Die Rostlaube: Urbane Landwirtschaft in Berlin

Auch in Deutschland findet urbane Landwirtschaft immer mehr Anhänger. In Berlin ist mit der „Rostlaube“ gerade die erste Containerfarm eröffnet worden. In einem umgebauten Hochsee-Container wird auf engstem Raum Fischzucht und Gemüseanbau betrieben. Über ein Nachhaltigkeitsprojekt der besonderen Art.

Die Rostlaube: Containerfarm für urbane Landwirtschaft
Die Rostlaube: Containerfarm für urbane Landwirtschaft

„Urban Farming“, was übersetzt so viel wie „urbane Landwirtschaft“ bedeutet, ist ein neuer Trend, der auch hierzulande immer mehr Anhänger findet. Gemeint ist damit der Anbau oder die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte im innerstädtischen Raum. Berlin hat dabei eine Vorreiterrolle übernommen: Auf dem Gelände der ehemaligen Malzfabrik in Tempelhof ist mit der „Rostlaube“ die erste „Containerfarm“ Deutschlands an den Start gegangen. Doch was genau ist das?

Fischzucht und Pflanzenanbau als geschlossener Kreislauf

Die Rostlaube ist ein Vorzeigeprojekt des jungen Schweizer Unternehmens „UrbanFarmers„. Es handelt sich dabei um einen ausrangierter Hochsee-Container, der durch einen Gewächshaus-Aufsatz zu einem modernen Schrebergarten umfunktioniert wurde. Innerhalb des Containers befinden sich jedoch nicht etwa die Gartengerätschaften, sondern ein Wasserbecken, das zur Fischzucht genutzt wird. Der Clou daran ist, dass die Pflanzen im Gewächshaus-Aufsatz und die Fischzucht im „Erdgeschoss“ einen geschlossenen Kreislauf bilden.

Gemüseanbau im Gewächshaus der Containerfarm auf dem Gelände der Malzfabrik Berlin
Gemüseanbau im Gewächshaus der Containerfarm auf dem Gelände der Malzfabrik

Die Pflanzentöpfe im Treibhaus stehen auf Styropor, wodurch die Wurzeln der Tomaten- und Salatpflanzen in ein Gangsystem ranken können, in das Wasser aus dem Fischteich gepumpt wird. Das Wasser der Fische ist durch deren Fäkalien ammoniakhaltig und dient den Pflanzen nach einem Umwandlungsprozess als Nitrat-Dünger. Eine zusätzliche Düngung ist nicht notwendig. Die Pflanzen wiederum filtern das Nitrat aus dem Wasser, so dass dieses wieder in das Fischzuchtbecken zurückfließen kann.

Ein Steuerungssystem überwacht ständig die Zusammensetzung des Wassers. Fehlt es beispielsweise an Nährstoffen für die Pflanzen, erhalten die Fische mehr Futter, wodurch diese mehr Exkremente ausscheiden. Ist die Nährstoffkonzentration zu hoch, müssen die Tilapia, eine schnell wachsende exotische Fischart, fasten. Auf Pestizide und Antibiotika verzichten die urbanen Landwirte ganz, denn Anbau und Aufzucht orientieren sich streng an Richtlinien der Nachhaltigkeit.

Über die Wirtschaftlichkeit der urbanen Landwirtschaft

Wirklich günstig war die Rostlaube allerdings nicht. Eine Containerfarm vom Ausmaß eines Hochsee-Containers kostet bis zur Fertigstellung etwa 35.000 Euro. Hinzu kommen laufende Energiekosten durch Wasserpumpen und Filteranlagen. Dem gegenüber stehen etwa 60 Kilogramm Fisch und 200 Kilogramm Gemüse im Jahr. Einsparungen gegenüber herkömmlichen Fischzuchtbecken und Treibhäusern entstehen vor allem durch einen um 80 bis 90 Prozent geringeren Wasserverbrauch.

Für einen wirtschaftlichen Betrieb der Containerfarm dürfte dies hierzulande allerdings nicht ausreichen. Steigen die Lebensmittelpreise jedoch weiter an, wird sich urbane Landwirtschaft mit einer Containerfarm irgendwann auch in Deutschland rechnen. Das Vorzeigeprojekt Rostlaube ist aus unserer Sicht aber auch deshalb ein Schritt in die richtige Richtung, da Urban Farming nicht nur bei uns, sondern auch in anderen Ländern der Welt zukünftig dazu beitragen muss, dass die Ernährungsprobleme der Weltbevölkerung gelöst werden. Warum also nicht unser Knowhow dafür einsetzen, anderen zu helfen?

UrbanFarmers: Good Food from the Roof

Unserer Meinung nach ist Urban Farming aber auch ein wichtiger Trend für die nachwachsenden Generationen in unserem Land. Viele Menschen verlieren nicht nur immer mehr den Bezug zur Natur, sondern vor allem auch zu ihren Lebensmitteln. Vielfach lässt sich einfach nicht mehr nachvollziehen, wo die Nahrung herkommt und wie sie entstanden ist. Urbane Landwirtschaft bringt die Nahrung wieder näher an die Konsumenten. Die Folge ist eine geringere Umweltbelastung durch kürzere Transportwege und ein höheres Bewusstsein für die Zusammenhänge zwischen uns und unserer Umwelt.

Urbane Landwirtschaft ist vielleicht kein Feng Shui. Aber es kann ein wichtiger Schritt hin zu einem Leben in größerer Harmonie mit der Natur sein.

www.everyday-feng-shui.de

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Über Long Wang 315 Artikel
Meister Long Wang ist seit 2007 Teil des Everyday Feng Shui Redaktionsteams und bereichert seither als Experte für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) mit seiner fernöstlichen Perspektive auf die Welt unsere Plattform. Zu erreichen ist er unter l.wang@everyday-feng-shui.de

2 Kommentare

  1. Die „Fischzucht“ ist Tierquälerei, da überbesetzt und Straß für die Tiere. Verstöße gegen das Tierschutzgesetz sollten geahndet und nicht gefördert werden!

  2. Liebe urbanen Gärtnerinnen und Gärtner,
    die Universität Bologna erforscht aktuell in einer Studie innovative Formen urbaner Landwirtschaft und urbanen Gärtnerns auf Dächern. Ziel ist es, die sozialen, ökonomischen und ökologischen Auswirkungen und damit die Nachhaltigkeit dieser Dachgärten und -farmen zu besser verstehen.
    In diesem Rahmen sind wir auch auf Ihr Projekt gestoßen. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Forschungsarbeit mit der Beantwortung einiger Fragen unterstützen. Unter dem unten stehenden Link finden Sie einen online-Fragebogen, der einige allgemeine Aspekte und quantitative Informationen abfragt. Die Beantwortung der Fragen dauert weniger als 15 Minuten.
    Mit der Beteiligung an der Befragung können Sie eines von drei Exemplaren des kürzlich erschienenen Buchs “Rooftop Urban Agriculture”, (Orsini et al., 2017, Springer, http://www.springer.com/it/book/9783319577197) gewinnen.
    Es wäre toll, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen.
    Herzlichen Dank und beste Grüße,
    Elisa
    Link:
    https://docs.google.com/forms/d/e/1FAIpQLSefoWKRCv5BTYg-Jub9jZY6sGOU-cSN5CDKhFz_PT1qAlgAhA/viewform

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