Im Gespräch über Feng Shui: Drei Fragen an Annette Dietzler

Die Ansichten über Feng Shui gehen in der breiten Öffentlichkeit immer noch weit auseinander. Die einen halten es für Okkultismus, die anderen glauben, man müsse lediglich gewisse Feng Shui Produkte in der Wohnung verteilen, um glücklich zu sein. Wieder andere reduzieren Feng Shui auf das Verrücken der Möbel in der Wohnung. Feng Shui Expertin Annette Dietzler beantwortet drei wichtige Fragen, die jeder über Feng Shui wissen sollte.

1. Hat Feng Shui etwas mit Okkultismus zu tun?

Feng-Shui-Expertin Annette Dietzler
Drei Fragen, die jeder über Feng Shui wissen sollte, beantwortet Expertin Annette Dietzler (Foto: www.feng-shui-katalog.de)

Ganz klares Nein. Feng Shui ist dem Bereich der Esoterik zuzuordnen. Der Unterschied ist klein aber fein. Der Esoteriker erforscht die Ursachen für das, was nicht sichtbar ist. Liebe zum Beispiel ist eine Energie, die von den fünf Sinnen nicht wahrgenommen werden kann. Und doch sind die Auswirkungen der Liebe erfahrbar. Wenn jemand herausfinden will, ob er seinen Partner oder sein Partner ihn liebt, ist das esoterische Arbeit. Das Aufspüren der Energie Liebe kann entweder zum Ergebnis haben, dass etwas da ist, was neu ist, oder dass eben nichts da ist. Die Frage nach dem Warum oder Warum nicht ist die Suche nach der Ursache. Egal, wie die Antwort ausfällt, stellt sich im Idealfall als Nächstes die Frage, wie die Liebe gestärkt oder neu belebt werden kann. Das ist esoterische Arbeit.

Das Legen von Tarot Karten, das Lesen der Aura oder Sprechen mit Engeln ist okkultes Handeln. Der Okkultist lässt sich mit Energien ein und arbeitet mit ihnen. Er sieht sich in gewisser Weise als Kanal oder Medium, um Energien umzuleiten oder in Sprache zu übersetzen. Im engeren Sinne sind auch Geistheiler und Reiki-Lehrer Okkultisten, weil sie kosmische Energie zum Patienten „umleiten“.

Okkulte Szene: Tarot Kartenlegerin mit einer Klientin in Corpus Christi, Texas Okkulte Szene: Tarot Kartenlegerin mit einer Klientin in Corpus Christi, Texas (Foto: Jay Phagan)

Es geht bei der Beantwortung dieser Frage nicht darum, den Okkultismus zu verteufeln. Mediale Veranlagung ist jedem Menschen eigen. Dem einen mehr, dem anderen weniger. Trotzdem müssen beide Richtungen klar voneinander getrennt werden. Der Begriff Okkultismus ist heutzutage meist negativ belastet, weil immer wieder Betrüger und Scharlatane seine Praktiken missbrauchen und nur auf materiellen Gewinn aus sind.

Die Entwicklung von Körper, Seele und Geist ist allerdings ohne Esoterik nicht denkbar. Wenn im alten China der Wind die Ernte vernichtete, sahen sich die Bauern gezwungen, sich esoterisch zu betätigen, indem sie der Frage nachgingen, woher der nicht sichtbare Wind weht. Die Erforschung der Gesetzmäßigkeiten des Windes war esoterische Arbeit der Gelehrten des Daoismus, wenn sie sich fragten, was Wind überhaupt ist und was genau ihn wehen lässt. Wenn die Naturwissenschaft in ihrem Bemühen, das Unsichtbare sichtbar zu machen, an ihre Grenzen stößt, geht sie nahtlos in Esoterik über. So geschehen im Jahre 1900, als Max Planck seine Quantenhypothese aufstellte. Weil für den Quantenphysiker das Sichtbare nur ein Abglanz der Realität ist, ist auch die Quantenphysik ihrem Wesen nach esoterisch. Das ist die Gemeinsamkeit mit dem Daoismus, dass das Wesentliche hinter allem unsichtbar ist, stets in Bewegung und bestimmten Gesetzmäßigkeiten unterliegt. Der Feng-Shui-Berater macht sich das Wissen um den Energiefluss um uns herum zunutze. Dabei arbeitet er nicht mit der Energie, sondern mit dem Sichtbaren.

