Mit Statussymbolen das Selbstwertgefühl steigern: Geht das?

Das neueste iPhone auf dem Bürotisch. Einen allradgetriebenen SUV in der Tiefgarage. Und in den Urlaub geht es in diesem Jahr auf die Seychellen. Ich erzähle gerne davon. Es stärkt mein Selbstwertgefühl. Ich bin ein Kind der Konsumgesellschaft.

Hand aufs Herz: Wer von euch erkennt sich an dieser Stelle wieder?

Apple-Produkt: Aktuelles Statussymbol aller westlichen Konsumgesellschaften Apple-Produkt: Aktuelles Statussymbol aller westlichen Konsumgesellschaften (Foto: Alison)

Gewiss, Statussymbole hat es immer gegeben. Sie sind Zeichen der Macht, signalisieren Gruppenzugehörigkeit oder demonstrieren Weltläufigkeit. Bei der Karriere können sie förderlich sein, zumindest solange niemand bemerkt, dass die halbe Doktorarbeit nur ein Plagiat ist. Statussymbole sind also okay. Oder etwa nicht?

Ich halte Statussymbole für die Pest des 21. Jahrhunderts. Und ich sage euch auch warum.

Eine Umfrage der Bundeszentrale für politische Bildung zum Thema Nachhaltigkeit hat ergeben, dass 84 Prozent der deutschen Bevölkerung davon überzeugt sind, dass sie durch ihr Konsumverhalten wesentlich zum Umweltschutz beitragen können. Alle reden inzwischen von Nachhaltigkeit, schimpfen auf die Atomkraft, trennen brav ihren Müll oder kaufen bevorzugt Bioprodukte ein. Ja, wir Deutschen sind ein umweltbewusstes Völkchen.

Ach ja?

Wusstet ihr schon: Der Pro-Kopf-Verbrauch an frischem Obst & Gemüse in Deutschland liegt bei 68,7 Kg im Jahr. Der CO2-Ausstoß bei der Erzeugung von einem Kilogramm Obst & Gemüse (inklusive Transport) liegt bei etwa 400g. Aufs Jahr gerechnet ergibt das 27,48 Kilogramm CO2 pro Kopf. Diejenigen, die bevorzugt „Bio“ kaufen, kommen etwas günstiger weg.

Zum Vergleich: Bei der Herstellung eines iPhone 4 werden fast doppelt so viel, nämlich 45 Kilogramm CO2 erzeugt. Summiert man den weltweiten CO2-Ausstoß aller verkauften iPhone 4 in 2010 zusammen, kommt man auf die astronomische Summe von 2350 Millionen Kilogramm CO2. Die durchschnittliche Lebensdauer eines Mobiltelefons liegt übrigens bei 18 Monaten…

Diagnose: Verzerrtes Selbstbild

Dieses oben begonnene „Spielchen“ lässt sich beliebig weiter treiben, wenn man beispielsweise die CO2-Emission bei der Herstellung eines Kleinwagens (4,1 Tonnen) mit dem Kohlendioxidausstoß bei der Produktion eines großen PKWs vergleicht (zwischen 6,3 und 7,1 Tonnen CO2). So viel Biogemüse könnt ihr euer Leben lang nicht essen, um die negative Ökobilanz einer einmal getroffenen „Entscheidung für das etwas größere Auto“ wieder auszugleichen.

Zurück zu den Statussymbolen. Jeder hat sie. Irgendwie. Irgendwo. Sie sind meist überdimensioniert oder im Vergleich zu ihrem Nutzwert überteuert. Sie dienen dazu, anderen oder sich selbst etwas vorzugaukeln. Oft kommen sie als trendige Markenartikel daher oder als vermeintliche Qualitätswaren, die zwar schön anzuschauen sind, deren Ökobilanz jedoch nicht selten katastrophal ist. Dennoch: Ihre Ansteckungsgefahr ist gewaltig.

Wo soll das hinführen?

7 Milliarden Menschen leben derzeit auf diesem Planeten. Den meisten von ihnen dient unser westlicher Lebensstil als Vorbild. Bestes Beispiel: 1,34 Milliarden Chinesen sorgten im ersten Quartal 2012 für einen Apple-Umsatz in China von 7,9 Milliarden US-Dollar (~6 Milliarden Euro). Und was haben die Chinesen gekauft? Telefone und Computer!? Ja, auch. In erster Linie haben sie jedoch die Statussymbole der westlichen Konsumgesellschaften in meterlangen Schlangen „erstanden“.

Schlange vor einem Apple-Store in Shanghai im Januar 2012 Schlange vor einem Apple-Store in Shanghai im Januar 2012 (Foto: MelonHugh)

Was muss passieren?

