Glücksunterricht: Das Glück auf der Schulbank

Wenn es um das Glück geht, dann wird es meistens gesucht, verfolgt, manchmal gefunden, oft wieder verloren. Doch das Glück kann auch erlernt werden. In Deutschland und Österreich gibt es sogar an einigen Schulen das Unterrichtsfach Glück.

Mehr glückliche Schüler wollen wir sehen!
Mehr glückliche Schüler wollen wir sehen! (Foto: db Photography | Demi-Brooke)

Was für eine schöne Idee, den Weg zum Glück in der Schule anzulegen! Allerdings dürfte das Vorhaben auch auf Kritik stoßen. Denn schließlich gibt es ohnehin schon genug Stress in der Schule. Ein zusätzliches Unterrichtsfach, noch dazu eins ohne Benotung, belastet bloß das Zeitkonto der Kinder. Oder? Im Gegenteil. Es müsste wahrscheinlich noch viel mehr von dieser Art Unterricht geben. Dann gäbe es vielleicht weniger Klagen über Mobbing, Schulangst und andere Belastungen in der Schule.

Sogar Depressionen sind bei Kindern offenbar keine Seltenheit mehr. Da dürfte doch der Ansatz von Ernst Fritz-Schubert, den Kindern bereits in der Schule gute Wege zum Glück zu vermitteln, genau richtig sein. Dabei geht es um soziale Kompetenz und um das gute Gefühl, in einer Gemeinschaft sicher und aufgehoben zu sein. Diese Dinge zu lernen, wenn bereits Probleme da sind, fällt wahrscheinlich ungleich schwerer.

Glückstests im Internet

Um das Glück oder vielmehr um das abwesende Glück dreht sich im Alltag vieles. Im Internet gibt es jede Menge Tests, die zeigen, ob man nun glücklich ist oder nicht. Es gibt auch die Variante mit umgekehrtem Vorzeichen: Da wird einem per Fragebogen nachgewiesen, dass man tatsächlich unglücklich ist. Und das Angebot an den entsprechenden Ratgebern ist schier unüberschaubar.

Es ist doch ziemlich schade, wenn man seine Gefühlslage nicht kennt und gar nicht weiß, ob man nun glücklich ist oder nicht. Solch eine Unsicherheit über den eigenen Gefühlszustand könnte sich möglicherweise im Glücksunterricht abbauen lassen. Und vielleicht hat das ja eine bis ins Erwachsenenalter anhaltende Wirkung. Insgesamt scheinen wir eher mittelmäßig zufrieden zu sein. Statistisch betrachtet, belegt Deutschland beim Glücksranking den neunten Platz in Europa. Es gibt es jedenfalls ziemlich viele Regionen hierzulande, in denen die Menschen wenig zufrieden sind. Ein Blick auf den jüngsten Glücksatlas zeigt, wo das Glück liegt.

Glücksgemeinde im Schwarzwald

Auf diesem Atlas müsste eigentlich ein Punkt im südlichen Teil Deutschlands hell leuchten, nämlich der der Gemeinde Schömberg. In dem Ort im Schwarzwald sollten alle Einwohner und Gäste glücklich sein. Die Gemeinde ist nämlich seit 2009 die erste – und bislang einzige – deutsche Glücksgemeinde. Man möchte gleich den Umzugswagen bestellen, wenn man darüber auf der Schömberger Homepage liest. Das muss das Paradies sein! Es gibt eine Glückspartnerschaft mit Bhutan, dem glücklichsten Land der Welt. Es gibt Bekenntnisse und Selbstverpflichtungen der Gemeinde zu so wichtigen Punkten wie Natur, Bildung, Freiheit und Sinn.

Beim Glück kommt es auf soziale Kontakte an - allen voran: die Familie
Beim Glück kommt es auf soziale Kontakte an – allen voran: die Familie (Foto: Steven Depolo)

Leider ist auch in der Glücksgemeinde wahrscheinlich nicht alles so wunderbar, wie es scheint. Denn inzwischen gibt es einen neuen Bürgermeister und außerdem deutliche Risse im kommunalen Glück. Im Gemeindeparlament gab es Auseinandersetzungen über den Fortbestand des Konzepts. Hintergrund an der Kritik ist unter anderem: das liebe Geld.

Mit dem Zusammenhang zwischen Glück und Geld beschäftigt sich der Glücksforscher und Volkswirtschaftsprofessor Dr. Karl-Heinz Ruckriegel seit Jahren. Er weiß: „Wir wurden nicht geboren, um das Bruttoinlandprodukt zu steigern.“ Beim Glück kommt es seiner Ansicht nach vor allen Dingen auf soziale Kontakte an.

Quellen:

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