Traurige Menschen erkennen Farben schlechter

Ist der Himmel einfach nur grau, oder scheint er doch eher bläulich? Im November ist die Antwort vielleicht eindeutig. Ansonsten dürfte es aber verschiedene Antworten auf diese Frage geben, selbst wenn sich an der Himmelsfarbe nichts ändert. Denn die Farbwahrnehmung ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Wie wir Farben sehen, hängt aber offenbar auch stark von der jeweiligen Stimmungslage ab.

Farbwahrnehmung ist stimmungsabhängig: Manch einer sieht nur graue Wolken, während andere einen farbigen Regenbogen erkennen
Farbwahrnehmung ist stimmungsabhängig: Sieht manch Einer nur graue Wolken, während ein Anderer einen farbigen Regenbogen erkennt? Ganz so einfach ist es nicht!
(Foto: Jessica Keating Photography)

Wer kennt das nicht: Sind wir traurig, erscheint die ganze Welt nur Grau in Grau. Man könnte annehmen, die traurige Stimmung sorgt dafür, dass wir generell weniger aufmerksam sind und darunter auch die Farbwahrnehmung leidet. Dieser Aspekt spielt sicherlich eine Rolle. Doch die Sache scheint insgesamt noch komplizierter zu sein. Jedenfalls ergaben die Untersuchungen des amerikanischen Wissenschaftlers Christopher Thorstenson, dass eine traurige Stimmung nicht generell die Farbwahrnehmung beeinflusst. Vielmehr sind offenbar nur bestimmte Farbeindrücke von der Stimmungslage betroffen.

Für seine Studie versetzte Thorstenson die Testpersonen zunächst in fröhliche, traurige oder neutrale Stimmung. Das geschah über entsprechende Filmsequenzen, die den Teilnehmern der Untersuchung vorgespielt wurden. Im Anschluss galt es, 48 verschiedene Farbtafeln den Grundfarben zuzuordnen. Und dabei stellte sich heraus, dass traurige Menschen sich hauptsächlich mit den Farben im Bereich zwischen Blau und Gelb schwertun.

Keine Probleme mit Rot und Grün

Die gezeigten Farbtafeln aus den Bereichen Blau und Gelb den jeweiligen Grundfarben zuzuordnen, gelang den traurig gestimmten Testpersonen besonders schlecht. Bei den Farben im Bereich zwischen Rot und Grün sah es ganz anders aus. Ob in fröhlicher oder trauriger Stimmung, die Testpersonen erkannten die Farben dieser Bandbreite tadellos.

Traurig gestimmte Personen hatten besondere Probleme blau und gelb zu erkennen
Traurig gestimmte Personen hatten besondere Probleme blau und gelb zu erkennen
(Foto: Manuela Barattini)

Bisherige wissenschaftliche Untersuchungen galten in der Regel der umgekehrten Wirkungsrichtung. Sie versuchten zu belegen, dass und wie Farben Einfluss auf unsere Stimmungen nehmen. Dies ist inzwischen vielfältig nachgewiesen. Nun zeigt sich aber, dass offenbar auch hinter der Redwendung etwas mehr steckt, dass einem die Welt in gedrückter Stimmungslage grau und trist erscheint.

Vielleicht hatte ja auch dieser Zusammenhang seinen Anteil an der heftigen Farbdiskussion, die sich vor einiger Zeit im Internet entspann. Dabei ging es um die Farben eines gestreiften Kleides. Die individuellen Wahrnehmungen variierten zwischen Blau-Schwarz und Weiß-Gold. Manche Menschen sahen auch blau-goldene Streifen. Für mich zeigt das Bild ganz zweifellos ein blau-goldbraunes Muster.

Dressgate: weiß-gold oder blau-schwarz - welche Farben hat das Kleid denn nun wirklich?
Dressgate: weiß-gold oder blau-schwarz – welche Farben hat das Kleid denn nun wirklich? (Bildquelle: telegraph.co.uk)

Der Wahrnehmungspsychologe Karl Gegenfurtner hat eine einfache Erklärung für die erheblichen Unterschiede in der Farbwahrnehmung. Je nachdem, wie deutlich jemand die Beleuchtung in der Umgebung des betreffenden Farbmusters wahrnehme, würden die Farben unterschiedlich interpretiert. Wer also den äußeren Bildbereich als besonder hell erleuchtet wahrnimmt, folgert automatisch, dass die Farben tatsächlich dunkler sein müssen, als sie auf der Abbildung erscheinen. Diese Menschen kommen also laut Gegenfurtner zu dem Ergebnis, dass es sich um ein blau-schwarz-gestreiftes Kleid handelt. Wer die Helligkeit am Bildrand dagegen weniger stark gewichtet, interpretiert die Farben entsprechend heller und sieht weiß-goldene Streifen.

Der Wahrnehmungsexperte erklärt weiter, dass man bei seiner einmal gefassten Meinung über die Farben bleibe. Das Bild umzuinterpretieren, sei im Nachhinein sehr schwierig. Genau davon berichteten aber viele Menschen im Zusammenhang mit dem umstrittenen Streifen-Kleid. Ihre Wahrnehmung wandelte sich, als sie dasselbe Bild am gleichen Bildschirm zu einem späteren Zeitpunkt betrachteten. Gut möglich also, dass weniger die technischen Dinge wie Bildrandhelligkeit, sondern vielmehr innere Voraussetzungen wie die eigene Stimmungslage darüber entscheiden, wie wir Farben sehen.

Wenn es so ist, wie die Untersuchungen von Christopher Thorstenson ergeben haben, dann sind von dem Einfluss der traurigen Stimmung auf die Wahrnehmung nur die Farben aus dem Bereich Blau und Gelb betroffen. Es bleiben also in der Traurigkeit immer noch die Farben zwischen Rot und Grün, die gut wahrzunehmen sind.

Mehr zum Thema Feng Shui Farben erfahrt ihr hier.

 

Quelle:

www.welt.de – Stimmung lässt Menschen Farben anders wahrnehmen

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