Feuer-Rituale zur Wintersonnenwende und zum Jahreswechsel

Gegen Ende des Jahres, wenn der Licht- und Wärmemangel seinen Tiefpunkt erreicht hat, haben viele Menschen das Bedürfnis, ein Feuer-Zeichen zu setzen, um einen Neubeginn zu signalisieren.

Foto: Jason Bolonski / flickr CC BY 2.0
Foto: Jason Bolonski / flickr CC BY 2.0

Für die Wintersonnenwende gibt es keinen Markt

Gegen Jahresende häufen sich die feierlichen Anlässe und überlagern sich teilweise: Allerheiligen, Allerseelen, Halloween, Krampus, Nikolo, Mariä Empfängnis, Advent, Luciafest, Laternenfest, Heiliger Abend, Christtag, Stefanitag, Wintersonnenwende, Raunächte, Silvester, Julfest (Mittwinter), Neujahrstag, Dreikönigstag und der Tag der Frau Holle stehen zur Auswahl. Die Wintersonnenwende liegt offenbar zu ungünstig vor Weihnachten, um für die Vermarktung interessant zu sein. Daher fällt sie mehr oder weniger unter den Tisch. Während fast jeder Silvester feiert oder zumindest ein gutes Neues Jahr wünscht, wird die Sonnenwende weitgehend ignoriert. Statt der Wintersonnenwende wird Advent und bald darauf Weihnachten zelebriert.

Am Anfang war das Licht

So gut wie alle Jahresende-Rituale haben mit Feuer zu tun. Warum? Feuer ist nicht nur hell, sondern es besitzt eine energische und dynamische Kraft. Es spendet Wärme und wirkt symbolisch wie eine Initialzündung oder wie ein Startsignal für einen Neubeginn. Egal ob man an die Geburt Christi glaubt, oder ein neues Jahr zu zählen beginnt oder ob die Sonne wieder kräftiger wird: Es kommt was Neues! Und das soll man von weitem sehen! Bis man tatsächlich merkt, dass sich das Rad gedreht hat, muss man jedoch noch eine Weile warten. Denn erst ab Februar nimmt das Tageslicht deutlich zu.

Achtsam, introvertiert, besinnlich und abseits vom Mainstream: Die12 Rauhnächte

Das Zelebrieren der heiligen zwölf Rauhnächte lässt sich mit den üblichen Weihnachtstrubel nicht vereinbaren. Jede Nacht steht für einen Monat im kommenden Jahr. Sie beginnen zur Wintersonnenwende am 21. Dezember und enden am 1. Jänner. In diesem Zeitraum sollen die Geister besonders mitteilsam sein und auch die Tiere sprechen können. Wer ihnen aufmerksam zuhört und die Zeichen zu deuten weiß, kann, erhält eine Ahnung, was in den nächsten 12 Monaten zu erwarten ist. Um eine Überschneidung mit Weihnachten zu vermeiden, können auch die Tage ab dem 25. Dezember genommen werden, was jedoch nicht logisch erscheint. Das erhellende und klärende Feuer-Element macht sich durch stille Kerzen-Meditationen und intensive Räucherrituale bemerkbar.

Das Lichter-Fest der heiligen Lucia in Skandinavien

Das Luciafest wird am 13. Dezember gefeiert und ist auf einen romantischen Brauch zurückführen, der in Finnland, Norwegen, Schweden und Dänemark verbreitet ist. Es hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Laternenfesten und mit den Sternträgern zwischen Weihnachten und Dreikönigstag. Die Lichterkönigin Lucia wird durch weiß gekleidete Frauen und Mädchen repräsentiert (in der Regel die älteste Tochter der Familie), die mit Kerzenkronen singend durch die Dunkelheit wandeln – begleitet von Sternenträgern und Kerzenträgern. Die Darbietungen finden am frühen Morgen statt, noch vor Sonnenaufgang, um die restlichen Familienmitglieder zu wecken und ein Lucia-Frühstück zu servieren.

Schwedenfeuer, Sibirische oder russische Baumfackeln

Das so genannte Schwedenfeuer hat zwar einen trivialen Hintergrund, passt aber sehr gut für Feuerrituale am 21. oder 31. Dezember. Die Fackeln aus geschnittenen Baumstämmen sind sogar in Baumärkten erhältlich. Sie bestehen aus einem entasteten Baumstamm, der oben kreuzförmig eingeschnitten ist und durch einen Schlitz im Inneren angezündet werden kann. Durch den kleinen Hohlraum entsteht ein Kamin-Effekt. Der Vorteil ist, dass man kein Feuerholz sammeln muss und dass der Stamm mehrere Stunden lang brennt.

Weit sichtbare Winter-Sonnwendfeuer

Feuer zur Feier der Sonnenwende werden vor allem im Sommer veranstaltet, sind aber genauso im Winter möglich. Wer eines errichten möchte, sollte beachten, dass offene Feuerstellen nicht überall erlaubt sind – auch nicht auf eigenem Grund und Boden. Um das Feuer herum darf getanzt und gesungen werden, um das sich drehende Rad der Jahreszeiten zu betonen.

Silvester: Riskante Feuertürme und rücksichtslose Feuerwerke

Die Silvesterknallerei ist nicht jedermann´s Geschmack, zumal der Zusammenhang mit dem Feuerelement weitgehend verlorengegangen ist. Viele Tiere und empfindliche Menschen fühlen sich durch die Lärmentwicklung gestört und warten mehr oder weniger gestresst, bis der Spuk endlich vorbei ist. Vor allem in den Ballungszentren ist vor Mitternacht an Schlaf nicht zu denken, obwohl Feuerwerkskörper in dicht verbauten Wohngebieten nicht erlaubt sind. Silvester- und Neujahrsfeuer sind oft beängstigend hoch aufgetürmt und entsprechend gefährlich.

Beitrag teilen:
Irmgard Brottrager
Über Irmgard Brottrager 724 Artikel
Irmgard Brottrager ist Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur, Fachredakteurin und Fengshuiberaterin in Graz. Sie beschäftigt sich vorzugsweise mit Aufgaben, die mit dem Menschen und seinem Umfeld zu tun haben. Irmgard erreicht ihr unter i.brottrager@everyday-feng-shui.de

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*