Gao Bagua und die Kunst des Baguazhang

Die chinesische Kampfkunst Baguazhang und ihre einflussreiche Traditionslinie Gao Bagua wird auch bei uns immer populärer. Wir zeigen euch, dass Baguazhang und Bagua Feng Shui einer gemeinsamen Wurzel entspringen und mehr Gemeinsamkeiten aufweisen, als sich auf den ersten Blick vermuten lässt.

Wang Shu Jin (1904–1981): Meister des Baguazhang
Wang Shu Jin (1904–1981): Meister des Baguazhang

Jeder, der sich intensiver mit Feng Shui beschäftigt, stolpert früher oder später über den Begriff Bagua. Bagua bedeutet „Acht Trigramme“ und bezieht sich auf Orakelzeichen des I Ging, das Buch der Wandlungen. Die Trigramme des I Ging dienten der Weißsagung. Sie bestehen aus Strich-Symbolen, denen bestimmte Eigenschaften zugerechnet wurden. Bagua Feng Shui ist eine beliebte Methode, die Wohnung oder das unmittelbare Wohnumfeld entsprechend der Trigrammeigenschaften und ihrer Wandlungsphasen einzurichten oder zu gestalten.

Wusstet ihr, dass eines der bekanntesten Bagua-Symbole, die kreisförmige Anordnung der Trigramme, ursprünglich auf den „Leonardo da Vinci des Fernen Ostens“, Zhuge Liang (181–234 n. Chr.), zurückgeht? Liang entwickelte das Bagua als Verteidigungsstrategie und Schlachtordnung für militärische Einheiten. Später wurde das kreisförmige Truppenarrangement auch bei der Planung befestigter Verteidigungsanlagen sowie auf die Gründung und Gestaltung ganzer menschlicher Siedlungen in China angewendet (siehe Zhuge Bagua).

Der Einfluss des I Ging und die kreisförmige Bagua-Anordnung der Trigramme nach den acht Himmelsrichtungen Norden, Süden, Osten, Westen, Nordosten, Südosten, Südwesten beschränkte sich jedoch nicht allein auf die äußere Kampfkunst und auf militärische Verteidigungsstrategien im großen Maßstab. Auch viele der so genannten „inneren Kampfkünste“ beruhen auf dem Bagua. Zu einer der bekanntesten dieser Kampfkünste gehört das mit dem Tai Chi verwandte Baguazhang (auch „Bagua Zhang“).

Im Gegensatz zum Tai Chi, wo man sich sehr langsam, weich und fließend bewegt, oder auch im Unterschied zum Xingyi, bei dem man sich eher schnell und explosiv auf einer Linie bewegt, ist die vorherrschende Bewegungsart beim Baguazhang ein im Kreise gehen. Dabei vollzieht man eine besondere Schrittart und diverse Arm- und Handhaltungen, die allesamt auf den Mittelpunkt des Kreises zielen, den die eigene Körperbewegung beschreibt. Die einzelnen Handwechsel bei den Übungen sind hochkomplex, sie beschreiben die energetischen und philosophischen Beziehungen zwischen den 8 Trigrammen. Einen Eindruck von der Komplexität der Übungen erhaltet ihr in folgendem Video:

Die Bezeichnung Gao Bagua ist die Kurzform von Gao Baguazhang, eine der einflussreichsten Schulen des Baguazhang. Sie wurde nach ihrem Gründer Gao Yisheng (1866-1951) benannt. Gao Yisheng gilt als einer der ersten, der „Xiantian Bagua“ (Zirkuläres Bagua) und „Houtian Bagua“ (Lineares Bagua) öffentlich in China lehrte. Er selbst war Schüler des mysteriösen Song Yiren von den Guanghua Bergen (Provinz Fujian). Es wird vermutet, dass der Name „Gao“ sich ursprünglich von der regionalen Herkunft Yishengs und seinem Baguazhang „aus Guanghua“ ableitet.

Aufgrund der unterschiedlichen regionalen Herkunft des Baguazhang werden in China noch heute viele zersplitterte Traditionslinien der Kampfkunst weitergeführt, die sich in ihrer Stilistik jeweils mehr oder weniger stark unterscheiden. Im Zuge des jüngsten Booms chinesischer Kultureinflüsse in der westlichen Welt ist Gao Bagua inzwischen auch zu uns übergeschwappt und wird hierzulande als Kampfkunst bereits aktiv gelehrt. In diesem Zusammenhang ist es äußerst unterhaltsam, sich einmal anzuschauen, was passiert, wenn Gao Bagua und seine elegante Art sich zu bewegen auf US-amerikanischen Rap trifft:

Ihr seid an dieser Stelle einmal mehr Zeuge des unglaublichen Zusammenpralls von unterschiedlichsten kulturellen Einflüssen geworden. Schade eigentlich, dass sich Feng Shui nicht so einfach visualisieren lässt wie Gao Bagua. Sonst hätten wir hier mit Sicherheit des Öfteren mal etwas zu schmunzeln ;)

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