Feng Shui: Lebst Du in einem Tabu-Haus?

Tabu-Häuser sind ein feststehender Begriff im Feng Shui. Das heißt jedoch nicht, dass solche Häuser schlecht oder unglücklich wären. Der Begriff bezieht sich auf die Auswertbarkeit des Grundrisses nach Feng-Shui-Kriterien. Erfahren Sie, was es wirklich bedeutet und ob Sie vielleicht selbst in solchem Haus leben.

Ein Tabu-Haus bedeutet auf keinem Fall eine Bauruine. Es ist noch etwas komplizierter. Foto: © Hedwig Seipel
Ein Tabu-Haus bedeutet auf keinem Fall eine Bauruine. Es ist noch etwas komplizierter.
Foto: © Hedwig Seipel

 

Immer häufiger erhalte ich Anfragen, Häuser oder Grundstücke zu analysieren, noch bevor die Entscheidung, diese zu kaufen, fällt. Das ist der optimale Zeitpunkt mit Feng Shui bei Neubauten bzw. beim Erwerb von Immobilien zu beginnen. Deshalb mache ich diese Analysen sehr gerne. Doch manchmal muss ich passen und den Klienten enttäuschen, weil sich nicht jedes Objekt nach Feng Shui auswerten lässt.

Fallbeispiel

Ein Beispiel dazu: Eine Kundin schickte mir per Emial den Grundstücksplan als Auszug aus dem amtlichen Flurplan. Auf dem Grundstück befindet sich noch ein altes Gebäude, das abgerissen wird. An der Stelle soll ein Doppelhaus gebaut werden. Die Kundin hätte großes Interesse eine Hälfte zu erwerben.

Die Bestimmung der Blickrichtung ist für Häuser, die noch nicht gebaut worden sind, ohnehin nicht einfach. Doch in diesem Fall war es unmöglich. Wenn das neue Haus exakt so wie das alte Gebäude gebaut wird, dann wird seine Ausrichtung exakt 202° betragen. Die 202° zählen rein rechnerisch noch zum Süden, der sich von 157,5° bis 202,5° erstreckt. Aus der Praxis weiß ich, dass ein Haus auf 0,5° genau auszurichten, praktisch unmöglich ist. Es reicht aus, dass das neue Gebäude nur 1-2° von der jetzigen Ausrichtung abweicht und das Haus würde entweder Süden oder schon Südwesten als Blickrichtung haben.

Konsequenzen

Je nach Analysemethode sind die Konsequenzen gering bis unüberwindbar. Geringe Auswirkung hätte die ungenaue Ausrichtung nur auf die Methode der „Acht Lebenswünsche“, weil hier die Blick- und Sitzrichtungen keine Rolle spielen. Die Aufteilung des Grundrisses wäre je nach Ausrichtung ein wenig verschoben aber noch gut auswertbar. Das Problem dabei bleibt, die „Acht Lebenswünsche“ sind als Methode zur Unterstützung der Entscheidung für oder wider den Kauf völlig ungeeignet. Sie liefern nämlich keinerlei qualitative Aussagen über die energetische Situation eines Objektes.

Ost-West-System

Beim „Ost-West-System“ entscheidet die Sitzrichtung über die energetische Struktur des Hauses. Dabei werden in jedem Haus vier günstige und vier nicht so günstige Bereiche festgelegt. In dem Fallbeispiel hätte das Haus mit der Blickrichtung 202° = Süden die Sitzrichtung Norden und würde damit zu der „Ost-Gruppe“ der Häuser gehören. Bei einer Blickrichtung von 203° würde als Blickrichtung Südwesten mit der Sitzrichtung Nordosten gelten. Damit wäre es ein „West-Haus“. Blöd nur, dass die günstigen Bereiche in einem Ost-Haus genau dort liegen, wo ein West-Haus seine ungünstigen Bereiche hat. Fazit, man kann gleich in eine Kristallkugel schauen und sich die ganze Rechnerei sparen.

Fliegende Sterne

Leider helfen auch die „Fliegenden Sterne“ nicht weiter. Das Haus wäre ein typischer Fall für die sogenannten „Ersatzsterne“. Die Ersatzsterne werden dann angewandt, wenn die Ausrichtung eines Hauses auf eine Taburichtung fällt. Als „Taburichtungen“ werden Ausrichtungen genant, die innerhalb eines Abschnitts von 2° um eine Grenze zwischen Himmelsrichtungsbereichen bzw. den drei Abschnitten innerhalb einer Himmelsrichtung liegen. Doch auch damit kommen wir nicht weiter, weil sich am Ende zwei unterschiedliche Diagramme ergeben: eins für die Ersatzsterne bei 202° (Süden) und eins für die Ausrichtung 203° (Südwesten). Die Unterschiede zwischen beiden Diagrammen können so bedeutend sein, dass sie eine verlässliche Aussage als Entscheidungshilfe unmöglich machen.

Tabu-Haus

Das Beispiel zeigt deshalb ein typisches Tabu-Haus. Tabu bedeutet, das Haus lässt sich nicht in die Karten schauen und behält seine Qualität für sich. Die Entscheidung, das Objekt zu kaufen oder nicht, muss sich auf anderen Erkenntnissen stützen. Ob am Ende die Lage, der Preis oder das Bauchgefühl entscheiden, das wird sich vom Fall zu Fall anders gestalten. Nur eins bleibt sicher: Eine Feng Shui Analyse hilft bei einem Tabu-Haus nicht.

Gar kein Feng Shui?

Fällt die Entscheidung zugunsten des Kaufs und das Haus wird gebaut, dann kann man mit Feng Shui einen zweiten Versuch starten. Vielleicht wird die Ausrichtung des neuen Hauses so eindeutig sein, dass auch die Blickrichtung problemlos bestimmbar sein wird. Doch auch wenn es nach dem Neubau bei einem Tabu-Haus bleibt, dann lassen sich zahlreiche Gestaltungsempfehlungen trotzdem definieren. Sie basieren dann auf den Wandlungsphasen der Himmelsrichtungen, dem Chi-Fluss in den Räumen und der Yin-Yang-Nutzung der einzelnen Zimmer. Das ist schon eine ganze Menge an Empfehlungen, die helfen, das Wohlgefühl im Haus zu steigern.

Ich mag Tabu-Häuser nicht. Nicht, weil mir ein Auftrag flöten geht, sondern weil ich meine Klienten sehr gerne umfangreich unterstützen möchte. Manchmal ist aber auch ein Feng-Shui-Berater mit seinem Latein am Ende und hat es zu akzeptieren.

Mit den besten Wünschen für die richtige Ausrichtung,

Hedwig Seipel
www.fengshui-classic.de

 

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