Ernst Johann Eitel: Feng Shui Betrachtungen um 1873

Der Missionar Ernst Johann Eitel war einer der ersten, der das Phänomen Feng Shui in China unter wissenschaftlichen Aspekten untersuchte. Bereits 1873 erschien sein hierzulande weitgehend unbekannt gebliebenes Werk „Feng-Shui, Or, The Rudiments Of Natural Science In China“, welches wir euch in diesem Beitrag ans Herz legen möchten.

Japanische Ausgabe: Ernst Johann Eitels Klassiker über Feng Shui
Japanische Ausgabe: Ernst Johann Eitels Klassiker über Feng Shui

Auf einer Entdeckungsreise durch die Geschichte des Feng Shui führt kein Weg an Ernst Johann Eitel (1838-1908) vorbei. Eitel war ein in Württemberg geborener protestantischer Missionar, der von 1870 bis 1879 in Hongkong lebte. Berühmt geworden ist Eitel in erster Linie durch sein Wörterbuch des Kantonesischen von 1877. Weitgehend unbekannt geblieben ist dagegen, dass Eitel einer der ersten war, der das Phänomen Feng Shui in China unter halbwegs wissenschaftlichen Aspekten versucht hat zu beschreiben.

Bereits 1873 veröffentlichte er „Feng-Shui, Or, The Rudiments Of Natural Science In China“ (Feng Shui oder Ansätze der Naturwissenschaften in China), als Monografie in englischer Sprache. Es handelt sich dabei um eine 70-seitige Abhandlung, die sich einzig und allein mit der Fragestellung beschäftigt: Was ist Feng Shui? Das Werk ist unseres Erachtens insofern von großer Bedeutung, da es weder von kommerziellen Aspekten geprägt ist (Feng Shui war für die europäische Leserschaft, auf welche die Monographie abzielte, bis dato weitgehend unbekannt), noch der Verwässerung der „ursprünglichen Lehre“ durch Kulturrevolution und 60 Jahre Kommunismus unterlag.

Kritisch anmerken muss man jedoch, dass „Ernest John Eitel“, wie sein englischer Name lautete, nicht unbedingt ein Freund der chinesischen Kultur war und demzufolge die Feng Shui Thematik in seinem Werk tendenziell geringschätzig behandelte. Für Eitel gehörte Feng Shui und hier insbesondere die religiösen und vom Volksaberglauben geprägten Bestandteile der Lehre eher in die Ecke des Okkultismus. Diese Einstellung verwundert allerdings wenig, wenn man bedenkt, dass Ernst Johann Eitel Theologe und Missionar war.

Die Verwurzelung des Feng Shui mit dem Ahnenkult

Alte Grabsteine in China (Foto: Tim Zachernuk)

Äußerst interessant zu lesen sind allerdings die vielen Anekdoten, von denen Eitel berichtet, um die tiefe Verwurzelung des Feng Shui in der chinesischen Bevölkerung bis in intellektuelle Kreise hinein zu charakterisieren. Wenn beispielsweise in einer der damals 18 Provinzen eine Rebellion ausbrach, dann bestand die erste Maßnahme der Regierung nicht darin Truppen zu mobilisieren, um die Revolte niederzuschlagen, sondern es wurden zuerst Erkundigungen eingezogen, wo sich die Gräber der Vorfahren der Rebellionsführer befinden. Die Gräber wurden daraufhin entweiht, indem man sie öffnete und den Inhalt in der Umgebung verstreute.

Hintergrund dieser Aktion war, den Rebellionsführern die Unterstützung ihrer Ahnen zu versagen. Der Glaube an Feng Shui beinhaltete nämlich auch den Glauben daran, dass die Seelen der Verstorbenen nach dem Tod eng mit dem Schicksal der jeweiligen Familien verbunden bleiben. Verstreute man die Überreste der Vorfahren, so konnten deren positive Energien nicht mehr auf die Nachkommen übergehen und ihr Glück vergrößern. Eine Revolte musste somit zum Scheitern verurteil sein.

Mehr solcher Hintergrundinformationen zur Geschichte des Feng Shui findet ihr unter www.sacred-texts.com. Wir sind auch noch auf der Suche nach weiteren Online-Quelle zu Ernst Johann Eitel. Wenn ihr da noch einen Tipp für uns habt, wären wir euch sehr dankbar.

www.everyday-feng-shui.de

2 Kommentare

  1. Hallo Frau Seipel,

    haben Sie vielen Dank für den Hinweis! 2007 gehörten wir noch nicht zu den regelmäßigen Lesern des Feng Shui Blogs, sonst wären wir wohl schon früher auf Eitel aufmerksam geworden. Ganz persönlich halte ich die Herangehensweise an Feng Shui über historische Quellen für äußerst spannend. Wenn wir zukünftig nun noch chinesische Originalquellen mit in unsere Feng Shui Untersuchungen einbeziehen könnten, wäre das natürlich noch besser… hmmm. Mal sehen.

    Viele Grüße aus Berlin
    Long Wang

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