Feng-Shui-Suite im Hotel Loccumer Hof Feng-Shui-Suite im Hotel Loccumer Hof (Foto: Hotel Loccumer Hof Hannover)

Die Schaffung eines guten Feng Shui im Wohnraum, also die Herstellung einer Harmonie durch positive, stärkende Energie, beginnt immer mit der Frage nach dem Ist-Zustand. Erst wenn der Feng-Shui-Berater weiß, warum sich jemand in seiner Wohnung nicht wohlfühlt, kann entschieden werden, welche Maßnahmen getroffen werden können, um einen störungsfreien Fluss der Energie zu gewährleisten.

Mehr dazu unter: Was ist Feng Shui? – Grundlagen & Geschichte

2. Gibt es bestimmte Feng-Shui-Produkte?

Auch die Beantwortung dieser Frage verlangt ein eindeutiges Nein. Feng Shui ist nicht die Lehre der Zimmerbrunnen, Kristalle und Windspiele. Auch die Farbe der Zimmerwand ist nicht das Entscheidende. Richtig ist, dass die einzelnen Raumbereiche bestimmte Bereiche unseres Lebens widerspiegeln und deren Gestaltung somit ein Abbild unseres derzeitigen Lebens ist. Lebt der Mensch in Harmonie mit sich und seiner Umwelt, drückt sich dies naturgemäß auch in einer energetisch harmonischen Gestaltung des Wohnraumes aus. Die Schaffung harmonischer Energien, die uns kräftigen und positiv auf uns einwirken, folgt in Bezug auf korrekte Anordnung der Möbel, der Farb- und Materialwahl bestimmten Gesetzmäßigkeiten. Auch das Gegenteil trifft zu. Fühlt sich der Bewohner in sich nicht wohl, herrscht auch meist in der Wohnung ein energetisches Chaos. Hier kann Feng Shui ansetzen und fragen, was vom Bewohner gewollt wird. Schon die Formulierung positiver Antworten ist ein Schritt in die richtige Richtung, denn die Energie folgt immer der Aufmerksamkeit. Das bedeutet, dass positive Gedanken positive Energie sind. Deshalb ist es auch so wichtig zu sagen, was man will und nicht, was man nicht will. Der Mensch steht beim Feng Shui im Mittelpunkt der Betrachtung. Erst wenn seine Intentionen klar sind, kann durch Möbelrücken, Farb- und Materialwahl unterstützend eingegriffen werden.

Natürlich kann dann auch mal ein Zimmerbrunnen zum Einsatz kommen. Aber nur, wenn der Bewohner eine positive Affinität zu Brunnen hat, einfach weil er sie mag und gern mit ihnen lebt. Es gibt weder Feng-Shui-Brunnen noch Feng-Shui-Kristalle, auch wenn sie als solche im Esoterik-Laden ausgewiesen sind. Die Installation solcher Dinge muss immer wirkungslos bleiben, wenn der Inhaber keinen Bezug dazu hat. Deshalb ist das Selberbasteln immer der Idealfall. Dann kommt es nur noch darauf an, das Objekt am richtigen Ort zu platzieren.

3. Ist Feng Shui also eine Einrichtungsberatung?

Gutes Feng Shui zu schaffen, bedeutet mehr als nur die richtige Farbe für die Partner-Ecke auszuwählen. Eine Feng-Shui-Beratung ist mitnichten eine bloße Einrichtungsberatung. Wer wissen will, welches Sofa er kaufen soll und wie er seine Wände farblich gestalten kann, ist bei einem Innenarchitekten besser aufgehoben.

Feng Shui richtet den Fokus zuerst auf den Menschen, erst dann auf die Wohnung. Ganzheitliche Feng-Shui-Beratung heißt, eine Beziehung des Grundrisses der Wohnung und deren Gestaltung mit dem Bewohner herzustellen, da sich darin seine Vorlieben und seine Probleme widerspiegeln. Lebt der Bewohner mit sich und seiner Umwelt in Harmonie, ist auch keine Feng-Shui-Beratung nötig. Doch wenn er eine Veränderung wünscht und sein Augenmerk auf eine positive Entwicklung richtet, kann eine Feng-Shui-Beratung wertvolle Hinweise für einen störungsfreien Fluss der Energie geben.

Beitrag teilen:
Über Long Wang 315 Artikel
Meister Long Wang ist seit 2007 Teil des Everyday Feng Shui Redaktionsteams und bereichert seither als Experte für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) mit seiner fernöstlichen Perspektive auf die Welt unsere Plattform. Zu erreichen ist er unter l.wang@everyday-feng-shui.de

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*