Kalte Fusion: Was wäre wenn… Energie plötzlich nichts mehr kosten würde?

In 20 Testanlagen wird in den USA aktuell eine revolutionäre Technologie auf Basis von „Low-Energy Nuclear Reactions“ (kurz: LENR oder „Kalte Fusion“) erprobt. Noch in diesem Jahr soll ein 1MW-Energy-Catalyzer (E-Cat) mit LENR-Technologie auf den Markt kommen, der einen ganzen Gebäudekomplex für wenige Dollar im Jahr vollkommen autark mit Energie versorgen kann. Was bedeutet diese Entwicklung für unsere Zukunft?

Kalte-Fusion-Pionier Andrea Rossi vor einem 1MW-E-Cat
Kalte-Fusion-Pionier Andrea Rossi vor einem 1MW-E-Cat (Foto: Massimo Brega)

LENR-Technologie wie der E-Cat basiert auf der Verschmelzung von schwerem Wasserstoff mit Nickel oder Palladium bei niedrigen Temperaturen unter Einsatz eines Katalysators. Dabei werden große Mengen thermische Energie freigesetzt. Zum Auslösen dieses Prozesses bedarf es eines initialen Energieaufwandes. Anschließend hält sich im Inneren des „Reaktors“ eine Fusionsreaktion selbst aufrecht. Bei diesem Vorgang entstehen weder Treibhausgase, noch kommt radioaktives Material zum Einsatz oder wird Radioaktivität als Abfallprodukt frei. In Fachkreisen wird diese Technologie bereits als DER Durchbruch auf dem Weg zur vollkommen klimaneutralen Energieerzeugung gefeiert.

Doch gibt es nicht nur unter Wissenschaftlern zahlreiche Bedenkenträger, denn was der flächendeckende Einsatz von LENR-Technologie für unsere Zukunft bedeutet, lässt sich kaum abschätzen. Die Vermutung liegt jedoch nahe, dass es in relativ kurzer Zeit zu gravierenden Veränderungen unseres Miteinanders auf der Erde kommen dürfte, wobei es Gewinner und Verlierer geben wird. Wir haben einmal versucht, die zu erwartenden Veränderungen in einem Zukunftsszenario zusammenzustellen:

Was wäre wenn freie Energie schon morgen Realität wäre?

Die gesamte Energiewirtschaft würde innerhalb weniger Jahre implodieren. Kraftwerke jeglicher Art würden bis auf wenige „Reserve-Versorger“ auf kurz oder lang abgeschaltet. Fossile Energieträger wie Kohle, Öl und auch Gas wären zu teuer, um weiter für die Energiegewinnung eingesetzt zu werden. Atomstrom wäre kein Thema mehr. Viele Menschen, die in dieser Branche arbeiten, müssten sich neu orientieren.

Es käme zu einem Crash der globalen Kapitalmärkte. Viele Unternehmen wie etwa Mineralölkonzerne oder Chemiebetriebe, die über Jahre gute Gewinne auf Basis fossiler Energieträger erwirtschaftet haben, würden dramatisch an Wert verlieren. Es käme zu Panikverkäufen von Unternehmensanteilen. Eine gigantische Vernichtung von Kapital wäre die Folge. Investmentbanken, Versicherungsunternehmen, Staaten – alle werden von diesem Strudel erfasst, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Realwirtschaft. An einem „Reset“ der Finanzmärkte führt kein Weg vorbei.

In der Krise wird der Lotto-Schalter zur echten Alternative...
In der Krise wird der Lotto-Schalter zur echten Alternative… (Foto:Jens K.)

Und es gibt Gewinner: Das sind die Unternehmen, welche sich schnell und flexibel auf die neue Technologie einstellen und Produkte entwickeln, die auf „Kalte-Fusion-Technologie“ basieren. Als eine der ersten Branchen wird die Automobilindustrie profitieren. In einer Übergangsphase wird Benzin und Diesel aufgrund der schwindenden Nachfrage und wegen des zunehmenden Überangebots an Rohöl auf dem Weltmarkt billig. Das verschafft der Automobilindustrie Luft, Fahrzeuge mit komplett neuer Antriebstechnologie innerhalb weniger Jahre zu entwickeln. Viele Verbraucher werden schnell auf diese neuen Fahrzeuge umsteigen, da sie im Unterhalt viel günstiger sein werden, als Kraftstoff-getriebene Fahrzeuge.

