Der amerikanische Landhausstil: Was zeichnet ihn aus?

In Zeiten knapper Ressourcen und teurer Energiekosten hat es der amerikanische Landhausstil nicht leicht, denn hier fällt alles eine Nummer größer aus: Von der Raumhöhe, über das Mobiliar bis hin zum Kühlschrank. Freiheit und Großzügigkeit kennzeichnen nicht nur das Wohnen, sondern das amerikanische Lebensgefühl schlechthin.

Architektur im Stil eines amerikanischen Landhauses, Vicksburg, Mississippi
Architektur im Stil eines amerikanischen Landhauses, Vicksburg, Mississippi (Foto: Ken Lund)

Es verwundert dennoch kaum, dass der amerikanische Lebensstil vielen Menschen weltweit als der Maßstab für Lebensqualität überhaupt gilt. Der Traum von einem riesigen, luxuriös eingerichteten Haus im Stil eines amerikanischen Landhauses wurde nicht zuletzt durch Hollywood-Filme bis in den letzten Winkel der Welt exportiert. Großzügige Architekturen und Raum für die Umsetzung gestalterischer Ideen sind eine gute Voraussetzung für die Umsetzung individueller Wohnbedürfnisse. Mit anderen Worten: Feng Shui lässt sich sehr gut mit dem amerikanischen Landhausstil vereinbaren und trägt nicht zuletzt deshalb zur großen Beliebtheit unter Interior Designern und Innarchitekten bei.

Das führt uns zu der Frage: Was sind eigentlich die typischen Merkmale des amerikanischen Landhausstils?

Architektonische Merkmale

  • pragmatische Architekturen überwiegen
  • Holz dominiert als Material, häufig weiß oder taubenblau übertüncht
  • auch moderne Häuser besitzen häufig Holzfassade mit Querlattung
  • asymmetrische Hausformen mit Spitzdach
  • überdachte Eingangsveranda (Front Porch)
  • weitläufige Räume und Flächen
  • enorme Raumhöhe, helle Balken und Fensterrahmen
  • Sprossenfenster, die sich nach oben öffnen lassen
  • häufig Einheit aus Flur, Küche und Wohnraum
  • große Garage(n) direkt am oder im Haus
  • weitläufiges Grundstück mit Garten und großzügiger Zufahrt

Merkmale der Inneneinrichtung

  • Freiheit als typisch amerikanisches Lebensgefühl
  • zweckdienliches Interieur: aber gerne eine Nummer größer
  • Shaker-Möbel aus Pinie, Ahorn oder Nussbaum
  • riesige Einbauschränke ebenfalls aus regional vorkommenden Hölzern
  • Quilts, Patchwork, karierte oder gestreifte Heimtextilien
  • Kissen jeglicher Art als Dekorationselemente
  • Schaukelstuhl oder Hollywood-Schaukel
  • üppige Polstermöbel in weißer Farbe oder gestreift
  • dekorativ platzierte Werkzeuge oder Waffen
  • Patriotismus: den Nationalfarben begegnet man überall
  • prominent aufgehängte Staatsflagge
  • Kühlschrank als Statussymbol
  • großer Kamin im Wohnzimmer
  • Tapete mit floralen Elementen oder Blumenranken

Ganz allgemein verbindet der Landhausstil Traditionelles mit Modernem, überbrückt ganze Jahrhunderte und fügt verschiedene Stilelemente zu einem harmonischen Ganzen. Unwillkürlich – keineswegs immer beabsichtigt oder auch nur bewusst wahrgenommen – entsteht eine Aussage über befürwortete Werte.

 "The Money Look": Traditionelles amerikanisches Wohnzimmer mit kolonialen Elementen
„The Money Look“: Traditionelles amerikanisches Wohnzimmer mit kolonialen Elementen
(Foto: Christopher Barson)

Besonders eindrücklich ist diese Entwicklung im Amerikanischen Landhausstil nachzuvollziehen. Das junge Staatengebilde hat seine ersten Einrichtungsideen dem England des 18. Jahrhunderts zu verdanken. So nimmt es nicht Wunder, dass Amerikanischer und Englischer Landhausstil einige Gemeinsamkeiten aufweisen. Die Romantisierung bäuerlichen Lebens, wie sie wohlhabende Briten dem Interieur ihrer Landsitze gerne angedeihen ließen, konnte im frühen Amerika freilich nicht greifen.

Zuwanderer waren in der Regel arme Leute, deren gesamte Ersparnisse in Überfahrt und Neuansiedlung flossen. Möbel hatten deshalb preiswert und zweckdienlich zu sein. Neue Stücke, die aus regional vorhandenen Hölzern gefertigt wurden, waren zumeist einfach und robust; erst im 19. Jahrhundert hielt mit dem Historismus das betont Dekorative Einzug in die Wohnkultur. Tuchmanufakturen existierten anfangs gar nicht. So waren Stoffe ein teures Gut, das nur begrenzt zur Verfügung stand. Not in eine Tugend wandelnd, wurden aus zerschlissenen Kleidungsstücken Quilts genäht – jene Decken, die noch heute als typisch amerikanisch gelten. Im Laufe der Jahrhunderte erblühte das Quiltnähen zur Kunst, deren erstaunliche Werke The National Quilt Museum (Paducah, Kentucky) präsentiert.

