Starker Recycling-Trend: Altholz im Innenraum

Altes Bauholz hat viele Vorzüge und ist begehrter denn je. Es hat sich vollständig akklimatisiert und ist daher formstabil. Außerdem ist jedes Teil ein Unikat und die optische Wirkung ist einfach großartig.

Waschtisch aus Altholz, gesehen in einem Baumarkt in Graz. Foto (C) Irmgard Brottrager
Waschtisch aus Altholz, gesehen in einem Baumarkt in Graz. Foto (C) Irmgard Brottrager

 

Altholz-Produkte sind inzwischen in bei vielen Fachhändlern erhältlich und sogar gut sortiert. Das Material ist nicht günstiger als frisches Holz, denn es wird aus alten Dielen und Balken gewonnen. Diverse Spuren von Nägeln, Schrauben und anderen Holzverbindungen gehören zu jedem echten Abbruchholz dazu. Diese kleinen „Fehler“ machen die Optik so richtig urig, bergen allerdings auch Verletzungsgefahren. Nicht selten sind auch Splitter und Astlöcher vorhanden, an denen man hängenbleiben kann. Wurmlöcher sind weniger gefährlich, sofern sie nicht mehr „bewohnt“ sind. Je weniger glatt die Oberfläche ist, umso schwieriger ist die Reinigung.

 

Was macht das gebrauchte Holz so originell?

Die Teile sind handverlesen und werden meist händisch aufbereitet, bevor sie verarbeitet werden können. Das Holz ist nicht nur als Rohware erhältlich, sondern auch in Form von einschichtig verleimten Platten, Dreischichtplatten, Tischplatten, Türplatten, Bodendielen, Wand- und Deckenpaneelen. Jedes Stück besitzt eine Patina, die möglichst erhalten werden möchte. Rohe Bauteile bestehen aus alten Brettern, Deckenbalken, Blockwand-Balken und Dachsparren. Wer nur die Oberfläche aus Altholz haben möchte, kann Altholz-Furniere verwenden, die nicht nur alt aussehen, sondern tatsächlich von alten Holzbaustoffen stammen. Hier kann man zwischen „astig“, „wurmig“, „rissig“, „sonnenverbrannt“, „handgehackt“ und „rustikal“ wählen. Sogar für Kunden, die auf „Piercings“ stehen, gibt es ein Angebot in Form von Altholz, in dem noch Nägel und Klammern stecken.

Verschiedene Altholz-Muster, gesehen bei einem Holzhändler in Graz. Foto (C) Irmgard Brottrager
Verschiedene Altholz-Muster, gesehen bei einem Holzhändler in Graz. Foto (C) Irmgard Brottrager

 

Achtung Imitationen!

Nicht alles, was verwittert aussieht, ist wirklich ein altes Original. Weil es einfacher ist, neues Holz auf alt zu trimmen, sind auch viele Fake-Produkte im Handel. Der Altholz-Look wird gerne nachgeahmt und industriell hergestellt. Es gibt sogar spezielle Lacke mit „Almhütten-Effekt“, „Kalkweiß-Effekt“ und anderen Altholz-Effekten.

 

Ökologische Vorteile

Für Produkte aus Altholz müssen keine Bäume gefällt werden. Das Material ist in großen Mengen vorhanden, wenn man es konsequent nutzt und aufbereitet. Was die Qualität betrifft, ist das Angebot sehr unterschiedlich. Das Material kann sehr hochwertig und dauerhaft sein, aber auch sehr minderwertig und kurzlebig. Um einen nachhaltigen Effekt zu erzielen, ist die Verwendung von Abfallhölzern, die nur noch für einen Mode-Gag gut sind, zu vermeiden. Es ist schade um den Energieaufwand, wenn der Baustoff in zwei Jahren wieder ausgetauscht werden muss. Solange es sich um Eigenschaften handelt, die üblicherweise für Schönheitsfehler gehalten werden, ist die Lebensdauer nicht beeinträchtigt. Sonnenverbrannte und unregelmäßig verwitterte Bretter können zum Beispiel von alten Scheunen stammen. Die Muster und Oberflächen-Reliefs, die im Laufe der Jahre entstanden sind, besitzen ihren ganz eigenen Charme.

 

Künstlerisch verfeinerte Oberflächen

Einige Holzhändler bieten nicht nur relativ grobe Ware an, sondern aus dem alten Holz lassen sich diverse Effekte herausholen durch Bürsten, Hobeln, Dämpfen, Schleifen, Fräsen, farbige Fugenkitte, Ölen und Beizen. Aus dem Zusammenspiel von Farbtönen und Strukturen können wahre Kunstwerke entstehen, die man sich eingerahmt an die Wand hängen könnte.

 

Möbel aus alten Holzkisten und Paletten

Ein Altholz-Werkstoff, der die Phantasie besonders anregt, sind gebrauchte Euro-Paletten. Sie eignen sich besonders für die Konstruktion von Sofas, Betten und Regalen. Aber auch alte Obstkisten sind ein tolles Fertigprodukt, aus denen sich im Handumdrehen Regale, Tische und Hocker zusammenstellen lassen. Aufwändigere Konstruktionen, für die das übliche Heimwerker-Werkzeug nicht ausreicht, kann man vom Schreiner beziehungsweise Tischler anfertigen lassen. Wie heißt es doch so schön: „Ihr Tischler macht´s persönlich“. DIY-Anhänger basteln Betthäupter aus alten Holztüren, Garderoben aus Abriss-Brettern und Bilderrahmen aus wurmstichigen Bohlen. Der rustikale Look passt auch gut in Gaststätten, um in Kombination mit unverputztem Mauerwerk und diversen Antiquitäten ein nostalgisches Ambiente zu erzeugen. Übertreiben sollte man den Retro-Stil allerdings nicht, wenn er modern aussehen soll. Auf wenige Teile reduziert und in Kombination mit ganz schlichten Oberflächen wirken die rauen Inszenierungen am stärksten.

 

 

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Literatur-Übersicht

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