Mutation: Vom Homo erectus zur „sitzenden Gesellschaft“

Zwischen Büromitarbeitern und Rollstuhlfahrern ist oft nicht mehr viel Unterschied. Beide verbringen ihr Dasein hauptsächlich in sitzender Position. Dass das auf die Dauer nicht gesund ist, liegt auf der Hand.

Hübsch, aber grausam: Gartenstühle aus Eisen. Foto: Elliott Brown / flickr CC BY 2.0
Hübsch, aber grausam: Gartenstühle aus Eisen. Foto: Elliott Brown / flickr CC BY 2.0

Starre Haltungen sind unnatürlich

Egal, ob man lange stehen oder sitzen muss: der Körper möchte nicht verharren, sondern sich bewegen. Wenn der Körper bereits Unwohlsein und Schmerzen signalisiert, wird jede Minute zur Qual. Gehen fällt wesentlich leichter als Stehen. Die Bandscheiben und die Wirbelkörper werden nur dann entlastet, wenn die Muskulatur tragfähig ist. Daher ist es wichtig, aktiv zu bleiben, damit die Rückenmuskeln nicht erschlaffen. Allzu bequeme Sitzmöbel, in denen man nicht aufrecht sitzen kann, sondern zusammensackt, sind gesundheitsschädlich. Die Wirbelsäule ist mit einem flexiblen Muskelgeflecht verbunden, das Bewegungen in alle Richtungen erlaubt. Wenn wir uns nur noch selten oder einseitig bewegen, werden nicht alle Muskeln aktiviert. Daher sollte man im Alltag jede Chance nutzen, um sich frei zu bewegen und auch untypische Bewegungen auszuführen.

Die Folgen von ungeeigneten Sitzmöbeln

In Kombination mit mangelnder Bewegung muss man mit folgenden Problemen rechnen:

  • Verspannungen
  • Bandscheiben- und Rückenschmerzen
  • Muskelschwund
  • Steife Gelenke (steifer Hals, Mühe beim Bücken und wieder Hochkommen)
  • Verdauungsprobleme
  • Körperliche und geistige Ermüdung
  • Lustlosigkeit und Verstimmung
  • Verringerte Leistungsfähigkeit

Nicht jeder, der keine Rückenschmerzen hat, hat eine gesunde Wirbelsäule. Wie fit die Wirbelsäule tatsächlich ist, macht sich erst bemerkbar, wenn sie komplett beansprucht wird. Zum Beispiel in unwegsamem Gelände. Oder beim Schleppen von Umzugkartons. Oder beim Treppensteigen. Oder bei Arbeiten über Kopf und am Boden (Zimmerdecke ausmalen, Kirschen pflücken, Wäsche aufhängen, Boden schrubben).

Wie sehen gesunde Sitzmöbel aus?

  • Sie sind individuell anpassungsfähig und fördern ein dynamisches Sitzen. Zumindest die Sitzhöhe, die Sitzneigung und die Neigung der Rückenlehne sind verstellbar.
  • Ergonomische Stühle besitzen ein Sitzprofil, das auf den menschlichen Körperbau abgestimmt sind.
  • Stehpulte erlauben das Arbeiten, Leben oder Essen in stehender Haltung. Bartische und Barhocker sind eine passable Alternative für Menschen, die stundenlang vor einem Bildschirm sitzen müssen.
  • Höhenverstellbare Tische lassen verschiedene Arbeitshöhen zu, um beim Arbeiten mehr Abwechslung zu erleben.
  • Balance-Stühle und Move-Stühle verhindern ein Zusammensacken beim Sitzen und fördern Bewegungen in alle Richtungen. Zu dieser Kategorie gehören Sitzbälle, Wippstühle, Schaukelstühle und federnde Stehhocker.
  • Gefederte oder zumindest gepolsterte Sitzflächen entlasten das Kreuzbein und das Steißbein. Im Handel sind orthopädisch geformte Sitzkissen erhältlich, die man auf ebene Sitzflächen auflegen kann.
  • Kniehocker und Kniestühle: Bei dieser Bauart werde die Knie auf einer einer (oder zwei) Extrakissen abgelegt. Um noch mehr Bewegung zu erlauben, sind die Hocker mit Rollen oder Schaukel-Kufen ausgerüstet.
  • Sattelstühle: Sattelsitze sind wie Fahrradsitze geformt, um frühzeitige Ermüdungserscheinungen zu verhindern.

Warum man Stühle nicht online bestellen sollte

Stühle sind beim Einkaufen mit Schuhen zu vergleichen. Man sollte sie unbedingt vorher anprobieren! Das Angebot an alternativen Konstruktionen ist riesig, wenn man sich im Internet umschaut. Aber nicht jede Art von Stuhl ist bei den regionalen Händlern verfügbar. Man findet ergonomische Stühle nicht unbedingt beim Möbeldiskonter, sondern eher in alternativen Läden. Gegebenenfalls kann man das eine oder andere Modell auch bei Freunden ausprobieren.

Worauf es beim Sitzen ankommt

Die Sitzhaltung muss nicht unbedingt „korrekt“ sein. Sie sollte locker sein und maximale Bewegungsfreiheit erlauben. Zusätzlich empfiehlt es sich, häufig aufzustehen und wenigstens kurze Wege zurückzulegen. Es ist nicht sinnvoll, Pausen im selben Stuhl oder stehend an der Kaffee-Bar zu verbringen. Für Menschen, die eine ausschließlich sitzende Tätigkeit ausüben, ist es besser, wenn sie ihr Mittagessen im Gehen einnehmen. Wenn das Wetter nicht allzu unwirtlich ist, bieten sich öffentliche Grünflächen an – oder vielleicht gibt es direkt auf dem Firmengelände Wege, die man als „Auslauf“ benutzen kann. Man kann auch im Stehen oder angelehnt am PC arbeiten. Manche Bürotische sind in Nullkommanichts höhenverstellbar, so dass man mehrmals am Tag die Position wechseln kann.

Weiterführende Infos

Sitzen wie ein Meister

Tipps für gesundes Sitzen

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel wurde von keiner Ärztin geschrieben und ersetzt keine ärztliche Behandlung. Fehler und Irrtümer sind nicht ausgeschlossen.

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Irmgard Brottrager
Über Irmgard Brottrager 718 Artikel
Irmgard Brottrager ist Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur, Fachredakteurin und Fengshuiberaterin in Graz. Sie beschäftigt sich vorzugsweise mit Aufgaben, die mit dem Menschen und seinem Umfeld zu tun haben. Irmgard erreicht ihr unter i.brottrager@everyday-feng-shui.de

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