Die Farbe Schwarz: gruselig, düster oder elegant?

Schwarz ist eigentlich keine Farbe, sondern ein Mangel an Licht. Schwarz ist vor allem als Kontrast-Farbe gefragt, wenn es bringt helle Farben erst so richtig zum Leuchten.

Foto: C Watts / flickr CC BY 2.0
Foto: C Watts / flickr CC BY 2.0

Nicht nur auf die Menge kommt es an

Schwarz ist chic und elegant, ja, ABER! Es wirkt auch provokant, hart, kalt und „gruftig“, wenn man es im Übermaß einsetzt. Es kommt nicht nur auf die Menge an, sondern auch auf die Intention. Die nicht-bunte Farbe verleitet zu Kombinationen mit düsteren Motiven wie Tierfiguren, dunkler Symbolik und harten Materialien wie Metall, Beton und Glas. Und dann wird es schnell ungemütlich. Um einen kuschelige Atmosphäre zu erzeugen, ist tiefes Schwarz nicht geeignet. Es ist dann besser, zu dunklen Erdtönen zu greifen: dunklem Grün, Braun oder Grau. Die Frage ist also: Was will man mit Schwarz erreichen? Denn Schwarz ist nicht automatisch elegant, sondern kann im Extremfall sogar schmutzig, schockierend und abstoßend wirken. Schwarz mit Gelb sieht sehr giftig aus. Und Schwarz mit Rot oder Pink sehr alarmierend.

Schwarz in Kombination mit anderen Nicht-Farben

Schwarz ist ein wichtiger Bestandteil von „farblosen“ Einrichtungen, die hauptsächlich aus Schwarz-, Weiß- und Grau-Tönen bestehen. Es kommt in diesem Farbspektrum sehr auf die Nuancen und Oberflächen an. Die Farben treten zurück, während die Materialien und Proportionen in den Vordergrund treten. Schwarz sieht besonders schön mit echtem Holz, Natursteinen und Grünpflanzen aus, weil hier die Kontrastwirkung voll zur Geltung kommt. Nicht zufällig verwendet man schwarzen Samt, um Schmuckstücke in Szene zu setzen. Schwarz gibt außerdem einen markanten Rahmen ab – zum Beispiel für Wandbilder, Spiegel und Tischplatten. In allen diesen Fällen ist nicht Schwarz die eigentliche Attraktion, sondern etwas anderes, was durch schwarze Akzente besonders hervorgehoben wird.

Schwarz ist gefährlich

Leider kann man mit Schwarz viel falsch machen. Einige Gefahren wurden bereits erwähnt. Es kann außerdem sehr steril und aufdringlich wirken, wenn es ausschließlich mit Weiß kombiniert wird. Kleine und schmale Räume können wesentlich kleiner und enger erscheinen als mit hellen Wandfarben. Gerade weil Schwarz die Proportionen betont, kann schlechtes Design noch übler wirken. Und schließlich kann es die Proportionen im Raum völlig zerstören, wenn es zu großflächig eingesetzt wird und die helleren Objekte „verschluckt“ oder „erschlägt“. Schwarz gestrichene Wände können wie finstere Löcher aussehen. Da die dunkle Farbe sehr viel Licht absorbiert, kann es an Abenden und sonnenarmen Tagen Probleme mit der Ausleuchtung geben. Schließlich leidet oft auch der Wohlfühlfaktor unter einem Übermaß an finsterem Schwarz. Es ist am ehesten für Schlafzimmer geeignet, die ganz bewusst dunkel gehalten werden.

Warum sind Architekten oft schwarz angezogen?

Schwarz sorgt nicht nur für harte Kontraste mit deutlich helleren Farben, sondern es kann auch eingesetzt werden, um etwas aus dem Blickfeld zu rücken, was keine Aufmerksamkeit bekommen soll. Schwarze Kleidung macht erstens schlank und betont zweitens die Hände und das Gesicht. Die Figur ist im Bauwesen nicht wichtig und würde besonders bei jungen Frauen zu sehr ablenken von eigentlichen Thema. Daher betont man lieber den Charakterkopf und unterstreicht mit der Kleidung, dass es nicht um Mode geht, sondern um seriöse Planungen, die vollste Konzentration erfordern. Schwarze Kleidung ist außerdem ein bequemes Stilmittel, um mit wenig Aufwand elegant zu wirken. Auch andere Kreative greifen gerne zu schwarzen Roben, um sich abzuheben von der bunten Gesellschaft – und auch, um sich Respekt zu verschaffen. „Aha, da ist jemand, der anders ist als die anderen.“ Somit wird die Aufmerksamkeit automatisch auf die Werke, Aussagen und Handlungen des Künstlers gelenkt. Schwarz ist hier eigentlich nur ein Eye-Catcher oder ein Rufzeichen. „Schaut mal her und passt gut auf, denn hier ist etwas Außergewöhnliches!“

Zum Weiterlesen: Warum tragen Kreative so gerne schwarz?

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Über Irmgard Brottrager 833 Artikel
Irmgard Brottrager ist Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur, Fachredakteurin und Fengshuiberaterin in Graz. Sie beschäftigt sich vorzugsweise mit Aufgaben, die mit dem Menschen und seinem Umfeld zu tun haben. Irmgard erreicht ihr unter i.brottrager@everyday-feng-shui.de

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