Profitieren werden auch die Bauindustrie und die Versorgungstechnik. Der Unterhalt von Gebäuden wird deutlich günstiger, wenn die Energiekosten gegen Null tendieren. Unternehmen können sich mehr „umbauten Raum“ leisten. Häuslebauer steigen schnell auf die effizientere Technologie um. Die Umrüstung auf neue Heizsysteme, Warmwasserbereitungsanlagen oder Eigenstromversorgungsanlagen wird Bauunternehmen, Installateuren und auch Architekten volle Auftragsbücher bescheren.

Welche Staaten werden die Verlierer sein?

Staaten, die ihren Wohlstand vornehmlich dem Export von Erdöl und Erdgas verdanken, werden vor großen Herausforderungen stehen. Die Golfstaaten, Russland, Venezuela, Nigeria – aber auch Norwegen, um die wichtigsten zu nennen – werden ihre Wirtschaft neu ausrichten müssen. Unruhen in der Bevölkerung und politische Umwälzungen sind wahrscheinlich.

Welche Staaten sind die Gewinner?

Profitieren von „Kalter Fusion“ werden vor allem diejenigen Staaten, die bisher aufgrund fehlender eigener Rohstoffvorkommen hohe Kosten für den Import von fossilen Energieträgern oder Strom aufbringen mussten. Dazu gehören Japan, Indien, Korea, aber genauso Deutschland und weitere west- und südeuropäische Staaten. Und auch China wird zu den Profiteuren gehören. Der Energiehunger des bevölkerungsreichsten Landes der Erde könnte endlich gestillt werden, was zu einer Entfesselung des weiteren Wirtschaftswachstums führen wird.

Da davon auszugehen ist, dass die neue Technologie zu einem gigantischen Innovationsschub in den unterschiedlichsten Bereichen führen wird, profitieren auch all jene Staaten, die gute Rahmenbedingungen für Wissenschaft und Forschung vorweisen können, die über eine gute Infrastruktur verfügen und die in der Lage sind, mit qualifizierten Menschen effizient Hochtechnologie in die Entwicklung neuer Produkte einfließen zu lassen. Ohne Zweifel: Die führenden Industrienationen werden auch hier wieder die Nase vorne haben.

Gemüseanbau in der Wüste bei Dubai
Gemüseanbau in der Wüste bei Dubai (Foto: Attila Malarik)

Doch auch für weniger entwickelte Länder wie etwa die meisten Staaten Afrikas, Süd- und Mittelamerikas sowie die oben schon als „Verlierer“ bezeichneten Staaten am Persischen Golf bieten sich vollkommen neue Entwicklungsperspektiven. Wenn Energie nichts mehr kostet, können neue Meerwasser-Entsalzungsanlagen, Tiefbrunnensysteme und Wasser-Pipelines gebaut werden, die zur Urbarmachung von verödeten Regionen eingesetzt werden. Wüsten könnten begrünt, vertrocknete Landstriche für die Landwirtschaft nutzbar gemacht werden.

Müssen wir Angst vor dieser Entwicklung haben?

Die klare Antwort auf diese Frage lautet: Nein! Die Kontrolle über die Energieressourcen und Versorgungswege liegt derzeit überwiegend in der Hand global agierender Konzerne, die aufgrund ihrer Marktmacht unverhältnismäßig viel Gewinn aus dieser Situation ziehen können. Sobald jeder Haushalt mit einem E-Cat zum Selbstversorger wird, hätte diese Vormachtstellung ein Ende. Dies würde zu einer weiteren Demokratisierung unserer Gesellschaften führen, da weniger Abhängigkeiten und wirtschaftliche Zwänge bestehen.

Wenn Energie plötzlich nichts mehr kosten würde, hätten auch die ärmsten der Armen eine Chance, mit Strom, sauberem Trinkwasser und dem Nötigsten an Nahrung versorgt zu werden. Die Kindersterblichkeit würde sinken. Mütter würden ihre Zeit nicht mehr mit Wasserschleppen und Brennstoffbeschaffung verbringen, sondern könnten sich um die Bildung ihrer Kinder kümmern. Der globale Lebensstandard und der Bildungsgrad würden steigen. Dies wiederum wird in den Entwicklungsländern zu einem Rückgang der Geburtenrate führen. Dem starken Bevölkerungswachstum auf unserem Planeten wäre somit Einhalt geboten.

