Die Wirkung von Schrägen nach Feng Shui

Schrägen sind weder gut noch böse. Es kommt ganz darauf, wie man sie einsetzt. Sie können einen Raum harmonischer machen, aber auch bedrohlich wirken.

Schräge Architektur, Foto: jo.sau / flickr CC BY 2.0
Schräge Architektur, Foto: jo.sau / flickr CC BY 2.0

Ein Gestaltungselement mit vielen Wirkungen

Im Allgemeinen erschweren schräge Bauteile die Einrichtung. Sie können jedoch optisch und auch vom Raumgefühl her vermittelnd wirken und einen harmonischen Chi-Fluss begünstigen. Eine Abschrägung an der richtigen Stelle wirkt ähnlich wie eine Rundung oder ein Schwung. Es entstehen sanftere Übergänge und der Raum wirkt „runder“ oder  „flüssiger“. Es kann aber auch passieren, dass tote Ecken und so genannte „Fehlbereiche“ entstehen – vor allem, wenn es sich um spitze Winkel handelt, die mehr oder wenig übrig bleiben und schlecht genutzt werden können. Schrägen können außerdem bewusst eingesetzt werden, um eine dynamisierende Wirkung zu erzielen. In Feng-Shui-Lehrbüchern findet man Vorschläge, schräge Flöten aufzuhängen, um von Deckenbalken abzulenken. Die leichten Flöten oder Bambusstangen verleihen der Decke eine gewisse Leichtigkeit und erinnern optisch an Streben, die das Gebälk tragen.

Schrägen im Grundriss

Schrägen können im Grundriss vorkommen in Form von Wänden, die nicht rechtwinkelig versetzt sind, sondern in spitzen oder stumpfen Winkeln. Ein gutes Beispiel wäre ein Erker mit fünf, sechs oder acht Ecken. Architektur, die der Stilrichtung des Dekonstruktivismus zuzuordnen ist, kommt selten ohne Schrägen aus, und wirkt im Extremfall wie wenn eine Bombe eingeschlagen hätte. Je schärfer und zahlreicher die Winkel sind, umso instabiler und bedrohlicher ist der Gesamteindruck. Bei der Anordnung von Möbeln sollte man darauf achten, dass man nicht in Ecken hineinblicken muss, wenn man arbeitet oder auf dem Sofa sitzt. Man fühlt sich entspannter, wenn die Wände parallel verlaufen und nicht auf eine Spitze zulaufen.

Schräge Wände

Hier sind vor allem die Wände in Dachgeschoßen zu erwähnen. Aber auch die Wände von Zeltbauten sind selten lotrecht. Hier ist es besonders wichtig, darauf zu achten, dass man nirgendwo Angst haben muss, sich den Kopf anzuschlagen oder sonstwie anzuecken. Um Verspannungen und Beklemmungen zu vermeiden, füllt man die niedrigen Bereiche mit Einbauschränken oder Pflanzen an. Die Bereiche, in denen man aufrecht stehen kann, sollte man möglichst nicht verbauen oder verstellen, sondern frei halten.

Schräge Möbelteile

Im Handel sind schräg zugeschnittene Möbel eher selten erhältlich, aber mit Maß- und Einbaumöbeln ist alles möglich. Besonders gefragt sind raffinierte Eckschränke und Einbauschränke, die unter Dachschrägen passen. Bei allen L-förmigen Möbeln wie Schreibtischen und Sofa-Landschaften ist es von Vorteil, wenn die scharfe Innenecke mit einer Abschrägung entschärft wird. Außerdem sollte man immer dann über eine schräge Lösung nachdenken, wenn die Gefahr besteht, dass eine Möbelecke in den Raum ragt, an der man sich blaue Flecken holen könnte. Dies ist vor allem bei Tischkanten der Fall, die sich im Vorbeigehen in den Oberschenkel bohren können. Besonders in Türnähe sollten sich keine vorstehenden Kanten befinden, weil man hier oft aus- und eingeht oder um die Kurve gehen muss, um in den Raum vorzudringen.

Schräge Fußböden, Rampen und Treppen

Absichtlich schräg verlegte Fußböden kommen selten vor, aber es gibt sie. Häufig findet man schräge Abschnitte, um Fußböden zu verbinden, die eine ungleiche Höhe aufweisen. In Altbauten kann der Fußboden derart schräg verlaufen, dass ein Ball davonrollt. Die meisten Menschen fühlen sich auf Rampen nicht wohl und reagieren empfindlich auf schräge Fußbodenabschnitte. Man hat auf jeden Fall das Gefühl, besonders achtsam sein zu müssen, wenn der Boden plötzlich steigt oder fällt. Treppen verbinden Geschoße miteinander und öffnen den Raum nach oben oder unten. Sie wirken wie offene Türen und können für ungemütliche Gefühle sorgen, wenn es sich um einen Wohnraum handelt, in dem man Geborgenheit sucht. Offene Treppen können aber auch bereichernd und befreiend wirken, wenn sie zum Beispiel einen dunklen Flur unterbrechen.

Schräge Wände unter dem Mansardendach, Foto: Taber Andrew Bain / flickr CC BY 2.0
Schräge Wände unter dem Mansardendach, Foto: Taber Andrew Bain / flickr CC BY 2.0

Schräge Decken

Hier sind neben Decken unter schrägen Dächern auch Gewölbedecken zu erwähnen. Entscheidend für das Wohlbefinden ist weniger die Form der Schräge, sondern die Höhe, in der sie sich befindet. Decken sollten an keiner Stelle bedrückend wirken und hoch genug sein, um sich gefahrlos bewegen zu können.

Schräge Einzelteile

Schräge Stützen, schräge Balken, Streben bei Fachwerkhäusern, Stahl- und Holzkonstruktionen zählen zu den häufigsten Bauelementen, die uns im Alltag begegnen. Die meisten Menschen finden Fachwerkkonstruktionen sehr angenehm und harmonisch, weil sie einen stabilen und soliden Eindruck machen – im Gegensatz zu „fliegenden“ Stahlbetonbalken, die nirgendwo aufzuliegen scheinen. Es kommt also ganz auf die Situation an.

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Literatur-Übersicht

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Geomantie.Netzwerk Graz + Umgebung

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