Essbares Unkraut: Genuss von der Blüte bis zum Stängel

Eine Freundin aus der Stadt kam mich „auf dem Land“ besuchen. Im Gepäck hatte sie ein Buch, das alle hier wild wachsenden, essbaren Pflanzen auflistete. Die Idee der Freundin war es, einen Spaziergang durch die Natur zu machen und dabei vielleicht sogar eine essbare Pflanze zu finden. Es kam ganz anders. Wir schafften es an dem Nachmittag noch nicht einmal aus dem Garten heraus.

Giersch: Von manchen als Unkraut verachtet, doch richtig zubereitet sehr schmackhaft und gesund Giersch (Aegopodium podagraria): Von manchen als Unkraut verachtet, doch richtig zubereitet sehr schmackhaft und gesund (Foto: Oona Räisänen / Flickr)

Essbares fanden wir aber reichlich. Und damit meine ich nicht die Pflanzen, die ich selbst im Garten angebaut habe. Neben den Küchenkräutern und den ersten Radieschen wuchs tatsächlich an jeder Ecke etwas Wildes, Gesundes – Köstliches.

Das meiste davon ist allerdings als Unkraut getarnt. Jedenfalls wird es landläufig als solches bezeichnet. Meine Nachbarn haben zum Beispiel immer ein waches Auge darauf, ob der Giersch zu ihnen herüberwächst. Er wurzelt nämlich so hartnäckig in alle Richtungen, dass man ihn schwer wieder loswird. Wenn man ihn loswerden möchte. Ich mag ihn aber gern im Suppentopf oder als Pesto, deshalb darf er bleiben. Er soll übrigens gut bei Gicht helfen.

Bloß lästiges Unkraut?

Gewöhnlicher Löwenzahn (Taraxacum sect. Ruderalia) ist essbar und schmeckt als Salat zubereitet Gewöhnlicher Löwenzahn (Taraxacum sect. Ruderalia) ist essbar und schmeckt als Salat zubereitet (Foto: Rudolf Schäfer / Flickr)

Als mindestens ebenso lästiges Unkraut gilt Löwenzahn. Ich habe eine Menge davon auf der Wiese. Aber ich muss ihn zeitig ernten, bevor die ersten Pusteblumen entstehen und der Wind die Samen über den Gartenzaun trägt. Auf Nachbars Rasen ist er nämlich nicht willkommen. Und dort müsste man dann mit dem Löwenzahnstecher schwer arbeiten, um ihn wieder aus dem Garten zu verbannen. Dabei schmecken Löwenzahnblätter und -blüten ganz wunderbar im Salat.

Die Dritte im lästigen Unkraut-Bunde ist die Vogelmiere. Sie ist überhaupt nicht kleinzukriegen, was ordnungsliebende Gartenbesitzer zur Verzweiflung bringen kann. Allerdings ist die Vogelmiere nicht nur als Salat oder Gemüse schmackhaft, sondern sehr gesund. Ihr werden viele Heilkräfte zugeschrieben. Außerdem soll sie gegen Frühjahrsmüdigkeit helfen. Leider erfuhr ich das erst jetzt. Ich werde mir für das nächste Frühjahr vormerken, rechtzeitig und reichlich Vogelmiere zu verzehren.

Nicht ganz so „lästig“, aber ebenso verbreitet sind die Gänseblümchen. Sie haben einen nussigen Geschmack und sollen eine heilende Wirkung entfalten. Auf jeden Fall sehen sie auf jedem Teller sehr dekorativ aus.

Gänseblümchen (Bellis perennis): Nussiger Geschmack und heilende Wirkung Gänseblümchen (Bellis perennis): Nussiger Geschmack und heilende Wirkung (Foto: Timo Newton-Syms / Flickr)

Viele Blüten sind nicht nur essbar, sondern auch sehr gesund. Das liegt vor allen Dingen an den enthaltenen Farbstoffen. Je nach Blütenfarbe sind das verschiedene Stoffe, denen unterschiedliche Wirkungen zugeschrieben werden. So sollen Anthocyane freie Radikale binden und damit die Zellalterung verzögern. Diese Stoffe sind in Malvenblüten oder auch in roten Rosenblüten enthalten.

Parfüm zum Naschen

Rosenblüten eignen sich gut für Gelee oder Sirup. Die Blütenblätter sind aber auch sehr dekorativ und duften natürlich herrlich. Meine Kinder stellen gern aus den verschiedenen Sorten ihr eigenes „Rosen-Parfüm“ her. Dieses dürfen sie sogar kosten.

Nicht alles, das essbar ist, möchte ich essen. So erfuhr ich aus dem Buch der Freundin aus der Stadt: Sogar Lilien sind essbar. Die bunten Blüten – meine Sorte im Garten ist leuchtend gelb – sollen als Beilage gereicht werden. Die Knospen lassen sich gebacken genießen, aber ich möchte doch lieber die Blüten im Garten erleben.

Taubnessel (Lamium): Auch ihre Blüten sind essbar Taubnessel (Lamium): Auch ihre Blüten sind essbar (Foto: Ben Sale / Flickr)

Ähnliche Hemmungen habe ich beim kleinen Veilchen. Ich habe diese Blümchen viel zu gern, als dass ich sie essen könnte. Sie sind aber für Süßspeisen geeignet, sollen sich gut im Sekt machen und als Tee gegen Halsschmerzen wirken. Übrigens geht es mir mit dem größeren Stiefmütterchen genauso. Es sieht zwar sehr dekorativ aus im Salat. Aber ich sehe es tatsächliche lieber im Garten als auf dem Teller.

Gern bediene ich mich dagegen beim Flieder. Die kleinen Blüten sind voller Nektar, sie schmecken aber nicht nur süß, sondern auch würzig. Für mich ist das der Vorgeschmack auf den Sommer. Ähnlich schmecken Taubnesseln, während der Wiesenklee etwas zarter im Geschmack ist. Er sieht besonders schön aus im Salat. Margeritenblüten sind ebenfalls sehr dekorativ, haben aber kaum Eigengeschmack. Kamillenblüten sind dagegen sehr intensiv. Obwohl ich mich ansonsten gar nicht für Kamillentee begeistern kann, liebe ich aber den Tee aus frisch gezupften Kamillenblüten.

Quellen:

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Susanne Raven
Über Susanne Raven 116 Artikel
Susanne ist freie Autorin und als Feng Shui Enthusiastin seit 2007 Betreiberin von Everyday Feng Shui. Die gelernte Logopädin hat sich zum Ziel gesetzt, traditionelles Feng Shui im deutschsprachigen Raum populärer zu machen. Susanne erreicht ihr unter info@everyday-feng-shui.de

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