Auguste Deter – das weltweit erste Elektrosmog-Opfer?

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Elektrosmog und der rapide zunehmenden Zahl an Alzheimer-Erkrankungen? Aktuelle Forschungsergebnisse von Schweizer Wissenschaftlern legen diese Vermutung nahe. Argumente für diese These liefert aber auch die Krankheitsgeschichte von Auguste Deter, des weltweit ersten medizinisch dokumentierten Falls von Alzheimer.

Auguste Deter
Auguste Deter

Als erster medizinisch dokumentierter Fall einer Alzheimer-Erkrankung erlangte Auguste Deter am 3. November 1906 auf einer Ärzte-Fachtagung in Tübingen traurige Berühmtheit. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits im frühen Alter von 55 Jahren verstorben. Der Neuropathologe Alois Alzheimer, nach dem die Krankheit später benannt wurde, beschrieb seiner verblüfften Kollegenschaft auf dem Kongress erstmals den auffälligen Krankheitsverlauf seiner Patientin und stellte seinen Befund der mikroskopischen Untersuchung des Gehirns von Auguste Deter vor. Dieser zeigte flächenweise zu Grunde gegangene Nervenzellen und Eiweißablagerungen in der gesamten Hirnrinde.

Über die Ursachen von Alzheimer herrscht Uneinigkeit

Über die Ursachen der Erkrankung weiß man bis heute recht wenig. Unter Wissenschaftlern diskutiert wird eine Kombination aus genetischer Veranlagung und „noch nicht näher bekannten Umweltfaktoren“. Fakt ist jedoch, dass die Zahl der Alzheimer-Fälle in den letzten Jahren rapide zugenommen hat, wofür vor allem die gestiegene Lebenserwartung verantwortlich gemacht wird.

Mediziner wie Dr. Leaf Alexander, Professor der Klinischen Medizin an der Harvard Universität und Leiter der Medizinischen Dienste des Massachusetts General Hospital, widersprechen allerdings dieser Auffassung, da die Alzheimer-Krankheit bei Naturvölkern beispielsweise so gut wie überhaupt nicht auftritt und in den Industrieländern zunehmend immer jüngere Menschen an Alzheimer erkranken.

Der Zusammenhang zwischen Alzheimer und Elektrosmog

Einen Anhaltspunkt für die Ursachen von Alzheimer ergab eine aktuelle Studie von Prof. Martin Röösli, Leiter des Bereiches Umweltepidemiologie und Risikoabschätzung im Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH). Die Ergebnisse dieser Studie stellte der Schweizer Elektrosmog-Experte erstmals auf der „International Conference on Environmental Epidemiology & Exposure“ (ISEE/ISEA) im Jahre 2006 vor.

Video-Beitrag über eine aktuelle Studie von Prof. Martin Röösli, in der ein Zusammenhang zwischen Elektrosmog und Alzheimer hergestellt wird
Video-Beitrag über eine aktuelle Studie von Prof. Martin Röösli, in der ein Zusammenhang zwischen Elektrosmog und Alzheimer hergestellt wird

Röösli hatte medizinische Daten von 2000 Schweizer Bahnangestellten untersucht, die durch ihren Beruf überdurchschnittlich oft starken elektromagnetischen Feldern ausgesetzt waren, wie sie etwa durch Bahnstrom-Oberleitungen und Elektromotoren von E-Loks entstehen. Dabei zeigten insbesondere die Lokführer ein dreimal höheres Risiko an Alzheimer zu erkranken als der Bevölkerungsdurchschnitt. Das überraschende Ergebnis der Studie war ein Zufallsbefund, da man eigentlich nach einem Zusammenhang zwischen Elektrosmog und der Entstehung von Krebs gesucht hatte.

Hinweise aus der Biografie Auguste Deters

Argumente für den von Professor Röösli entdeckten Zusammenhang zwischen Alzheimer und Elektrosmog kommen nun ausgerechnet von der biografischen Anamnese (= Krankheitsgeschichte) der vor über 100 Jahren verstorbenen Auguste Deter. Elektrosmog dürfte um 1900 noch nicht die große Rolle als Krankheitsursache gespielt haben, mag man meinen. Im Falle von Auguste Deter verhält es sich aber so, dass ihr Mann, Karl Deter, „Eisenbahnkanzlist“ in einer der ersten kommerziellen elektrischen Straßenbahnen in Deutschland war.

