Feng Shui: noch mehr Märchen vom Herd

In der letzten Woche haben Sie gelesen, was von der Empfehlung, einen Herd nicht neben der Spüle zu platzieren, zu halten ist. Das Feng-Shui-Märchen rund um einen Küchenherd hat noch mehr Kapitel. Erfahren Sie heute, welche weitere Regeln Sie getrost ignorieren können, ohne zu fürchten, eine unglückliche Küche zu haben.

Bei alten Herden war die Öffnung noch eindeutig. Foto: CC-0, Public Domain via pixabay.com by Hans
Bei alten Herden war die Öffnung noch eindeutig.
Foto: CC-0, Public Domain via pixabay.com by Hans

 

Eine weitere, recht populäre Empfehlung zum Herd in der Küche heißt: Stellen Sie den Küchenherd nicht im Nordwesten auf. Warum? Nun ja, wenn man Feng Shui Prinzipen äußerst platt auslegt, dann stimmt es sogar. Ein Herd wird gerne der Wandlungsphase Feuer (was heute nur zeitweise bis gar nicht zutrifft) zugeordnet. Die Himmelsrichtungsbereiche Westen und Nordwesten entsprechen der Wandlungsphase Metall. Feuer und Metall stehen im Kontrollzyklus zueinander. Diese Kontrolle wird als ungünstig eingestuft. Bei näherer Betrachtung geriet die Regel sehr stark ins Wanken.

Sie würde nur dann stimmen, wenn in der Küche außer dem Feuer des Herdes keine weiteren Wandlungsphasen wirken würden. Damit wären wir wieder bei der offenen Feuerstelle in einer einfachen Behausung, die schon im letzten Beitrag als Vergleichsbild diente. In heutigen Küchen wirkt eine Mischung aus Wandlungsphasen der Formen, Farben und Materialien der Möbel, Wände und Bodenbeläge. Um festzustellen, ob überhaupt ein Kontrollverhältnis der Wandlungsphasen sich nachteilig auswirken kann, muss zuerst die gesamte Einrichtungssituation in Bezug zur Ausrichtung des Grundrisses betrachtet werden.

Beim Lesen manche Bücher, allen voran der bekannten Autorin Lillian Too, könnte man in Zusammenhang mit folgender Aussage Existenzängste bekommen: „Daneben symbolisiert Nordwesten auch den Himmel. Ist Ihr Herd an diesem Ort, so legen Sie symbolisch Feuer an die Himmelspforte. Dies ist das größte Unglück, das Sie ereilen kann. Im schlimmsten Fall hat dies den Verlust Ihres gesamten Besitzes zur Folge. Im günstigsten Fall führt es zur Zerstörung Ihres Hauses.“*

Du lieber Himmel, wenn hier etwas zerstört ist, dann nur der gesunde Menschenverstand. Aber vielleicht ist doch etwas dran und deshalb bleiben so viele Küchen kalt?

Es geht noch weiter. Eine der besagten „alten Regeln“ lehrt, dass die Öffnung eines Herdes in eine persönlich günstige Richtung des Herren des Hauses zeigen soll. Das bringe Glück und Reichtum. Nun stellt sich die Frage, was ist heute „die Öffnung des Herdes“? Früher hat man ein Herd durch diese Öffnung befeuert, das heißt hier das Holz oder Kohle reingeschoben. Damit scheidet die Backofentür als „Öffnung“ aus. Eine andere Öffnung hat ein moderner Herd aber nicht. Betrachtet man die Öffnung als die Stelle, wo Energie dem Herd zugeführt wird, dann müsste es die Stelle sein, wo das Elektrokabel oder der Gasschlauch am Herd montiert ist. Und tatsächlich – Frau Too empfiehlt den Strom- bzw. Gasanschluss in die richtige Richtung zu positionieren und das sogar bei einem Reiskocher: „Wenn anderseits der „Mund“ des Herdes in ihre Chueh-Ming-Richtung (Anm. Red. Es ist die ungünstigste der vier negativen, persönlichen Richtungen nach der Kua-Zahl.) weist, wird schreckliches Unheil über sie kommen: das kann bis hin zum Tod eines oder mehrerer Familienmitglieder gehen.“** Stellen Sie sich vor, Sie haben eine moderne Küche, in der die Herdplatte, der Backofen, der Grill, die Mikrowelle und die Kaffeemaschine im Raum verteilt untergebracht sind und die Elektroanschlüsse der Geräte in unterschiedliche Richtungen, wahrscheinlich auch in die ungünstige, weisen. Ihrer Familie droht eine Katastrophe! Zerlegen Sie am besten sofort Ihre Küche und drehen alle Geräte in die richtige Richtung, egal, ob Sie danach noch benutzbar sind.

Wenn Sie demnächst wieder am Herd stehen, dann drehen Sie sich kurz um. Befindet sich hinter Ihnen die Tür? Wenn ja, dann trifft Sie das Unglück noch einmal. Sie werden überfallen und ausgeraubt, weil Sie die Tür nicht im Blick hatten. Ja, es kann böse Folgen haben, wenn die hungrige Familie sich auf Sie stürzt.

Wundern Sie sich noch, dass nach dem Lesen solcher Horror-Regeln viele Menschen Feng Shui für einen großen Schwachsinn halten? Ich nicht.

Mit schüttelndem Kopf und vielen Grüßen

Hedwig Seipel
www.fengshui-classic.de

 

*Quelle: Lillian Too „Praktisches Feng Shui – 168 traditionelle Wege zu mehr Glück und Erfolg“, Gräfe und Unzer Verlag GmbH, München 2000

**Quelle: Lillian Too „Feng Shui konkret“, Droehmer-Knaur, 1999

 

2 Kommentare

  1. Liebe Frau Schlachter,
    vielen Dank für Ihr Kommentar, das mich ermutigt, weiter mit diversen „Feng-Shui-Märchen“ aufzuräumen. Ich habe schon eine Idee, was als nächstes kommt ;-).
    Herzliche Grüße
    Hedwig Seipel

  2. Liebe Frau Seipel,

    da bin ich froh – hab alles „RICHTIG“ gemacht :-)
    Mein Herd steht im äussersten Nordwest-Zipfel des Hauses,
    und ich koche mit dem Rücken zur Tür.
    Endlich weiss ich, warum ich zunehme – NICHT weil das Essen was ich da koche super lecker schmeckt, sondern weil ich wohl zum Platzen verurteilt bin -oder sonstig Übel über mich hereinbricht *lach
    Nein Ernst. – Ich finde grossartig, dass sich jemand traut solche Mythen anzugehen.
    „Entrümpelung des Feng Shui“ sozusagen.
    Menschen ohne Feng Shui Berührung nehmen diese Mythen zum Anlass diese wunderbare Kunst ins Lächerliche zu ziehen.
    Ich gebe zu. Auch mich hat genau dieses Thema „fast“ vom Glauben an Feng Shui abgebracht, weil ich alles versuche mit gesundem Menschenverstand zu analysieren.
    Vielen Dank für diesen Beitrag.
    Freundliche Grüße aus dem Markgräflerland
    Brigitte Schlachter

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