Trendig und nachhaltig: Bambus im Innenraum

Bambus-Pflanzen sind keine Bäume, sondern gehören zu den Riesen-Gräsern. Obwohl die Halme ziemlich filigran wirken, besitzen sie mehrere Vorzüge, mit denen sie die Qualitäten von Holz übertreffen.

Bambusrohre mit verschiedenen Wandstärken.. Foto (C) Irmgard Brottrager
Bambusrohre mit verschiedenen Wandstärken.. Foto (C) Irmgard Brottrager

 

Bambus hat trotz seiner Festigkeit einen sehr leichten Charakter. Er wächst sehr schnell und kann mit den Elementen Luft (Hohlraum, aufstrebend, Helligkeit, Luft) und Wasser (elastisch, feuchtes Klima) in Verbindung gebracht werden. Das Material stammt aus regenreichen Regionen und benötigt auch hierzulande viel Wasser, wenn es angebaut wird. Bambus-Holz wird nicht von Bäumen geerntet, sondern von verholzten Halmen, die durch knotige Querrippen stabilisiert werden. Die Stiele oder Stäbe sind innen hohl und daher viel leichter als Holz. Für die Erzeugung von Möbelplatten werden allerdings keine ganzen Stangen verwendet, sondern nur die relativ dünnen Wände der Rohre.

 

So werden aus unregelmäßigen Hohlrohren glatte und ebene Werkstoffplatten

Bambus-Stämme sind bereits nach 5 Jahren erntereif und daher auch für den Anbau in Plantagen geeignet. Die ausgewachsenen Rohre werden in Längsrichtung in schmale Streifen gesägt, und diesen Lamellen werden zuerst gerade geschnitten und dann zu ganzen Platten zusammengeleimt. Jede Bambus-Platte besteht daher aus feinen Steifen, die zusammen mit den sichtbaren Rohrknoten ein charakteristisches Muster bilden. Die Streifen können etwas breiter oder ganz schmal sein – je nachdem, ob die rechteckigen Lamellen hochkant (Hochkantlamelle, HL) oder liegend (Breitlamelle, BL) zusammengefügt wurden. Die natürliche Farbe ist ein helles Gelb, das durch thermische Behandlungen dunkler werden kann. Thermobehandlungen erfolgen nicht nur aus optischen Gründen, sondern auch, um die Haltbarkeit zu erhöhen.

 

Und wie sieht es mit der Nachhaltigkeit aus?

Bambus gehört zu den schnell nachwachsenden Rohstoffen. Obwohl der Leim-Anteil relativ hoch ist (ähnlich wie bei Sperrholzplatten), handelt es sich um ein empfehlenswertes Produkt. Denn Bambus-Baustoffe sind so widerstandsfähig, formstabil, hochwertig und dauerhaft, dass sie auch starke Beanspruchungen aushalten. Ein besonderer Vorteil ist, dass man sich das Anbringen einer Kante ersparen kann, denn die schmalen Schnittflächen sehen attraktiv genug aus, um sie herzeigen zu können. Eine Oberflächenbehandlung ist nicht unbedingt nötig. Das Material gilt als anti-allergen und antistatisch und daher gut verträglich. Es wird auch gerne für Küchen- und Bad-Zubehör verwendet, wie zum Beispiel Schneidebretter, Kochlöffel, Besteckkästen, Seifenschalen und Klobrillen.

Für die Herstellung von Innenausbau-Platten werden nur die Wände der Rohre verwendet. Foto (C) Irmgard Brottrager
Für die Herstellung von Innenausbau-Platten werden nur die Wände der Rohre verwendet. Foto (C) Irmgard Brottrager

 

Produkte aus Bambus

In Asien wird auch viel mit den ganzen Rohren gebaut, die bei uns nur selten zum Einsatz kommen. Im europäischen Bambus-Handel findet man vor allem Bodenbeläge, Platten für Möbel und für den Innenausbau sowie Terrassendielen aus Bambus. Bambus-Bodenbeläge können recht unterschiedlich aussehen, denn es gibt auch welche mit Holz-Optik, die ähnlich unecht wirken wie Laminatböden. Ein authentischer Bambus-Belag weist die typische, feine Streifenoptik auf, ist sehr hell und dünner als Vollholzdielen. Meist besteht nur die Deckschicht aus Bambus, während der Unterbau aus Weichhölzern gefertigt ist. Die Verlegung erfolgt meistens mit einem Klick-System. Massive Bambus-Schichtplatten bestehen durchgehend aus Bambus und sind daher von allen Seiten ansehnlich.

 

Einsatzgebiete und Einschränkungen

Das massive Plattenmaterial ist ideal für Tischplatten, Küchen-Arbeitsplatten und Treppenstufen. Es ist sehr leicht und dennoch härter als Eichenholz, weniger feuchtigkeitsempfindlich und auch leichter zu reinigen. Die Farbe ändert sich nicht bei Sonneneinstrahlung, so wie das bei Holz der Fall ist. Allerdings werden Temperaturunterschiede nicht gut vertragen, daher sollte auf beiden Seiten des Einbaues eine ähnliche Temperatur mit ähnlicher Luftfeuchtigkeit vorhanden sein. Platten für den Innenausbau sind üblicherweise für eine Temperatur von 20 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von 50 % bis 55 % eingestellt. Wenn zum Beispiel auf einer Seite eine wesentlich kühlere und feuchtere Speisekammer angrenzt, gerät das Material unter Spannungen. Die Verwendung von Bambus-Produkten im Außenraum ist kein Problem, wenn sie für den Außenraum bestimmt sind. Da das Material sehr hart ist, kommt man mit Holzwerkzeugen nicht weit, sondern benötigt Metall-Bohrer und Metall-Sägeblätter. Heimwerker, die noch nie mit Bambus gearbeitet haben, sollten sich daher nicht sofort an die teuersten Platten wagen, sondern die Gerätschaften an Probematerialien testen.

 

 

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Literatur-Übersicht

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