Warum Schmetterlinge in Gefahr sind

Tagpfauenauge, Admiral, Großes Ochsenauge und Kleiner Fuchs – in meiner Kindheit flatterten sie selbstverständlich durch die Gärten. Heute sieht das anders aus. Schmetterlinge sind vielerorts zur Seltenheit geworden.

Immer seltener anzutreffen: Schmetterlinge wie das Tagpfauenauge
Immer seltener anzutreffen: Schmetterlinge wie das Tagpfauenauge (Foto: Bob A Fox)

Schmetterlinge sind besonders artenreich und äußerst weit verbreitet. Die vielfältigen Falter leben überall auf der Welt – ausgenommen die Antarktis. Schmetterlinge haben sich im Laufe der Zeit an die unterschiedlichsten Umweltbedingungen angepasst. So kommt es, dass manche Arten auf ganz bestimmte Umgebungen spezialisiert sind. Das wiederum birgt große Gefahren für die Tiere. Denn wo der Mensch eingreift und die Natur bearbeitet, nimmt er möglicherweise den Schmetterlingen die Lebensgrundlage.

Zahl der Arten schrumpft

Wie es um die heimischen Schmetterlinge bestellt ist, hat eine Forschergruppe um den Schmetterlingsexperten Jan Christian Habel von der Technischen Universität München untersucht. Das Ergebnis der Studie über ein Gebiet in der Nähe von Regensburg ist erschreckend: In den vergangenen 200 Jahren ist die Zahl der Schmetterlingsarten von 117 auf 71 geschrumpft.

Aufgrund ihrer Empfindlichkeit gelten Schmetterlinge wie das Kleine Ochsenauge als Bioindikatoren für Umweltveränderungen
Aufgrund ihrer Empfindlichkeit gelten Schmetterlinge wie das Kleine Ochsenauge als Bioindikatoren für Umweltveränderungen (Foto: Milo Bostock)

Betroffen sind von dieser Entwicklung vor allen Dingen solche Falterarten, die ihre Nische gefunden und sich auf ganz bestimmte Pflanzen spezialisiert hatten. Geht ihre Nahrungsquelle verloren – etwa weil Flächen bebaut oder landwirtschaftlich genutzt werden – dann haben sie keine Chance zu überleben.

Weil Schmetterlinge so empfindlich auf Veränderungen in ihrer Umgebung reagieren, gelten sie als sogenannte Bioindikatoren. Sie zeigen an, wie es um die Natur in dem jeweiligen Gebiet bestellt ist. Nimmt also die Zahl der Arten deutlich ab, bedeutet das nichts Gutes für die Umwelt.

Falter brauchen Unkraut

Schmetterlinge brauchen Blumenwiesen, blühende Bäume und Sträucher. Auch manches „Unkraut“ ist für die Falter sehr wichtig. Disteln und Brennnesseln sind zum Beispiel das bevorzugte Zuhause der Raupen vieler einheimischer Schmetterlingsarten. Besonders ordentliche Gärten und Parks sind demzufolge sehr unwirtliche Orte für die Insekten.

Sehr schwer machen wir es den Faltern in unseren Städten, wo Natur ohnehin Mangelware ist. Wilde Blumenwiesen dürften sehr selten sein. Dafür findet man häufig nicht-heimische Pflanzen, mit denen die Schmetterlinge allerdings gar nichts anfangen können. Die Raupen fressen keine exotischen Blätter. Sie sind auf gewöhnliches „Unkraut“ oder andere heimische Pflanzen angewiesen.

Auf dem Land sieht es aber für viele Schmetterlinge kaum besser aus als in der Stadt. Monokulturen und Pflanzenschutzmittel nehmen ihnen die Lebensgrundlage. Immerhin sieht man inzwischen immer häufiger einen wild bewachsenen Randstreifen entlang am kilometerlangen Raps- oder Maisfeld. Solche Korridore können helfen, die letzten Schmetterlinge zu schützen.

Nektarspender anpflanzen

Im eigenen Garten lässt sich noch viel mehr machen. Wer Schmetterlinge anlocken möchte, sollte nicht nur an Flieder, Buddleja und andere Nektarspender denken. Auch die Raupen brauchen Futter. Manche Stellen im Garten sollten also wild wachsen dürfen, sodass die Schmetterlingsraupen ungestört auf Distel und Co heranwachsen können.

"Unordentliche" Gärten sind häufig ein Paradies für Schmetterlinge und Vögel
„Unordentliche“ Gärten sind häufig ein Paradies für Schmetterlinge und Vögel
(Foto: Lake Lou / Flickr)

In meinem Garten habe ich mir gerade an einer Ecke mit besonders hoch gewachsenen Brennnesseln zu schaffen gemacht. Sie standen dem Birnenbaum im Weg, fand ich. Jetzt erwischt mich das schlechte Gewissen, weil ich nicht nur dem Birnenbaum geholfen, sondern womöglich einer Menge Raupen ihr Zuhause genommen habe.

Zum Glück gibt es noch andere Stellen in meinem Garten, die sich in keinem ordentlichen Zustand befinden. Für den Schmetterlingsnachwuchs ist also hoffentlich gesorgt. Wie gern ich den zarten Wesen bei ihrem flatternden Flug zuschaue! Das ist ein echtes, kleines Glücksgefühl, das ich nicht missen möchte.

Quellen:

2 Kommentare

  1. Schöner Beitrag – und stimmt – ich mache mir auch öfter Gedanken, dass ich bei uns eigentlich fast nur noch dem Zitronenfalter begegne. Selten, vielleicht 1-2 im Jahr auch mal dem Pfauenauge, das wars dann aber auch.
    Ich habe zwar auch Eckchen die verwildert sind, bin aber manchmal auch argwöhnisch, dass vielleicht die Raupe nicht weiss wo sie zu „wohnen und zu fressen“ hat ? – Daher eliminiere ich die eine oder andere Fressraupe ohne vorher nachzudenken was wohl aus ihr geworden wäre.
    Das werde ich nun ändern und einen Umzug in die Wildnis organisieren
    anstatt ihr den Garaus zu machen…bin wohl irgendwie noch Buchsbaumzünslergeschädigt.
    Danke fürs Mahnen und Erinnern ;-)

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