Offene Küchen: Pro und Contra

Starke Einrichtungstrends gehen oft stark an den wahren Bedürfnissen vorbei. Während die meisten Menschen immer weniger kochen, werden die Küchen immer aufwändiger ausgestattet.

Foto (C) Nick Pateman / flickr CC BY 2.0
Foto (C) Nick Pateman / flickr CC BY 2.0

Es gibt sie wohl noch – die geschlossenen Küchenräume – aber sie werden kaum noch angeboten. Der Megatrend geht seit Jahren in Richtung Wohnküche, ohne Trennung zwischen Kochen, Essen und Wohnen. Ein weiterer Trend ist, dass die Küche alle Stücke spielen soll. So als wäre es normal, viel Zeit in der Küche zu verbringen und sämtliche Garungs- und Zubereitungsvarianten zu benötigen. Die teuren Geräte sind fix eingebaut, so dass sie nicht einfach ausgewechselt werden können, wenn sie ihren Geist aufgeben.

Küchen mit Werkstatt-Charakter

Ganz anders sahen die Küchen in den 1980er-Jahren aus. Damals war ein Werkstatt-Stil angesagt, den vor allem die Luxus-Marke Bulthaup vorexerzierte. Heute sind Küchen von Wohnzimmereinrichtungen kaum zu unterscheiden – wenn es nach den Image-Bildern der Herstellerfirmen geht. In der Praxis sieht es freilich anders aus. Eher unaufgeräumt und chaotisch, wie man es aus Ikea-Katalogen kennt. Ein Blick in eine Profiküche zeigt ein ähnliches Bild. Hier ist alles griffbereit und nichts wird versteckt. Es gibt zwar Laden, aber so gut wie keine Schranktüren. Eine Küche, die in Betrieb ist, kann nicht steril aussehen. Und wann ist sie eigentlich nicht in Betrieb? Außerhalb der Essenszeiten? Wer hält sich heutzutage noch an Essenszeiten?

Offene Küchen gestern und heute

In Großmutters Zeiten war es normal, in der Küche nicht nur zu kochen, sondern auch zu essen. Man fühlte sich in der Küche nicht wohl, weil sie wie ein Wohnzimmer gestaltet war, sondern weil sie eng, warm und heimelig wirkte. Die Optik war nicht ausschlaggebend. Heute haben offene Küchen fast mehr Nachteile als Vorteile.

Foto (C) Chalon Handmade / flickr CC BY 2.0
Foto (C) Chalon Handmade / flickr CC BY 2.0

Die Vorteile

  • Man kann leichter gemeinsam kochen – vor allem wenn genug Arbeitsfläche oder eine Kochinsel vorhanden ist.
  • Man kann während der Zubereitung mit Kindern oder Gästen kommunizieren.
  • Man muss die Speisen nicht weit tragen.
  • Die Kochstelle lässt sich besser überwachen. Es besteht weniger die Gefahr, dass was anbrennt oder überläuft.
  • Geschirr und Zubehör mit Designwert kommen besser zur Geltung.
  • Offene Küchen sind platzsparend und daher auch für Garconnieren und Tiny-Houses geeignet.
  • Man kann zeigen, was man hat.

Die Nachteile

  • Ähnlich wie bei offenen Kleiderschränken, bei denen die Türen fehlen, kommt es ganz darauf an, wie die Einzelteile aussehen und angeordnet sind. Schmutz, Chaos und minderwertiges Design machen keinen guten Eindruck.
  • Man hat keine Ruhe bei der Essenszubereitung, weil Kinder und Gäste für Ablenkungen und zusätzlichen Stress sorgen.
  • Man kann keine Überraschungen vorbereiten und jeder kann in die Küche spazieren, um was zu naschen oder zu stibitzen.
  • Gäste, die nicht wirklich hilfreich sind, stehen im Weg herum.
  • Verschiedene Temperaturanforderungen: Es kann sehr warm werden im Kochbereich, weil in der Küche eigentlich weniger geheizt werden sollte als im Wohnraum.
  • Gerüche und Dämpfe breiten sich ungehindert aus.
  • Kompromisse beim Bodenbelag, um einen großzügigen Eindruck zu erwecken: Holzfußböden sind nicht strapazierfähig genug und Fliesenböden sind wohnlich genug.  
  • Der Esstisch ist selten leer, weil er sich als zusätzliche Arbeitsfläche anbietet.
  • Eine große Wohnküche ist ideal für Familien mit vielen Kindern und Gästen, aber weniger behaglich für Senioren, Singles und Paare.
  • Man hört im ganzen Haus den Kühlschrank brummen.
  • Bei Einladungen dreht sich alles ums Essen.
  • Die meisten Gastgeber/innen sind überfordert und werden nervös, wenn sie eine Koch-Show abziehen sollen.
  • Mehr Aufwand bei der Pflege, weil die Küche ständig sauber aussehen soll.
  • Die Küche ist ständig im Blickfeld, was laut Feng-Shui dazu führen kann, dass man sich gedanklich öfter mit dem Essen beschäftigt, als gesund ist.

Fazit

Man sollte sich von der Werbung nicht beeindrucken lassen, sondern die wahren Bedürfnisse hinterfragen. Entscheidend ist, wo man am liebsten isst. Nicht jeder mag seine Mahlzeiten im Umfeld von Herdplatten, Spülbecken und Gemüseresten zu sich nehmen. Wer es beim Essen und beim Zusammensein mit Gästen lieber wohnlich hat, wird mit einer geschlossenen Küche mehr Freude haben. Auch Rohköstler mit kleinen Haushalten brauchen keine große Studio-Küche. Offene Küchen sind für Familien mit Kindern und regulären Essenszeiten konzipiert, wo öfter mal eine Party abgeht und regelmäßig Gäste zu Besuch kommen.

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Literatur-Übersicht

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