Was ist Vastu und was sind die Unterschiede zum chinesischen Feng Shui?

Immer wieder wird behauptet, Vastu sei das indische Pendant zum chinesischen Feng Shui. Was ist dran an dieser Behauptung? Was sind die Grundprinzipien des Vastu und wie unterscheidet sich die vedische Lehre vom Feng Shui? Ein kurzer Überblick.

Der Rajendra Chola Tempel in Indien: Perfekt gestaltet nach Vastu
Der Rajendra Chola Tempel in Indien: Perfekt gestaltet nach Vastu (Foto: Nagarjun Kandukuru)

Vastu hat seinen Ursprung in Indien und ist das vedische Pendant des chinesischen Feng Shui. Der Begriff Vastu stammt aus dem Sanskrit und hat zwei Bedeutungen: Zum einen bezeichnet er einen Ort, wo früh am Morgen das erste Sonnenlicht hin scheint. Zum anderen bedeutet Vaastu mit einem langen „a“ gesprochen einen umschlossenen Raum. Häufig wird es jedoch auch mit Natur, Umwelt oder schlichtweg Umgebung übersetzt. Unter der Bezeichnung Vastu lassen sich insgesamt die räumlichen Ausrichtungen hinduistischer Tempel zusammenfassen, während das Wort Vaastu die Gestaltung aller Gebäude und die Städte- und Landschaftsplanung beinhaltet. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird hierzulande in der Regel nur der Ausdruck Vastu verwendet, der alle Arten der Ausrichtung von Gebäuden bezeichnet.

Positive und negative Einflüsse

Vastu Purusha Mandale mit Nordost-Ausrichtung
des Kopfes

Über die Anfänge von Vastu gibt es unterschiedliche Aussagen. Sie reichen von 6000 – 7000 v. Chr. bis etwa 1500 v. Chr. Zweifelsfrei steht nur fest, dass die Philosophie, die Vastu zugrunde liegt, in den vedischen Schriften überliefert ist. Die Lehre besagt im Wesentlichen, dass für das Leben auf der Erde positive und negative Einflüsse mit verantwortlich sind. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Himmelsrichtungen, aber auch die Sonne, der Mond und die Planeten wirken auf unterschiedliche Weise auf die Erde ein. Die fünf Elemente Erde, Luft, Äther, Feuer und Wasser werden ebenso von der Vastu-Lehre berücksichtigt.

Ausrichtung am Sonnenlauf

Vastu orientiert sich am Lauf der Sonne, der mit dem Sonnenaufgang beginnt. Ab diesem Zeitpunkt bis zur Mittagszeit gibt die Sonne ihre aktivierende Energie ab. Während dieser Phase treffen diese positiven Energieschübe auch auf die Himmelsrichtungen Nordost, Ost und Südost zu. Ab der Mittagszeit wirkt nach der Vastu-Lehre die Energie der Sonne beruhigend, was wiederum ebenso auf die dazugehörigen Himmelsrichtungen Südwest, West und Nordwest zutrifft. Diese jahrtausendalten Erkenntnisse werden bei der Planung von Wohnräumen umgesetzt. Wer zum Beispiel mit dem Kopf in Richtung Norden schläft, muss mit negativen Energien rechnen. In Richtung Süden sein Haupt zu betten, verspricht Harmonie, während eine Schlafrichtung nach Osten für spirituellen Fortschritt steht.

Beispiel: Vaastu Haus in Bahlingen am Kaiserstuhl

Der ideale Bauplatz

Nach der Vastu-Lehre ist der optimale Baugrund ein Hang, der nach West und Süd ansteigt und sanft nach Nordost abfällt, denn die positiven Energieströme fließen überwiegend aus Nordost. Daran sollte der Bauherr bei der Festlegung der Öffnungen für das Haus denken. Der Norden und der Osten sind demnach besonders geeignet für Türen und Fenster eines Gebäudes. Während im Norden und Osten außerhalb des Hauses keine Hindernisse vorhanden sein sollten, ist es im Süden und im Westen angebracht, Bäume zu pflanzen. Sie spenden nicht nur Schatten, sie schirmen gleichermaßen negative Energieströme ab. Die architektonische Gestaltung eines Gebäudes entscheidet über die Harmonie seiner Bewohner. Nach der Vastu-Lehre soll der Mensch im Einklang mit den kosmischen Kräften leben, ohne dabei seine kreative Gestaltungsfreiheit aufzugeben.

Unterschiede zwischen Vastu und Feng Shui

Feng Shui und Vastu verfolgen die gleichen Ziele. Beiden Lehren geht es darum, für Menschen eine geeignete Umgebung zu schaffen. Das Augenmerk richtet sich dabei auf die unterschiedlichen positiven und negativen Energieströme und deren Auswirkung auf den Menschen. Anders als beim Feng Shui hat der Faktor Zeit beim Vastu keine Bedeutung. Feng Shui hat sich aus den Lehren Yin und Yang entwickelt. Neben den fünf Elementen nehmen die acht Trigramme Einfluss auf die Bauweise, die in China besonders beim Planen und Errichten von Grabstätten und Gärten wichtig sind (siehe auch: Was ist Feng Shui?). Größer als die Unterschiede sind die Übereinstimmungen der beiden Lehren. Die Nordost-Südwest-Achse hat bei beiden eine tragende Rolle, die sich nur darin unterscheidet, dass diese Achse im Feng Shui durchgehend die Erde durchläuft.

www.everyday-feng-shui.de

Weitere Informationen zu Vastu:

1 Kommentar

  1. Hallo. Toller Beitrag . Danke.

    Habe eine Frage. Ihr schreibt wegen dem Schlafzimmer dass das Haupt Richtung Süden ziehen soll wegen Harmonie. Wie meint ihr das? Soll ich so schlafen dass die Füße im Süd sind und der Kopf im N oder umgekehrt also dass der Kopf im Süden liegt und ich also Richtung Norden schau Dh Füße sind dann im Norden Da kommen wir nicht ganz mit lg Tom

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