Und wie wird es unserer Umwelt ergehen? Können wir dann vielleicht sogar andere Planeten besiedeln? Welche Herausforderungen seht ihr auf uns zukommen, wenn Energie plötzlich nichts mehr kosten würde? Wir freuen uns über eure Kommentare!

www.everyday-feng-shui.de

Quellen:

4 Kommentare

  1. Ein außerordentlich wichtiger Fakt wurde hier ganz vergessen:
    Unser gesamtes Leben hängt durch die digitale Durchdringungaller Lebens- und Wirtschaftsbereiche von einer immer funktionierenden Stromversorgung ab. Man rechnet heute damit, dass nach 48 Stunden Stromausfall ein extremer Notstand eintritt und dieser im Chaos endet. Die historisch gewachsene extreme Zentralisierung der Energieerzeugung und Verteilung trägt dieser Bedrohung in keiner Weise Rechnung. Die selbst nach dem 2. Weltkrieg recht schnell wieder funktionierende Stromversorung war u. A. der damals noch dezentralen Energieerzeugung in zahlreichen Stadtwerken zu verdanken. Im Lichte dessen scheint es unausweichlich, wieder zur Dezentralisierung der Stromerzeugung und Verteilung überzugehen. Neben anderen ist auch die LENR-Technologie das Mittel durch eine standardunabhängige Stromversorung die Dezentralisierung zu erreichen. Schon im Interesse der nationalen Sicherheit erscheint das Vernachlässigen dieses Gesichtspunktes im höchstem Maße fahrlässig.

  2. Lieber Mock, 1 kg Nickel kostete letzte Woche 16,68 €. Wenn alle 7 Milliarden Menschen ihre Häuser mit dem e-Cat heizen, wird der Preis nur geringfügig steigen. Und der Preis für das kg Kupfer wird etwas sinken. Denn nur 1 % der weltweiten Nickel-Produktion wird für die e-Cats benötigt. Eine Nickel-Pulver-Kartusche in der Größe einer Zigarettenschachtel soll nur 10 $ kosten und für 1/2 Jahr reichen. Mich kostet das Heizöl noch 2 000 € pro Jahr. Im 2. Jahr kann ich Rentner dann 1 980 € mehr im weiteren Urlaub ausgeben. Mit BP und Co. habe ich kein Mitleid. Die haben uns lange genug ausgebeutet.

  3. Hallo Herr Mock,

    kurz zu Ihren Fragen: Nickel ist eines der am häufigsten vorkommenden chemischen Elemente auf der Erde. Deswegen ist es nicht teuer. Ich denke aber nicht, dass es das Nickel allein ist, das den Fusionsreaktor am Laufen hält und das man einfach „nachkaufen“ muss. Es bedarf mindestens noch eines Katalysators… Ich gehe aber davon aus, dass die Consumer-E-Cats über so etwas wie Nachfüll-Patronen verfügen. Rossis Ziel ist es, eine solche „Patrone“ für unter 100 Dollar anzubieten. Sie hält angeblich 6 Monate. Der E-Cat in der Home-Variante soll zwischen 600 und 900 Dollar kosten.

    Nähere Infos dazu finden Sie z.B. auf der Seite http://ecat.com/ecat-products/ecat-home

    Dort werden über ein Formular Vorbestellungen entgegengenommen und man kann sich auch Fragen beantworten lassen. Wir selbst (Everyday Feng Shui) haben mit dem Vertrieb der E-Cats nichts zu tun.

    Grüße aus Berlin
    Long Wang

  4. ich finde das genial. Doch 5 Fragen habe ich: Wo bekomme ich das Nickel her zu welchem Preis? Wieviel brauche ich? Wie komme ich an ein solches Gerät und zu welchem preis.
    Ich interessiere mich dafür, auch event. zum Vertrieb.
    Bitte um Informationen
    Lieben Gruß aus Lenggries
    Adi Mock

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