Wir brauchen einen Wertewandel. Wenn es uns in den nächsten Jahren nicht gelingt, unser Konsumverhalten bewusster zu gestalten und auch gezielt einzuschränken, werden wir es nicht schaffen, auf diesem Planeten zu überleben. Auf dem Weg hin zu einem ausgeglichenen ökologischen Fußabdruck sind unsere Statussymbole ein gewaltiger Hebel – ein Hebel, den jeder privat für sich in Bewegung setzen kann.

Darum:

Statussymbole – macht endlich Schluss damit! Lasst sie uns gemeinsam ausrotten: Die Pest des 21. Jahrhunderts!

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Über Long Wang 315 Artikel
Meister Long Wang ist seit 2007 Teil des Everyday Feng Shui Redaktionsteams und bereichert seither als Experte für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) mit seiner fernöstlichen Perspektive auf die Welt unsere Plattform. Zu erreichen ist er unter l.wang@everyday-feng-shui.de

5 Kommentare

  1. Nicht die Status-Symbole sind die Pest, sondern die fehlende innere Ruhe. Wir kennen uns selbst kaum noch. Das treibt. Uns an. In Richtung Seychellen, Orgien, iPhones (am besten gleich mehrere, auf jeden Fall aber immer das neuste).

    Wir schwimmen im Meer des Lebens … aber nicht (mehr) auf einem kleinen behaglichen Boot, mit dem wir die meisten Wellen gut ausgleichen können, wenn wir auf Balance achten … sondern gänzlich ohne Boot, mit den Armen rudernd, um uns herum die Haie wähnend.

    Die Frage ist aus meiner Sicht also: wie kriegen wir uns selbst wieder auf das Boot (gern auch gemeinsam mit anderen – so wie in „in einem Boot sitzen“)?

  2. Ja, die Laufzeiten von Smartphones muss man schon einrechnen, aber ich glaube, dass das gar nicht stark ins Gewicht fällt. Die kleinen Geräte müssen – selbst wenn der Trend zu immer größeren Displays und höherer Leistung geht – einfach mit wenig Strom auskommen. So ein großer PC braucht doch sehr viel mehr Energie.

    Zudem wird sich beim Energiemanagement der Smartphones sicher noch vieles tun mit dem Ziel, die unbefriedigende Akkulaufzeit zu verlängern.

    Schwellenländer: Zusätzliche Geräte brauchen zusätzlichen Strom. Aber gerade wenn in Schwellenländern der Bildschirm der erste Bildschirm ist, um es mal so zu sagen, und dann Smartphones statt „großer“ Computer angeschafft werden, ist dies ein Beitrag zu einer besser verträglichen Entwicklung.

    Idealistisch? Ein wenig Idealismus brauchen wir schon, wenn sich etwas ändern soll. So viel aber auch wieder nicht, denn die wirtschaftlichen Kosten der Umweltzerstörung sind enorm. Gesamtwirtschaftlich gesehen rechnet sich der Raubbau an der Natur sowieso nicht, schon gar nicht langfristig.

    Ein größeres Gewicht der Vernunft bei Konsumentscheidungen und eine langfristige Perspektive halte ich daher für weit wichtiger als Idealismus. Dabei geht es nicht unbedingt darum, vernunftbedingt Verzicht zu üben. Das kann zunächst bedeuten, nicht unreflektiert zu konsumieren, sich mental nicht treiben zu lassen, sondern unabhängiger zu entscheiden. Das bleibt gerade bei der Anschaffung von Statussymbolen und Lifestyle-Produkten nicht ohne Wirkung.

  3. @Oliver

    Das Beispiel mit dem Obst und Gemüse (=Grundnahrungsmittel) sollte auch nicht als problematisch hingestellt werden. Es sollte vielmehr kontrastieren, wie wenig wir an Treibhausgasen verursachen würden, wenn wir mit dem Notwendigsten zufrieden wären. So bekommt man ein besseres Gespür für die Größenordnungen der CO2-Emission, die wir noch so unbewusst durch unser Konsumverhalten in die Atmosphäre blasen. Und das Beispiel mit dem Obst und Gemüse sollte auch andeuten, dass sich jeder selbst „in die Tasche lügt“, der meint, er lebe wer weiß wie umweltbewusst, weil er nur „Bio“ kauft – im nächsten Moment aber mit einem Porsche Cayenne vom Hof fährt.

    Genauso wie ich Handy und PKW diesem Obst- und Gemüse-Verbrauch gegenübergestellt habe, hätte ich es auch mit dem Pro-Kopf-Fleischverzehr machen können. Da hast du Recht.

