Feng Shui – Ruhe beim Essen macht schlank

Letzte Woche erlebte ich drei unvergessliche Tage. Ich war im Kloster, doch nicht alleine, sondern mit siebzehn Teilnehmern meines Seminars für Feng Shui Berater. Wir haben gemeinsam spüren und erleben dürfen, wie sich Ruhe wirklich anfühlt. Am stärksten hat uns die Ruhe beim Essen beeindruckt.

 

Es kommt nicht nur darauf an, was wir essen, sondern auch wie und in welcher Umgebung wir Essen. Foto: © Hedwig Seipel
Es kommt nicht nur darauf an, was wir essen, sondern auch wie und in welcher Umgebung wir Essen. Foto: © Hedwig Seipel

 

Über das Kloster „Buddhas Weg“ habe ich bereits im Frühjahr berichtet, als ich die ungewöhnliche Einrichtung im Odenwald entdeckt habe. Damals beschloss ich spontan ein Seminar dort zu veranstalten. Bereits die Organisation und Vorbereitung haben mir deutlich gezeigt, dass ich es nicht mit einem gewöhnlichem Business-Seminarhotel zu tun habe. Obwohl ich auf die gewöhnliche Routine, Schnelligkeit und eine professionelle Abwicklung meiner Buchungsanfragen verzichten musste, klappte am Ende alles wunderbar und es begegnete mir stets ehrliche Hilfsbereitschaft und ein liebevoller Umgang.

Doch am stärksten erlebte ich mit meinen Teilnehmern die innere Ruhe beim Essen.

Etwa 10 Minuten vor Beginn der Essensausgabe (Frühstück um 8:00 Uhr, Mittag um 12:00 Uhr, Abendessen um 18:00 Uhr) ertönte angenehmes Glockengeläut, das uns daran erinnerte, den Speisesaal aufzusuchen. Das Buffet war reichlich bestückt, alles vegetarisch und frisch zubereitet. Pünktlich zum Beginn der Mahlzeit klopfte ein Mönch sanft auf eine Klangschale und gab damit das Signal zum Schweigen. Ein kurzes Gebet in Form eines Mantras segnete das Essen. Die folgenden 15 Minuten verbrachten alle Gäste schweigend auf das Essen konzentriert. Bei der ersten Mahlzeit fühlte ich mich irgendwie befremdet. Die gewohnte Unterhaltung und der nette Smalltalk mit den Tischnachbarn blieben aus. Dies kam mir zuerst fast unhöflich vor. Doch nach wenigen Minuten merkte ich, welche Wohltat das Schweigen mit sich brachte. Ich aß langsamer, achtsamer und nahm sehr deutlich wahr, wie die Speisen wirklich schmeckten. Als nach der Viertelstunde wieder die Klangschale ertönte und das Schweigen aufgehoben wurde, merkte ich, dass alle Gäste zuerst sehr leise und vorsichtig mit der Unterhaltung begonnen haben.

Im Seminar fragte ich die Teilnehmer, wie sie das Ritual empfunden hätten. Die Meinung war einstimmig: Es war eine Wohltat für Herz und Magen!

Interessanterweise blieben kleine Wehwehchen, die ich manchmal nach dem Essen habe (ich ernähre mich auch ansonsten vegetarisch), wie Völlegefühl oder Bauchbrummen, komplett weg. Ich fühlte mich einfach satt und glücklich.

Im Feng Shui gilt Essen als eine Yin-Tätigkeit, die in einem Yin-Raum stattfinden soll. Leider halten wir uns nicht daran und nutzen die Mahlzeiten vor allem zur Unterhaltung und zu Besprechung der laufenden Angelegenheiten. Die damit verbundene Aktivität ist Yang orientiert und stört die Nahrungsaufnahme. Wir essen viel zu schnell, unachtsam und verschlingen dadurch mehr Nahrung, als wir tatsächlich brauchen. Das macht sich durch Speckgürtel und Hängebauch sehr schnell bemerkbar. Deshalb kommt es nicht nur darauf an, was wir essen, sondern auch wie wir das tun. Essen sollte einen hohen Stellenwert in unserem Tagesablauf haben und nicht nebenbei erledigt werden. Essen wir zu schnell, unachtsam und zu viel auf einmal, signalisieren wir dem Körper, dass bald eine Hungerperiode kommen kann und deshalb die ganze Energie, die wir aufgenommen haben, gespeichert werden sollte. Die Leber hat viel zu tun und die Fettschicht auf den Hüften nimmt stetig zu.

Die Einrichtung der Räume, in denen wir Essen, leistet ebenfalls ihren Beitrag zur Verdauung. Ist der Raum zu stark Yang-eingerichtet (zum Beispiel durch zu viele Farben, Dekorationen, Gegenstände und unruhige Formen), dann fühlen wir uns automatisch gehetzt beim Essen. Der Speiseraum im Kloster war zurückhaltend aber geschmackvoll dekoriert, stets sehr sauber und zweckmäßig eingerichtet.

Schon am zweiten Tag bedauerten wir, dass beim Abendessen keine Schweigepflicht bestand. Die Mönche essen in der Regel nur zweimal am Tag, sodass abends fast nur Gäste im Speiseraum waren. Deshalb hat man leider auf das Ritual verzichtet. Ich denke, wenn wir noch länger im Kloster geblieben wären, dann hätten wir uns völlig freiwillig an das Ritual gehalten, denn es tat einfach nur gut.

Sicher kann man diese Verhaltensweise problemlos auch zu Hause einführen. Doch nach der Rückkehr merkte ich sehr schnell, wie schwer es eigentlich ist, achtsam zu sein und sich an die einfachsten Regeln des Lebens zu halten. Ich hoffe, es gelingt mir bald, auch zu Hause das Schweigen beim Essen wieder einzuführen. Meine Oma hast immer gesagt: Setzt Dich, esse und rede nicht so viel! Sie hatte ja so Recht.

Mit völlig entspannten Grüßen,

Hedwig Seipel

www.fengshui-classic.de

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