnstil unverkennbar Spuren hinterlassen, ob er nun puristisch interpretiert wird oder als Modernes Wohnen: Die ursprünglich bereits aus dem 19. Jahrhundert stammende Idee des Funktionalismus‘ sowie das unter anderem darauf zurückgreifende Bauhaus prägen minimalistisches Einrichten.

Minimalistisch und Funktional: Loungesessel von Furnitive
Minimalistisch und Funktional: Loungesessel von Furnitive (Bildquelle: www.fashionforhome.de)

Das Prinzip funktionalistischen Designs fasste der US-amerikanische Architekt Louis Sullivan um 1900 pointiert in der Aussage zusammen, dass die Gestalt der Funktion zu folgen habe: „Form follows function.“ Dahinter steht die Annahme, dass ein ausschließlich seinem Zweck gemäßes Gebäude aus sich heraus ästhetischen Wert habe. Industriedesigner des 20. Jahrhunderts griffen diese Idee auf, nachdem der Funktionalismus bereits Einzug in die Architektur der Nachkriegszeit gehalten hatte. Viele Entwürfe der 1960er und 1970er Jahre gelten heute als Klassiker und sind bei Freunden minimalistischen Interieurs ebenso beliebt wie deren Vorbilder aus den Bauhaus-Werkstätten. Bestes Beispiel dafür sind Online-Shops wie etwa Fashion for Home, die inzwischen ganze Produktreihen minimalistischer Stilmöbel in ihrem Sortiment haben.

Die Bauhaus-Designer hatten bereits im frühen 20. Jahrhundert nicht nur eine neue Architektur umgesetzt, sondern außerdem bei jungen Künstlern ein Ideal etabliert, wonach jedes Produkt industriell herstellbar sein müsse. Der Gedanke wurde auf Alltagsgegenstände übertragen: Sie sollten in Massenproduktion entstehen können, robust sein und dennoch sowohl ihre Herstellungsweise – im Sinne ihres Ursprungs – offenlegen als auch ästhetischen Ansprüchen genügen. Die richtungweisenden Erzeugnisse der Bauhaus-Künstler sind unter anderem im Bauhaus-Museum in Berlin zu besichtigen.

Apple-Produkte: Musterbeispiele für minimalistisches Industrie-Design
Apple-Produkte: Musterbeispiele für minimalistisches Industrie-Design (Foto: Alison)

Aus beiden Prinzipien folgt zwangsläufig der Verzicht auf alles Ornamentale. Minimalistisches Interieur zeichnet sich demzufolge durch funktionelle Formgebung aus. Ästhetik entspringt ausschließlich Material und Gestalt, die wiederum durch den Zweck des Objekts bestimmt werden – und zwar ausnahmslos. Für den Designer besteht die Herausforderung darin, einen Gegenstand zu entwerfen, der seiner Bestimmung genügt, ohne nichtssagend zu wirken.

Das Zusammenspiel von Material, Oberfläche und Form

Minimalistisches Wohnen, in seiner puristischen Interpretation, zeichnet sich wesentlich durch die Beschaffenheit der Möbel aus, deren Eleganz sich aus Material, Oberfläche und Form ergibt. Theoretisch sollte jedes Stück aus sich heraus wirken und nicht der Ergänzung durch weitere Gegenstände bedürfen. Damit dieser Effekt zutage tritt, verlangt die puristische Möblierung Zurückhaltung und Ordnung. Jedes überflüssige Detail würde die Anmutung aufheben. In zu kleinen Zimmern funktioniert der Stil oft nicht, weil die Raumwirkung ausbleibt.

Wird die minimalistische Einrichtung als Modernes Wohnen aufgefasst, ohne die Kargheit der puristischen Atmosphäre zu befürworten, dann lebt sie von wenigen geometrischen Formen in Kombination mit verschiedenen Oberflächen. Auf diese Weise können auch kleinere Zimmer minimalistisch gestaltet werden, ohne unwohnlich oder überladen zu sein.

Extrem reduziertes Interior Design: Jedes Stück muss aus sich heraus wirken
Extrem reduziertes Interior Design: Jedes Stück muss aus sich heraus wirken
(Designer: Carmine Mergiotti, Foto: Lamidea Design)

Minimalistisches Interieur verlangt einfarbige Wände und ungemusterte Böden, klare Linien, sparsame Dekoration sowie die Beschränkung auf wenige Farben, in der Regel Weiß, Grau und Schwarz. Der Reiz entsteht aus dem „zufälligen“ Zusammenspiel von Materialien und Formen im Raum. Herumliegende Gegenstände oder überfüllte Regale zerstören diese Harmonie, weshalb Schränke oder Einbauschränke als Stauraummöbel unverzichtbar sind. Dekoration kann punktuell eingesetzt werden, um die Strenge der Farb- und Formgebung zu akzentuieren, damit das Ambiente nicht klinisch wirkt. Dafür eignen sich beispielsweise großformatige runde Bilder in kräftigen Farben, moderne Skulpturen oder skulpturale Leuchten sowie in Anlehnung an den japanischen Einrichtungsstil Orchideen, Bonsai und Ike-bana. Jedes dieser Elemente sollte einerseits ein vorhandenes stilistisches Thema aufgreifen, zum Beispiel Disziplin (Bonsai, Ike-bana) oder Klarheit (Kunst, Glas, Keramik), andererseits aber einen begrenzten Raumeffekt aufweisen, der die gestalterische Hauptaussage kontrastiert, ohne sie aufzuheben.

www.everyday-feng-shui.de

1 Kommentar

  1. Hallo,
    ich habe eine Frage zum Theme Minimalismus, Purismus.
    Im Westen gilt ja das Prinzip „Weniger ist mehr“. Ist das auch so in China? Ich finde nichts über Einrichtungstrends in China und wäre über eine Antwort sehr dankbar.
    In dem von Ihnen veröffentlichten Artikel schreiben Sie zwar über „asiatischen Purismus“. Ich frage mich ob das eine Erfindung des Westens ist, oder ob Chinesen tatsächlich diesem Prinzip folgen. Schließlcih sind sie nachwievor ein Schwellenland. Gilt hier nicht eher das Prinzip „mehr ist mehr“ wie in Russland?

    Vielen Dank im Voraus

    J,

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


*