Die Trambahn-Strecke, auf der Karl Deter unterwegs war, gehörte der Frankfurt-Offenbacher Trambahn-Gesellschaft. Sie wurde am 14. Februar 1884 in Betrieb genommen und war die zweite Straßenbahn mit einer Oberleitung in Deutschland. Als Bahnangestellter war Karl Deter Beamter und wurde vermutlich, wie seinerzeit üblich, in eigens für Bahnmitarbeiter zur Verfügung gestellten Wohnhäusern untergebracht. Diese befanden sich in der Regel in Bahnhofsnähe oder auf Grundstücken, die im Zuge des Gleisbaus von der Bahn erworben und somit jeweils in Bahnstreckennähe waren.

Linienplan der Frankfurt-Offenbacher Trambahn-Gesellschaft aus dem Jahre 1885
Linienplan der Frankfurt-Offenbacher Trambahn-Gesellschaft aus dem Jahre 1885

Die Vermutung liegt nahe, dass Auguste Deter entweder in ihrem Wohnhaus oder durch die priviligierte Möglichkeit, als Frau eines Bahnangestellten kostenlos mit der elektrischen Eisenbahn zu fahren, schon damals verstärkt elektromagnetischen Feldern ausgesetzt war, die schließlich zu ihrer Alzheimer-Erkrankung geführt haben. Somit wäre Auguste Deter nicht nur der erste medizinisch beschriebene Fall von Alzheimer, sondern zugleich das erste dokumentierte Elektrosmog-Opfer.

Zur Untermauerung dieser These bedarf es weiterer wissenschaftlicher Untersuchungen der Zusammenhänge von Elektrosmog und Alzheimer. Es dürfte jedoch niemanden überraschen, wenn wir weiterhin empfehlen, auf die Vermeidung von Elektrosmog im eigenen Haushalt unbedingt Wert zu legen. Auch wenn elektromagnetische Felder, die in der Wohnung auftreten, deutlich schwächer sind als die von Hochspannungsleitungen der Bahn.

www.everyday-feng-shui.de

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Long Wang
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Meister Long Wang ist seit 2007 Teil des Everyday Feng Shui Redaktionsteams und bereichert seither als Experte für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) mit seiner fernöstlichen Perspektive auf die Welt unsere Plattform. Zu erreichen ist er unter l.wang@everyday-feng-shui.de

3 Kommentare

  1. @Spatenpauli

    Bitte genau lesen. Die gestiegene Lebenserwartung haben wir als Erklärung in unserem Artikel explizit ausgeschlossen und uns dabei auf Dr. Leaf Alexander berufen:

    „Mediziner wie Dr. Leaf Alexander, Professor der Klinischen Medizin an der Harvard Universität und Leiter der Medizinischen Dienste des Massachusetts General Hospital, widersprechen allerdings dieser Auffassung, da die Alzheimer-Krankheit bei Naturvölkern beispielsweise so gut wie überhaupt nicht auftritt und in den Industrieländern zunehmend immer jüngere Menschen an Alzheimer erkranken.“

    Elektrosmog ist keine künstliche Krücke, sondern ein gesundheitsschädlicher Umwelteinfluss, der nachgewiesenermaßen genetische Veränderungen hervorrufen kann und als verdächtig gilt, an der Entstehung vieler weiterer „Zivilisationskrankheiten“ beteiligt zu sein. So lange diese Annahme nicht explit in unabhängigen medizinischen Langzeitstudien widerlegt wird, werden wir weiter vor den möglichen Gefahren von Elektrosmog warnen.

    Beste Grüße aus Berlin
    Long Wang

  2. Nette Geschichte!

    Nur hat der Autor leider völlig die plausible Erklärung für die „rapide zunehmende Zahl an Alzheimer-Erkrankungen“ übersehen. Infolge längerer Lebenserwartung überaltert unsere Gesellschaft, die Anzahl der Alzheimer-Patienten nimmt schon allein deshalb so stark zu, weil die Krankheit eine Alterskrankheit ist. Da muss kein künstliche Krücke wie „Elektrosmog“ als Erklärungsmodell herhalten.

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