Modernes Wohnzimmer in einem amerikanischen Landhaus, traditionell eingerichtet
Modernes Wohnzimmer in einem amerikanischen Landhaus, traditionell eingerichtet
(Foto: Christopher Barson)

Als die Zahl der Einwanderer aus anderen Ländern stieg, kamen neue Einflüsse hinzu, größtenteils vom europäischen Festland sowie aus Irland. Kulturelle, religiöse und durchaus auch politische Gegebenheiten wirkten sich nicht zuletzt auf das Meublement aus – sofern man es sich denn leisten konnte. Enthaltsam lebende Glaubensgemeinschaften schufen ihre spezielle Kultur, die nichts anderem vergleichbar war. Einzigartige Ergebnisse einer religiös motivierten Interpretation des Lebensraums sind im Hancock Shaker Village (Hancock, Massachusetts) sowie im Canterbury Shaker Village (Canterbury, New Hampshire) zu besichtigen. Die Shaker haben im 19. Jahrhundert sowohl aus dem englischen Stick-Back ein noch unkomplizierteres Möbel entwickelt als auch den amerikanischen Schaukelstuhl erfunden. Ihre funktionalen, zeitlos anmutenden Möbel und Gebrauchsgegenstände finden sich – zumeist als Nachbauten – unfehlbar im Amerikanischen Landhausstil wieder. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal amerikanischer Prägung sind Anklänge an die Pionier- und Goldgräberzeit, beispielsweise durch dekorativ platzierte Werkzeuge oder Waffen.

Nationalbewusstsein als stilprägendes Element

Die ländlich inspirierte Wohnkultur in den USA unterliegt, wie jeder andere Landhausstil, permanenter Veränderung. Nirgends anders als hier jedoch findet das Nationalbewusstsein – und zwar im Sinne der Staatsbürgerschaft, nicht vorrangig in Berufung auf kulturelle Identität – solchen Widerhall in der Einrichtung des eigenen Heims.

"Typisch" amerikanischer Kühlschrank als zentraler Fokuspunkt in einer großräumigen Wohnküche
„Typisch“ amerikanischer Kühlschrank als zentraler Fokuspunkt in einer großräumigen Wohnküche (Foto: Thomas Lillis IV)

Flur, Küche und Wohnraum bilden nicht selten eine allenfalls optisch unterteilte Einheit. Die Räume sind in Weiß, Beige oder in sehr lichten Naturtönen gehalten. Holzkonstruktionen dürfen sichtbar sein, wenngleich sie gerne übertüncht werden, um Zimmer weitläufiger und heller wirken zu lassen. Großformatige Polstermöbel bilden einen unverzichtbaren Bestandteil amerikanischen Wohnens. Ländliches Flair verleihen ihnen Quilts, Patchwork, karierte oder gestreifte Heimtextilien. Insbesondere Kissen werden als Gestaltungselemente eingesetzt, die zugleich der Bequemlichkeit dienen. Welche Farben gewählt werden, hängt vom persönlichen Geschmack ab, recht häufig sind es die Nationalfarben. Echte oder scheinbare Antiquitäten vollenden ein Land-Ambiente, das sich mal schlicht, mal verspielt, bisweilen fast kolonial üppig oder wildwestlich urwüchsig zeigt. Die Vielfalt ist, neben seiner Großzügigkeit, das vielleicht charakteristischste Merkmal des Amerikanischen Landhausstils.

Der amerikanische Garten – ein Naturgarten

Zu einem echten amerikanischen Haus im Landhausstil gehört ein „amerikanischer Garten“. Dieser unterscheidet sich allerdings kaum von den Aussichten auf eine natürliche Landschaft und orientiert sich an den großflächigen Naturgärten in Neu England. Amerikanische Gärten sind pflegeleicht und bestehen zu großen Teilen aus Rasen, der im Sommer als Ort der Erholung für die ganze Familie oder dem Veranstalten von üppigen Grillfesten (Barbecue) dient. Die Bepflanzung besteht vornehmlich aus der örtlichen Flora. Tipp: Lasst euch unbedingt beraten, was in eurer Region gut wächst. Wir haben hier beispielsweise gute Erfahrungen gemacht, was die Auswahl an Graspflanzen und geeigneter Gehölze betrifft. Bei den Gartencentern vor Ort muss man erfahrungsgemäß ein wenig Glück haben, kompetente Beratung zu bekommen.

Amerikanischer "Back Yard": ein pflegeleichter Naturgarten mit schattigen Bäumen und Platz für die nächste Barbecue Party
Amerikanischer „Back Yard“: ein pflegeleichter Naturgarten mit schattigen Bäumen und Platz für die nächste Barbecue Party (Foto: Steve Brand)

Wenn ihr weitere Fragen oder Anregungen habt – schreibt uns!

www.everyday-feng-shui.de

Weitere Quellen:

www.livingathome.de – Das lieben die Amerikaner
www.doit-tv.de – Das amerikanische Landhaus
immobilien.excite.de – Der amerikanische Wohnstil: Home sweet home

2 Kommentare

  1. Hallo,
    könntet Ihr mir bitte sagen was für eine blau grau Farbe für das obere Wohnzimmer verwendet wurde? Und wo ich diese besorgen kann?
    Vielen dank

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