Das Qilin: Fabelwesen aus der chinesischen Mythologie

Neben dem Drachen ist das Qilin eines der bedeutendsten Fabelwesen in der chinesischen Mythologie. Qilins begegnet man in China überall. Was es mit diesen mysteriösen Kreaturen auf sich hat und warum viele Chinesen auch heute noch Qilin-Talismane mit sich herumtragen, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Bronze-Qilin im Sommerpalast in Peking
Bronze-Qilin im Sommerpalast in Peking
(Foto: televiseus)

Jeder Feng Shui Interessierte kennt Drachen und ihre große Bedeutung in der chinesischen Kulturtradition. Doch kennt ihr auch das chimärische Fabelwesen Qilin (manchmal auch unter der Bezeichnung Kirin, Kylin oder Keileon anzutreffen)? Wusstet ihr, dass vor der Qin-Dynastie (221-207 v. Chr.) das Qilin in der Hierarchie der chinesischen mythologischen Tiere eine höhere Stellung innehatte als Drachen? Letztere nahmen seinerzeit nach dem Qilin und dem Phoenix nur den dritten Rang ein.

Seine große Bedeutung erlangte das Qilin daher, dass sein Erscheinen ursprünglich mit der Geburt oder dem Tod eines weisen Herrschers in Verbindung gebracht wurde. Die erste Erwähnung des Qilin geht auf „Zuozhuan“ zurück, das früheste chinesische Werk narrativer Geschichte, welches zur Zeit des Konfuzius entstand (um 500 v. Chr.). Später tauchte das Qilin immer wieder in verschiedenen historischen und fiktionalen Texten auf. Wegen seines Aussehens wird das Qilin im westlichen Kulturkreis fälschlicherweise auch als „chinesisches Einhorn“ bezeichnet.

Aussehen und Eigenschaften

Im Laufe der chinesischen Kulturgeschichte wird das Aussehen des Qilin nicht einheitlich beschrieben. In der Ming Dynastie (1368–1644) beispielsweise trägt das Qilin einen drachenähnlichen Kopf mit Hörnern und den Barteln eines Fisches. Der Rumpf nebst Hufen gleicht eher dem eines Ochsen, jedoch ist der Körper mit blauen Drachenschuppen bedeckt. Später, zur Zeit der Qing-Dynastie wurde das Tier meist fantasievoller und eleganter dargestellt. Das Geweih glich eher dem eines Hirsches und der Schwanz war der eines Löwen.

Qilin-Türknauf im Lamatempel (Yonghe Gong) in Peking
Qilin-Türknauf im Lamatempel (Yonghe Gong) in Peking (Foto: Ming Xia)

Trotz seines furchteinflößenden Aussehens galt das Qilin als friedlich. Nur in wenigen Fällen wird es als feuerpeiende Chimäre beschrieben, die jedoch ausschließlich boshafte Menschen bestrafte. Seine Kost bestand aus pflanzlicher Nahrung und der Fortbewegungsstil wird als leichtfüßig beschrieben. Das Qilin konnte über Gras gehen, ohne dieses zu zertrampeln. Aufgrund seiner äußeren Eigenschaften und gewisser Ähnlichkeiten im Charakter wurde das Qilin später häufig auch giraffenähnlich dargestellt.

Dies wiederum hatte seinen Ursprung in der Afrika-Reise des Zheng He (1371–1435), der von seiner Schiffslandung im heutigen Kenia zwei Giraffen mit nach Peking brachte. Die Giraffen wurden von den Höflingen im Kaiserpalast als „Qilins“ bezeichnet und da die langhalsigen Tiere in China bis dato unbekannt waren, wurden sie für magische Wesen gehalten, welche die Macht des Kaisers unterstreichen sollten. Noch heute ist das japanische und koreanische Wort für Giraffe „Kirin“.

Die Bedeutung des Qilin im Feng Shui

Qilin-Talisman aus Porzellan
Qilin-Talisman aus Porzellan (Foto: Himmel-R)

Im Feng Shui wurde das Qilin als Symbol für Weisheit, Gerechtigkeit, Friedfertigkeit und ein langes Leben angesehen. In China glaubte man insbesondere daran, dass Qilins als Talisman den Erfolg von Kindern fördern und ihnen zu „wahrer Größe“ verhelfen können, was am Ende der ganzen Familie Glück und Wohlstand sichert. Eingraviert in Grabsteine sollten Qilins die Ahnen vor bösen Geistern beschützen und die Verstorbenen auf dem Weg in den Himmel begleiten. Paarweise vor Toren oder Hauseingängen platziert in Blickrichtung vom Haus weg galten sie auch als Schutz vor negativen Energien.

Im chinesischen Volksglauben gibt es zudem bis heute eine Redewendung, die lautet: „The Qilin bringing the child“ (Qilin bringt das Kind). Vergleichbar mit der deutschen Redewendung, das Kind wird vom Klapperstorch gebracht, gilt das Qilin also auch als eine Art Fruchtbarkeitstalisman. Als androgynes Wesen (Qi ist männlich und Lin weiblich) und durch seine Friedfertigkeit soll das Qilin zudem dafür Sorge tragen, dass das ungeborene Kind im Mutterleib beschützt wird und heil das Licht der Welt erblickt.

Als die bekanntesten Qilins gelten in China die steinernen Kreaturen an den kaiserlichen Mausoleen der südlichen Dynastien in Nanjing sowie das Qilin im Sommerpalast der Qing Dynastie in Peking.

www.everyday-feng-shui.de

Video: Der Tanz des Qilin im hakkanesischen Dorf Tai Long

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


*