Wolken versprechen mehr als das Blaue vom Himmel

Zugegeben, an manchen Tagen macht der Blick zum Himmel wenig Freude. Wenn die Grautöne nur in Nuancen variieren und womöglich noch Regen prasselt, fehlt ganz offensichtlich jeder Grund, den Himmel zu loben. Doch es gibt unerschütterliche Wolkenfreunde: In Großbritannien zählt die „Cloud Appreciation Society“ immerhin 23500 Mitglieder.

Wolken unterliegen einem ständigen Wandel und sind somit ebenso Symbol für veränderliche Vorgänge in unserem Universum wie langsamer vonstatten gehende Prozesse. Werden Wolken überhaupt genügend gewürdigt?
Wolken unterliegen einem ständigen Wandel und sind somit ebenso Symbol für veränderliche Vorgänge in unserem Universum wie langsamer vonstatten gehende Prozesse. Werden Wolken überhaupt genügend gewürdigt? (Foto: Jenny Downing)

Cloud Appreciation Society“ könnte man etwa mit „Gesellschaft für die Wertschätzung der Wolke“ oder auch etwas salopper als „Verein der Wolkenfreunde“ übersetzen. Weltweit sind nach eigenen Angaben der Vereinigung mehr als 37000 Mitglieder in 110 Ländern registriert. In Deutschland sind es mit 917 deutlich mehr als etwa in den Niederlanden (690) oder in Italien (597). Der Großteil der organisierten Wolkenfans kommt aber aus Großbritannien und den USA.

Das Manifest der Wolkenfreunde

Es gibt sogar ein Wolkenmanifest, das die Leitgedanken der Wolkenfreunde formuliert. Darin heißt es zum Beispiel, dass das Leben unter einem permanent blauen Himmel langweilig wäre, dass Wolken zu Unrecht schlecht dargestellt werden und dass das bewusste Wahrnehmen der Wolken der Seele guttut.

Letzteres kann ich uneingeschränkt bestätigen. Viel zu selten nutze ich die Gelegenheit, die wunderbaren, teils bizarren, teil lustigen, meistens interessanten Formationen ausgiebig zu betrachten. Dabei ist es eine ungemein entspannende Übung, dem Werden und Wandeln am Himmel zuzuschauen und die eigene Fantasie spielen zu lassen.

Auch Wissenschaftler betrachten die Wolkenbildung, allerdings mit anderen Augen als Laien. Meteorologen katalogisieren die Gebilde am Himmel ebenso akribisch wie Biologen Tier- oder Pflanzenarten. Ein weltweites Wolkenverzeichnis führt die Weltorganisation für Meteorologie.

Neue Wolkenart im Wolkenkatalog

Was ist hier zu sehen? Eine neue Wolkenklasse oder von Menschenhand verbreitete "Chemtrails"?
Was ist hier zu sehen? Eine neue Wolkenklasse oder von Menschenhand verbreitete „Chemtrails“? (Foto: art_es_anna / Flickr)

Das professionelle Wolkenbeobachten begann mit dem 19. Jahrhundert. Noch heute basiert der Wolkenkatalog auf den Erkenntnissen von damals. Eine neue Wolkenart wurde zuletzt 1951 ins weltweite Register aufgenommen. So ist es durchaus bemerkenswert, dass die zuständige Weltorganisation für Meteorologie derzeit plant, eine neue Wolkenformation als eigene Art ins Verzeichnis zu nehmen. Wie es sich gehört, trägt sie einen lateinischen Namen: Undulatus asperatus bedeutet so viel wie aufgeraute Wellige.

200 Jahre systematische Wolkenbeobachtung sind vielleicht kein besonders langer Zeitraum. Erstaunlich ist es aber dennoch, dass die Wissenschaftler die genaue Funktion der Wolken offenbar bis heute nicht erfasst haben. Die Bedeutung der Wolken im Zusammenhang mit dem Klimawandel ist alles andere als geklärt. Wie viel Sonnenlicht welche Wolken durchlassen und welchen Einfluss das auf die Klimaentwicklung hat, wird noch erforscht.

Himmelsblick als Entspannungsübung

Wolken beobachten am Meer: Viel zu wenig nehmen wir uns für diese einfache Entspannungsübung Zeit
Wolken beobachten am Meer: Viel zu wenig nehmen wir uns für diese einfache Entspannungsübung Zeit (Foto: Daniel Ramirez)

Wolken haben aber auch Einfluss auf das „persönliche Klima“. Wenn im Sommer die kleinen Schäfchenwolken übers klare Blau huschen, stärkt der Blick nach oben eine leichte und beschwingte Stimmung. Graue Regenwolken, die tagelang den Himmel verhängen, können dagegen ordentlich aufs Gemüt drücken. Doch vielleicht ist auch dem großen Grau noch eine positive Wirkung abzugewinnen. Folgt man den britischen Wolkenfreunden der „Cloud Appreciation Society“, so liegt das Wunder auch in der dunkelsten Formation. Und wenn der Blick ins düstere Himmelsgrau nicht direkt glücklich macht, so hat er doch ein entspannendes Moment. Denn er geht weg vom Alltag hinein in die Weite.

Es hat aber auch ganz praktischen Nutzen, sich ein bisschen näher mit den Wolkenbildern zu beschäftigen. Ob Sturm oder Regen aufzieht, lässt sich nämlich ganz gut ohne Wetter-App erkennen. Wer in und mit der Natur arbeitet, liest den Wetterbericht ganz selbstverständlich von den Wolken ab. Bergführer oder Landwirte etwa heben den Blick zum Himmel, um Regen, Wind und Sonnenschein zu beurteilen, wann die Wolken zu beobachten. Wenn ich möglichst zuverlässig wissen möchte, wann mit einem Unwetter zu rechnen ist, gehe ich zum alten Fischer im Ort.

Quellen:

 

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