Französisch Wohnen: Der französische Landhausstil

Französisch wohnen und einrichten gehört zu den beliebtesten Wohnstilen in Deutschland. Der französische Landhausstil nimmt dabei eine Sonderstellung ein. Wir zeigen euch, was diesen Einrichtungsstil auszeichnet und wie ihr eure Wohnung traditionell französisch gestalten könnt.

Der Charme des Unperfekten: Französisches Landhaus in Aude, Languedoc-Roussillon, Südfrankreich
Der Charme des Unperfekten: Französisches Landhaus in Aude, Languedoc-Roussillon, Südfrankreich (Foto: Vicki Burton)

In kaum einer anderen ländlichen Gegend in Europa beziehen die Bewohner die natürliche Umgebung in Architektur und Interieur ihrer Landhäuser so sehr mit ein wie in Frankreich. Für den französischen Landhausstil gilt somit in besonderem Maße die Vereinbarkeit von lokalen Gestaltungstraditionen mit fernöstlichen Feng Shui Prinzipien. Doch was genau zeichnet den französischen Landhausstil eigentlich aus und was macht ihn zu einem der beliebtesten Wohnstile in Deutschland?

Architektonische Merkmale

  • unverputzte Naturstein- oder Ziegelwände
  • offene Träger und Deckenbalken
  • Stein- und Fliesenböden
  • bodentiefe Fenster
  • Fensterläden in dezentem Farbton
  • schmiedeeiserne Zäune, Geländer und Gartentore

Merkmale der Inneneinrichtung

  • Kombinationen: modernes Design mit historischen Möbeln
  • massive Holzmöbel (z.B. aus Pinienholz)
  • Barocke Sessel mit Leinenüberzug (Bergère)
  • schmiedeeiserne Lüster
  • urige Atmosphäre: feudales Ambiente und Bequemlichkeit
  • Formen und Materialien spielen größere Rolle als Farben
  • exquisite Tischkultur
  • Silberbesteck mit schlichten weißen Tellern
  • Kunstvoll verzierte Spiegel
  • Violette als Farbe der Provence
  • Sammlung hochwertiger Weine

Was zeichnet den Französischen Landhausstil aus?

Der Französische Landhausstil vereint, neben der urigen Atmosphäre eines jeden Landhausstils, modernes Design mit historischen französischen Möbeln oder deren Nachahmern. Markant ist die sichtbare Bauweise mit ihren unverputzten Feldstein- oder Ziegelwänden sowie offenen Trägern und Deckenbalken. Franzosen beziehen Umgebung und Architektur in das Interieur ihrer Landhäuser ein: Landstrich, Bauart, farbliche Gestaltung und Möblierung bilden eine Einheit – maßgeblich sind die örtlichen Gegebenheiten. Je nachdem, wo sich das Häuschen oder der Landsitz befindet, kann das Gepräge beispielsweise mediterran oder maritim sein.

Traditionelles französisches Landhaus-Interieur in Talasani Village
Traditionelles französisches Landhaus-Interieur in Talasani Village (Foto: Toprural)

Zum mediterranen Flair tragen sowohl Wandfarben in natürlichen Tönen bei als auch Stein- und Fliesenböden sowie massive Holzmöbel, zum Beispiel aus Pinie. Je dunkler die Wandfarben, desto heller sind Möbel und Wohntextilien gehalten. Schmiedeeiserne Möbel und Amphorengestelle werden gelegentlich als Einzelstücke eingesetzt, gebräuchlicher sind schmiedeeiserne Lüster. Maritimes oder anderweitig ländliches Ambiente entsteht ebenfalls durch die Einbeziehung natürlicher und architektonischer Gegebenheiten. An der Küste bietet es sich beispielsweise an, nach Treibholz Ausschau zu halten, um daraus ein individuelles Möbel zu fertigen. Dieses Lieblingsstück erhält den ihm gebührenden Ehrenplatz, den in einem großen Gut in der Provence vielleicht eine Bergère aus dem Jahr 1780 einnimmt.

Ob die Atmosphäre ausschließlich durch Farbgebung und die Wahl passender Materialien geschaffen wird oder ob bewusst Kontraste durch Neues und Historisches gesetzt werden, ist lediglich eine Frage des persönlichen Geschmacks und der Finanzen. Aus der Epoche Louis XVI. sind genug Möbel erhalten, um dem Gut oder dem Gehöft ein feudales Ambiente zu verleihen. Solche echten oder exquisit nachgebauten Möbel werden entweder in einem größeren Raum gruppiert oder – als Einzelstücke – mit einem Ehrenplatz bedacht. Sie brechen das Erdige des bäuerlichen Innenraums und zeigen die Lust am Widersprüchlichen. Kombiniert wird beinahe willkürlich: Louis XVI. mit Moderne, Üppiges mit Minimalistischem – gespielt wird eher mit Formen und Materialien als mit Farben.

Beispiel: Villa im französischen Landhausstil

Teppiche und Kissen, wie Wohntextilien überhaupt, werden relativ sparsam eingesetzt, es sei denn als Kontrast zu schlichten Möbeln oder auf anderenfalls unkomfortablen Holzbänken. Ein Sessel wird also keinesfalls mit zusätzlichen Kissen beladen, wenn sie die Bequemlichkeit nicht steigern, sondern nur die Anmutung dieses speziellen Sessels stören würden. Man wählt Möbel nicht, um sie zu dekorieren, sondern weil man sie an sich schön findet. Dasselbe gilt für Teppiche: Wo es nötig ist, erhöhen sie den Komfort, ohne jedoch den historischen Stein- oder Fliesenboden großflächig zu verdecken. Nicht wegzudenken sind allerdings die Toile-de-Jouy, fest gewebte Baumwollstoffe, die ab dem 18. Jahrhundert unerlässliche Deko in französischen Salons waren. Sie sorgen als Tapete, Polsterbezug oder schöne Gardinen für das richtige Ambiente im Stil eines französischen Landhauses. Eine weitere Ausnahme von der Regel, nicht zu viele Stoffe zu verwenden, ist die allen Sinnen Vergnügen bietende Tischkultur. Hier ist Großzügigkeit erwünscht, allerdings immer dem Ort gemäß: In einer Fischerhütte ist die Tischdecke eher ein grobes Stück Leinen als ein lavendelfarbenes Tischtuch mit Lochstickerei und Blümchenmuster.

Tisch- und Esskultur spielen in Frankreich eine große Rolle
Tisch- und Esskultur spielen in Frankreich eine große Rolle (Foto: Toprural)

Für die französische Lebensart ist die Freude am Annehmlichen essenziell; Genussfähigkeit ist eine der charakteristischsten Komponenten der uns benachbarten Kultur. Demzufolge ist es sowohl Bequemlichkeit als auch Gastlichkeit geschuldet, wenn in einem Zimmer ein Sessel „zu viel“ steht – immerhin könnten jederzeit liebe Freunde zu Besuch erscheinen.

www.everyday-feng-shui.de

Weitere Quellen:

www.zuhause.de – Landhausstil auf französische Art
www.lohr-landhausmoebel.de – Möbel im eleganten Landhausstil
www.livingathome.de – Französischier Wohnstil

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