    In Bezug auf die Smartphones und Tablets muss ich Dir insofern Recht geben, dass ihre Anschaffung in den Industrieländern möglicherweise tatsächlich zu Einsparungen führt, da nicht mehr so aufwändig produzierte und Strom fressende Desktop-PCs und Monitore im Einsatz sind. In den Schwellenländern trifft dies jedoch nicht zu. Hier ist für viele Haushalte das Smartphone oder Tablet der erste „Computer“ den man sich anschafft. Weltweit führt der Konsum dieser Geräte also zu einem rapide ansteigenden Ausstoß von Treibhausgasen. Und was hierbei auch nicht vergessen werden sollte: Smartphones laufen meist „rund um die Uhr“ und müssen immer wieder aufgeladen werden – sie verursachen also nicht nur unmittelbar bei der Herstellung CO2 – sondern kontinuierlich. Diese Zahlen hatte ich oben gar nicht berücksichtigt…

    Ansonsten finde ich Deine Gedanken aber sehr interessant – auch wenn sie teilweise etwas idealistisch klingen.

    Viele Grüße
    Long Wang

  4. Die Marktwirtschaft ist die wahre Demokratie, möchte ich hier mit ein wenig Provokation sagen. Es liegt an jedem einzelnen Verbraucher, wie sich die Welt entwickelt.

    Obst und Gemüse als Problem anzusprechen, aber den Fleischkonsum mit keinem Wort zu erwähnen, ist aber ein wenig schief. Im Essen von Fleisch liegt doch das Hauptproblem hinsichtlich Ernährung und Umweltschutz.

    Zudem kann man Obst und Gemüse vorwiegend „aus der Region“ und entsprechend dem saisonalen Angebot kaufen. Dann sehe ich da kein Problem – das ist in diesem Fall noch wichtiger als die Entscheidung für Bioprodukte, die grundsätzlich natürlich immer gut ist.

    Den Boom bei Smartphones und Tablets würde ich nicht voreilig negativ für die Umwelt und insbesondere das Klima sehen. Mobile Endgeräte benötigen sehr viel weniger Strom als „große“ Computer. Schon die Entwicklung, dass die meisten Verbraucher lieber Notebooks als Desktop-PCs kaufen, führt zu Einsparungen. Nicht zuletzt kann so der Kauf von Printmedien aller Art auf lange Sicht völlig entfallen. Dann braucht man auch weniger Möbel. Und man kann eine kleinere Wohnung nutzen, womit sich die Heizkosten senken und letztlich die Wege innerhalb Siedlungen verkürzen lassen. In der vernetzten Gesellschaft können sowieso viele Wege entfallen, weil Arbeitnehmer etwa einen großen Teil ihrer Arbeit aus ihrem Home-Office erledigen können.

    Als Statussymbole, die im Jahrestakt ausgetauscht werden, können die mobilen Endgeräte natürlich zum echten Problem werden. Allerdings halte ich es für wichtig, hier den größeren Zusammenhang zu betrachten:

    So kann man technische Geräte so einkaufen, dass man innerhalb der Familie eine Verwertungskette. Wenn derjenige, der stets das neueste Geräte kauft, es anschließend weitergibt und das Gerät damit eine lange Gesamtnutzungszeit erhält, sieht die Ökobilanz schon sehr viel besser aus. Ob Smartphones, Tablets oder Fernseher, eine längere Gesamtnutzungszeit ist ein wichtiger Faktor.

    Zudem halte ich für sinnvoll, verschiedene Produkgruppen differenziert zu betrachten: Bei Smartphones gibt es derzeit schnelle Fortschritte in der Entwicklung. Ein zwei Jahre altes Smartphone ist tatsächlich veraltet und bietet viel weniger Möglichkeiten.

    Dagegen kann Kleidung – sofern sie einem selbst noch passt, aber dann bleibt immer noch das Verschenken – durchaus zehn oder mehr Jahre getragen werden.

    Worauf ich hinaus will: Mehr Vernunft und Verantwortung beim Konsum brauchen wir. Hier ist jeder Einzelne in der Verantwortung.

    Wenn Smartphones oder ähnliche Geräte allerdings (neben den schon oben erwähnten positiven Auswirkungen) bei immer mehr Menschen das Auto als Statussymbol ablösen (es verliert unter jungen Menschen seit Jahren in dieser Hinsicht, dürfte sich das sehr positiv auf die Ökobilanz auswirken.

    Vielleicht ist es daher erfolgversprechender, den Drang nach Statussymbolen in eine andere Richtung zu lenken.

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